Bibersee von Eppingen lockt Ausflügler und Fernsehteams an

Eppingen  Der von Bibern errichtete See bei Eppingen sorgte Mitte Januar für einen großen Medienrummel. Inzwischen ist es etwas ruhiger geworden. Einige Naturliebhaber hoffen, die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Ein Makler nutzte das neue Gewässer für einen Werbeslogan.

Von Nicole Theuer
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Bibersee von Eppingen lockt Ausflügler und Fernsehteams an

Ruhig liegt der Bibersee an der L 552 zwischen Eppingen und Elsenz, Abzweigung Adelshofen. Biber haben Dämme gebaut und so das Wasser zu einen beachtlichen kleinen See angestaut.

Foto: Franz Theuer

Es ist ruhig geworden um einen der kleinsten Einwohner der großen Kreisstadt. Nachdem Stimme.de über den Biber berichtet hatte, der entlang der Landesstraße L 552 einen See angelegt hatte, setzte ein wahrer Medienhype ein. Bürgermeister Peter Thalmann und Frank Edlinger, der Leiter des Ressorts Tiefbau und Grünplanung, waren gefragte Interviewpartner. Das streng geschützte Nagetier verdrängte sogar die Oberbürgermeisterwahl von Platz eins der Nachrichten. Regionale und überregionale Medien interessierten sich für den "Bibersee". Online-Portale berichteten ebenso wie private Fernsehanstalten in ihrem Frühprogramm.

Der Biber ist in Eppingen: Diese Schlagzeile elektrisierte Mitte Januar praktisch alle. Ein pelziges Nagetier hatte in Höhe der alten Mühle an der Abzweigung der L 552 nach Adelshofen einen Damm gebaut.

Neuer Lebensraum für Enten

Biberaktivitäten rund um Eppingen sind dem Regierungspräsidium Stuttgart schon seit einigen Jahren bekannt. Im vergangenen Jahr erreichte die Kraichgau Stimme dann der Anruf eines Adelshofeners, dass es einen Biberdamm gäbe. Allerdings hatte der fleißige Baumeister es da noch nicht geschafft, einen See anzulegen.

Eines Morgens war der Damm verschwunden. Doch offensichtlich verstand das Tier das als Aufforderung, auf der anderen Straßenseite richtig loszulegen. Es holte sich Verstärkung und machte einen auf "Bob, der Baumeister". Entstanden ist ein See, den jetzt auch viele Enten nutzen: Sie haben dort einen neuen Lebensraum gefunden haben.

"Ich finde es toll, dass sich hier ein Biber angesiedelt hat", sagte Sandra Helfrich. "Überall liest man vom Insekten- und Bienensterben, davon, dass Artenvielfalt verschwindet, da ist das doch eine wunderbare Sache." Die Frau, die an der Bergstraße wohnt, hat durch ihre Freundin von dem See erfahren.

"Meine Freundin wohnt in Eppingen, und ich wollte sie in ihrer neuen Wohnung besuchen", erzählte sie. Da die Freundin wisse, dass sie sich für Natur und deren Tiere interessiere, habe sie ihr davon erzählt.

Biber sind nachtaktive Tiere

Auch Sabine Hess ließ es sich nicht nehmen, das neue Gewässer anzuschauen. "Ich bin Biologin und engagiere mich auch im Naturschutz", erzählte sie und gab zu: "Sowas habe ich bislang noch nie in der Natur gesehen. Allenfalls mal auf Bildern." Hess nahm sich viel Zeit. Gegen die beißende Kälte hatte sie mehrere Lagen Kleidung übereinandergezogen, die Winterstiefel, Schal, Mütze und Handschuhe herausgekramt. "Natürlich weiß ich, dass Biber nachtaktive Tiere sind. Aber vielleicht zeigt er sich ja auch in der Dämmerung."

Auf eine Begegnung mit dem Nager, der es mühelos schafft, Baumstämme zu fällen, hofften auch Julian und Selina. Die beiden Fünfjährigen waren mit ihren Mamas gekommen. "Wir gehen regelmäßig gemeinsam mit unseren Kindern spazieren", erzählte Regina Maier. "Und wir versuchen immer, unsere Kinder für die Natur zu begeistern und sie dafür zu sensibilisieren."

Immobilienmakler wirbt mit Slogan "Wohnen am Bibersee"

Bei diesen Worten nickte Melanie Müller zustimmend: "In der heutigen Zeit, in dieser digitalisierten Welt, ist es wichtig, dass die Kinder den Bezug zur Natur nicht verlieren und auch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur lernen und später auch pflegen."

Doch der Eppinger Bibersee lockte nicht nur Naturliebhaber an, ein örtlicher Immobilienmakler erkannte die Chance und warb, am aufgestauten Wasser stehend, mit dem Slogan "Wohnen am Bibersee" für ein Objekt in Adelshofen.


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