Bad Rappenauer Parteien diskutieren Ideen gegen den Wohnungsmangel

Bad Rappenau  Nicht nur in den Großstädten, auch in kleineren Städten wird es immer schwerer, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Die Bad Rappenauer Parteien sehen kein Allheilmittel zur Lösung der Knappheit.

Von Elfi Hofmann

Viele Ideen gegen den Wohnungsmangel

Hier am Boppengrund I soll das Baugebiet Boppengrund II in Bonfeld entstehen. 58 Bauplätze werden dort geschaffen. Irgendwann stößt aber auch die Kurstadt an ihre räumlichen Grenzen.

Foto: Stefanie Pfäffle

Das Problem, eine bezahlbare Wohnung zu finden, war lange Zeit nur aus Ballungsräumen bekannt. Wohnraummangel gab es praktisch nur in den Metropolen. Doch seit einigen Jahren wird es auch in kleineren Städten immer schwerer, eine geeignete und vor allem bezahlbare Unterkunft zu finden. Auch in Bad Rappenau kennt man dieses Problem. Ein Allheilmittel haben die hiesigen Parteien und Gruppierungen allerdings nicht.

"Rappenau muss das Rad nicht neu erfinden", ist sich Gundi Störner sicher. Die SPD sei der Meinung, mit sanftem Druck auf die Vermieter könne man mehr erreichen als mit dem Ansetzen von Knebeln wie der Grundsteuer C. "Das ist nicht zielführend", so die Fraktionssprecherin. Mit dieser Steuer - so die Idee - sollen Grundstücksbesitzer überzeugt werden, braches Land zu bebauen. Ansonsten werden die bebaubaren Areale höher besteuert.

Wohnungsbaugesellschaft gründen oder eine bestehende mit ins Boot holen

Mehr halten die Sozialdemokraten hingegen von der Idee einer Wohnungsbaugesellschaft und sind damit nicht alleine in Bad Rappenau. Auch die CDU, Freie Wähler (FW) sowie die Linke denken in diese Richtung. Freilich alle mit unterschiedlicher Herangehensweise. Möchten SPD und CDU eine bereits bestehende Gesellschaft beziehungsweise Genossenschaft kontaktieren - möglicherweise aus anderen Gemeinden -, denkt Klaus Harder von der Linken an die Gründung solch einer Baugesellschaft. "In den 70er und 80er Jahren war so etwas selbstverständlich. Und jetzt ist es wieder notwendig", fordert Harder.

Auch die FW können sich vorstellen, eine Wohnbaugesellschaft zu gründen oder eine bereits bestehende mit ins Boot zu holen. Was Rüdiger Winter, Fraktionssprecher der FW, aber besonders wichtig ist: "Wir müssen die Landesbauordnung ändern." Denn vom Entschluss, ein Haus zu bauen, bis zur tatsächlichen Fertigstellung vergehe in Deutschland immer noch viel zu viel Zeit, die bürokratischen Hürden seien immens. Auf die lange Bank könne man in der jetzigen Situation aber nichts schieben. Außerdem fordern die FW, gezielt Investoren anzusprechen, um Wohnraum zu schaffen, den sich alle leisten können.

Bürokratische Hürden, die das Bauen erschweren, verringern

Eine etwas andere Herangehensweise verfolgen die Grünen mit der Idee einer Bauverpflichtung. "Wer Bauland hat, der muss auch bauen. Nicht nur auf dem Land, auch in der Stadt", erklärt Robin Müller. Weitere Flächen dafür zu schaffen, sei allerdings nicht im Sinne der Grünen, so der Fraktionssprecher.

Sanften Druck ausüben

Ähnlich wie die SPD verfolgen die Grünen die Strategie des sanften Drucks. Immer wieder mit den Menschen sprechen, ihnen klar machen, dass etwas passieren muss. Müller versteht, dass viele Vermieter schlechte Erfahrungen gemacht haben oder ihr Grundstück für die Enkelkinder aufheben wollen. Bei diesen Personen müsse man Aufklärungsarbeit leisten.

Die ÖDP spielt mit dem Gedanken, Prämien für die Personen zu zahlen, die ihr Wohneigentum vermieten. "Die Betreuung müsste die städtische Verwaltung übernehmen", so der Fraktionssprecher, Klaus Ries-Müller. Ein ganz anderer Ansatz ist hingegen die Idee, auf bereits bestehende Häuser weitere Stockwerke zu setzen, wie es bereits in mehreren Großstädten der Fall ist. "Oder es müssen vermehrt Dachgeschosse ausgebaut werden", erklärt Ries-Müller.

Weitere Flächen erschließen und damit mehr Bauland zu schaffen, das ist ein Vorschlag der CDU. Trotzdem brauche man einen Mix aus Eigentum und Mietwohnung, sagt Anne Köhler. "Irgendwann stößt man an seine räumlichen Grenzen", hält Ries-Müller entgegen. "Wir sind am Limit."

 


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