Aus der Heinsheimer Synagoge soll ein Schmuckstück werden

Bad Rappenau  Die Sanierung der ehemaligen Synagoge im Bad Rappenauer Ortsteil Heinsheim schreiten voran. Das Gotteshaus wartet auf den Innenausbau, derweil daneben ein Funktionsgebäude mit Teeküche, Toiletten und Abstellraum entsteht.

Von Ulrike Plapp-Schirmer
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Der Vollendung entgegen

Hans-Eckard Bucher, Manfred Schädler und Bernd Göller (von links) haben die Bauarbeiten an der ehemaligen Synagoge in Heinsheim im Blick.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Die Pläne, die schon länger an einer der Innenwände der ehemaligen Synagoge in Heinsheim hängen, nehmen draußen vor der Tür langsam Gestalt an. In den zurückliegenden Wochen ist das Nebengebäude entstanden. Es ist noch im Rohbau. Doch jetzt wird klar, wo Teeküche, Toiletten und ein kleiner Abstellraum künftig sein werden. Parallel läuft das Programm des Vereins Ehemalige Synagoge Heinsheim weiter: "Wir wollen schon in der Bauphase zeigen, was wir auch später machen", sagt Schriftführer Bernd Göller. Nämlich: "ein breites kulturelles Spektrum" auf die Beine stellen.

Die Veranstaltungen müssen nicht zwingend mit der Heinsheimer Synagoge zu tun haben, so lange sie zu dem Ort passen, dessen Besonderheiten gerade wieder zum Vorschein gebracht werden. Getreu dem Vereinsmotto "Erinnern, Dialog, Kultur" dürfe das dann auch Spaß machen, betont Bernd Göller.

Öffentliche und private Nutzung

Ist die Synagoge fertig, soll dort sowohl eine öffentliche als auch eine private Nutzung möglich sein. Das Gotteshaus selbst soll zu einem lebendigen Ort der Begegnung werden. Die Geschichte des Gebäudes, das ist auch der Wunsch des Landesdenkmalamts, soll sichtbar bleiben. Noch ist viel zu tun. "Aus dem Schmuddelkind wird langsam ein Schmuckstück", ist sich Bernd Göller sicher. Viel habe man schon geleistet. Aber jedes Detail, jeder Federstrich erfordere immer noch Absprache und Diskussion.

Der Vollendung entgegen

Stuckateur-Schüler und Lehrer der Johann-Jakob-Widmann Schule Heilbronn arbeite am Funktionsgebäude der Synagoge Heinsheim mit.

Foto: Hans-Eckhard Bucher

Die Sanierung soll dem Original möglichst nahe kommen, wobei man gar nicht wisse, wie das Original wirklich ausgesehen habe. Fotos existieren nicht. Nur Spuren, wie ein paar Sterne am Deckengewölbe. Oder die schwarzen Flecken an den Wänden, die Zeugnis von der säkularen Nutzung nach dem Krieg ablegen, als das Gotteshaus zuerst Scheune und dann Schmiede war. Die Veranstaltungen der Heinsheimer werden auch im zweiten Halbjahr 2019 in Kooperation mit dem Verein Jüdisches Leben im Kraichgau, mit der Bad Rappenauer Kurseelsorge und den örtlichen Kirchengemeinden durchgeführt.

Eine Hommage an Georg Elser am Freitag, 29. November, findet tags darauf nochmal als Veranstaltung der Synagoge Affaltrach in Obersulm statt. Das Lehrhaus Stuttgart ist Partner beim Trialog, der am Dienstag, 17. September, mit dem Thema "Abraham - Vater des Glaubens" fortgesetzt wird. Noch das ganze Jahr über weicht der Verein Ehemalige Synagoge Heinsheim mit seinen stets gut besuchten Veranstaltungen auf andere Orte aus. Unterstützung gibt es überall.

Deckungslücken müssen geschlossen werden

So helfen etwa Berufsschüler und Lehrer der Johann-Jakob-Widmann-Schule Heilbronn beim Bau des Nebengebäudes. Nach den Ferien gehe es weiter, berichten der Vorsitzende Hans-Eckhard Bucher und Kassier Manfred Schädler.

An Weihnachten wären sie gerne fertig: "Aber eine Garantie gibt es nicht", so Göller. Wie dem Synagogenverein die Kosten davongaloppieren, weil die Preise am Bau in die Höhe geschnellt sind, so vergeht auch die Zeit wie im Flug. Deckungslücken von 30.000 bis 50.000 Euro gibt es bei der Finanzierung: "Wir haben Angebote vorliegen, die differieren um 100 Prozent", sagt Hans-Eckard Bucher. "Wir schließen nicht aus", ergänzt Bernd Göller, "dass wir im nächsten Jahr noch einmal bei unseren Mitgliedern anklopfen müssen."

Halbjahresprogramm 2019

Der gemeinnützige Verein "Ehemalige Synagoge Heinsheim" setzt sein Programm am Dienstag, 17. September, um 19.30 Uhr mit einer weiteren Ausgabe des Trialogs fort. Um "Abraham - Vater des Glaubens" geht es dann im evangelischen Gemeindehaus in Bad Rappenau. Der Referent Martin Seeger begibt sich am Donnerstag, 24. Oktober, ab 19.30 Uhr im Wasserschloss auf die Spuren württembergischer Templer in Israel.

Hochschul-Rabbiner Shaul Friberg leitet erneut Chanukka - Lichterzünden, am Donnerstag, 26. Dezember, um 19 Uhr in der Synagoge in Heinsheim. In Kooperation mit dem Freundeskreis der ehemaligen Synagoge in Affaltrach präsentieren die Heinsheimer am Freitag, 29. November, ab 19.30 Uhr im Wasserschloss eine "Musikalische Hommage an Georg Elser - Anlässlich des 80. Jahrestags des Attentats auf Adolf Hitler am 8. November 1939" mit dem Ensemble "Lautwärts". Das spielt tags darauf, am 30. November, in Obersulm.

Wirtschaftlich sei das günstiger, sagt der Schriftführer des Vereins Ehemalige Synagoge Heinsheim, Bernd Göller. Wer mehr über die Initiative wissen möchte, wird im Internet fündig unter www.synagige-heinsheim.de. Eine Jahresmitgliedschaft kostet für Erwachsene 25 Euro, Ehepaare zahlen 40 Euro.

 

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