Wo Raketen ihre Spuren hinterließen

In Siegelsbach und Peenemünde verschwinden die Folgen militärischer Nutzung nur langsam

Von Rudolf Landauer
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Von Peenemünde wurden bis 1945 die gefürchteten V- 2-Raketen abgeschossen. Deren Einzelteile kamen auch aus Siegelsbach.Foto: Rudolf Landauer

Geschichte - Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Orte ein ähnliches Schicksal, noch heute sind die Folgen der militärischen Vergangenheit spürbar: Siegelsbach und, ziemlich genau 900 Kilometer entfernt, Peenemünde an der Nordspitze der Insel Usedom an der Ostsee.

Geheim Hier wie dort haben einst Militärmachthaber über die Köpfe der Bevölkerung entschieden, dass Anlagen zur Herstellung und zum Testen von Waffen und Munition gebaut werden sollen. Man wählte abgelegene Plätze aus, die strengster Geheimhaltung unterlagen. Die meisten Bewohner der beiden Orte wussten nicht, was sich in ihrer Nähe abspielte, hohe Sicherungsmaßnahmen ließen aber so manchen stutzig werden. Nächtliche Eisenbahntransporte mit getarnten Güterzügen und viele Zwangsarbeiter blieben den Menschen in Siegelsbach und Peenemünde nicht verborgen.

So weit die Erinnerung an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Heute hat sich die Situation verändert: In beiden Gemeinden ist das Militär Vergangenheit. Aber seine Spuren verschwinden nur langsam. In Siegelsbach waren nach Kriegsende US-Militär und Bundeswehr eingezogen, in Peenemünde die Russen und die Nationale Volksarmee der DDR. In beiden Standorten gibt es noch immer Altlasten: Chemisch verseuchte Böden und Blindgänger schränken die Nutzung der Areale bis heute ein.

Doch Siegelsbach und Peenemünde verbindet auch die Geschichte der Raketen − und zwar der militärisch genutzten und solcher für die Raumfahrt. Als am 3. Oktober 1942 von einer Startrampe in Peenemünde erstmals eine Rakete − eine V4 − ins All geschossen wurde, war das der Beginn der Weltraumfahrt. Als in der Folge V-2-Raketen nach England flogen, reagierten die Alliierten mit Luftangriffen auf deutsche Städte. Mit Peenemünde eng in Verbindung stehen die Namen Wernher von Braun und Hermann Oberth, Vordenker der Weltraumfahrt. Ein weiterer Name taucht bei der Recherche auf: General Walter Dornberger, früher Chef in Peenemünde. Er befahl im Krieg, dass Siegelsbach über Lagereinrichtungen für 180 Raketen des Typs V 2 verfügen und als Zwischenlager der Produktionsstätte Nordhausen in Thüringen und von Peenemünde dienen soll. Die V 2 aus der Fertigungsstätte "Mittelwerk" in Nordhausen wurde auf der Schiene über Neckarbischofsheim nach Siegelsbach geliefert, aufbereitet und weiter nach Peenemünde verschickt.

Pläne Im Februar und März 1945 wurde Siegelsbach durch die US-Luftwaffe bombardiert. Dabei schlug eine Bombe in eine Lagerstätte mit V-2-Raketenzündern ein, was eine große Explosion auslöste. Heute, 66 Jahre später, versuchen Siegelsbach und Bad Rappenau als Standortkommunen, das einstige Militärgelände zu einem Umwelttechnologiepark umzubauen. In Peenemünde laufen Überlegungen, das Areal zum Weltkulturerbe zu machen als Denkmal "Wiege der Raumfahrt". Die Landeregierung legte die Pläne jedoch auf Eis.


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