Wertvoller Fund: Baugrube gibt alte Stadtmauer frei

Eppingen - Beim Kelleraushub für den zweiten Rathausanbau ist ein zehn Meter langes Stück der 500 Jahre alten Eppinger Stadtmauer aufgetaucht. „Das ist ein wertvoller Fund“, freut sich Reinhard Ihle von den Heimatfreunden über ein weiteres „Puzzleteil der Stadtgeschichte“.

Von Alexander Hettich

Polier Hagen Riegler an der historischen Stadtmauer. Foto: Alexander Hettich

Eppingen - Beim Kelleraushub für den zweiten Rathausanbau ist ein zehn Meter langes Stück der 500 Jahre alten Eppinger Stadtmauer aufgetaucht. Arbeiter haben den Wall fein säuberlich dokumentiert, zerlegt und zwischengelagert. Vor dem fertigen Verwaltungsgebäude werden die wuchtigen Sandsteinquader dann wieder zusammengefügt. „Das ist ein wertvoller Fund“, freut sich Reinhard Ihle von den Heimatfreunden über ein weiteres „Puzzleteil der Stadtgeschichte“.

Höchste Alarmstufe

Überraschend kam der Fund nicht mehr. Schon im vergangenen Herbst hatten die Planer bei Ihle angefragt, ob die Bagger irgendwelche Schätze zu Tage fordern könnten. Der Heimatfreund wälzte alte Pläne, schnell war klar: Hier verlief die Mauer, die einst die westliche Vorstadt umgab. Die Erweiterung war Anfang des 16. Jahrhunderts angelegt worden, weil die Altstadt aus allen Nähten platzte. Ein Bauhistoriker stieg in den Keller des kürzlich abgerissenen Wohnhauses Wilhelmstraße 5, wo sich eine Mauer mit ihrem groben Behau deutlich von den anderen abhob. Die Bauherren des 19. Jahrhunderts hatten ihr Haus auf die historische Befestigung aufgesattelt. Die Bauarbeiter der Firma Fritz und Müller waren gewarnt. Am Donnerstag war höchste Alarmstufe angesagt.

Schönheitskur mit dem Sandstrahler

Die Baggerschaufel fraß sich vorsichtig ins Erdreich. „Dann musste man auch mit Schaufeln ran“, beschreibt Architekt Gunter Schwarz die akribische Handarbeit. Am Nachmittag war der zehn Meter lange, einen Meter breite und mehr als zwei Meter hohe Wall freigelegt. Nach eine Schönheitskur mit dem Sandstrahler und einer Fotosession zur Dokumentation hieß es: fertig zum Abtransport nach Richen ins Zwischenlager. Dort warten die Quader, die zum Teil mehr als 100 Kilogramm auf die Waage bringen, auf ihren großen Auftritt an prominenter Stelle. An Ort und Stelle konnte die Mauer nicht bleiben. Sie wäre mitten durch einen Kellerraum des Verwaltungsgebäudes verlaufen. „Den Platz brauchen wir“, erklärte Oberbürgermeister Klaus Holaschke.

Und im Freien ist das Stück Stadtgeschichte auch viel besser zu bewundern. Wenn das Rathaus fertig ist, werden die Steine parallel zur Fassade wieder aufgeschichtet. Heimatfreund Ihle begrüßt die „sehr gute Lösung“ und schmiedet schon Pläne: „Wir wollen eine Tafel mit Erläuterungen aufstellen.“ Der Verlauf der Verteidigungslinie soll im Erdgeschoss des Rathausanbaus mit einem andersfarbigen Bodenbelag nachgezeichnet werden. Reste der Stadtmauer finden sich heute etwa noch an der Südseite der Leiergasse, erklärt Ihle: „Viel ist davon aber nicht mehr übrig.“