Von d´Artagnan und Armagnac

Graf Stéphane de Castelbajac, Nachfahre der Musketiere, las aus seinem Buch

Von Christine Weller
Von d´Artagnan und Armagnac
Freund edler Tropfen: Stéphane de Castelbajac.Foto: Christine Weller

Bad Rappenau - „Das Leben an sich ist langweilig“, sagt Graf Stéphane de Castelbajac, Nachfahre der Musketiere der Könige von Frankreich, „deswegen muss ich immer wieder etwas Neues tun.“ Über sein Leben, das alles andere als langweilig war, hat der Vicomte ein Buch geschrieben und am Montag im Bad Rappenauer Wasserschloss vor kleinem Publikum zum ersten Mal daraus vorgelesen.

Er kam als Gast des Galeristen Michael Steiner, mit dem er seit rund 20 Jahren befreundet ist. Heitere, spannende , aber auch traurige Ereignisse reihen sich in dieser Biografie. Auch seiner Krankheit, einer Leukodistrophie, die den Grafen seit einigen Jahren an den Rollstuhl fesselt, hat er Raum gewidmet. Stéphane de Castelbajac kann die Geschichte seiner Familie bis zum Jahr 864 zurückverfolgen. Kreuzritter trugen das Wappen der Castelbajacs ebenso wie später die Musketiere. Seit dem Mittelalter wird auf den Ländereien der Familie in der Gascogne Wein angebaut.

Zu den Ahnen des Vicomte zählt der Erfinder des Cognac, Chevalier de la Croix-Maron. Mit den Nachkommen des legendären d´Artagnan, alias Charles de Batz, ist Castelbajac verwandt - ebenso mit Modeschöpfer Jean-Charles Castelbajac. Selbst vermarktet der Vicomte, in der Tradition der Familie bleibend, Weine und Weinbrände, für die er etliche Preise eingeheimst hat. Einige Jahre verbrachte er in Heidelberg und hat dort in den 90er Jahren die Heidelberger Symposien ins Leben gerufen - Versammlungen hochrangiger Fachleute mit Vorträgen und Gesprächen zu Fragen der Wein- und Branntweinherstellung. In seinem Buch „Un mousquetaire en Allemagne“ (Ein Musketier in Deutschland) würdigt sein Verwandter, der Designer Jean-Charles Castelbajac, die Verdienste des ungewöhnlichen Mannes. Graf Stéphane selbst sieht sich bescheiden als „französischer Landwirt“.

Gute Freundschaften bedeuten ihm mehr als materieller Gewinn. In Bad Rappenau las er nur heitere Episoden aus seinem Leben. Etwa, wie er als junger Mann eine illustre Gesellschaft dadurch erschreckte, dass er im Cowboy-Kostüm und mit Perücke zu einem Empfang kam. Oder er ließ die Zuhörer über ein Schachspiel schmunzeln, das er als Student gegen den Sohn des früheren Bundespräsidenten von Weizsäcker verlor: „ Beim Schach bin ich kein großes Talent.“ Stéphane Castelbajac las in französischer Sprache; übersetzt hat sein Freund Rüdiger Gall.

In Lesepausen ließ der Weinhändler und Theologe Urs Michalke aus Kaub am Rhein die Zuhörer Proben von edlem Armagnac, Cognac und verschiedenen Weinen aus dem Hause Castelbajac kosten. Das Buch Castelbajacs kann - nur in französischer Sprache - in der Galerie Steiner gekauft werden. Der Erlös dient der weiteren Forschung der seltenen genetischen Krankheit, die den Grafen an den Rollstuhl fesselt - ihm aber nichts von seiner positiven Lebenseinstellung genommen hat.


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