Umstrittene Mobilfunkantenne in Mühlbach wird vorerst nicht gebaut

Eppingen - Nach heftigen Anwohnerprotesten hatte die Stadt zuletzt ein Moratorium verfügt. Jetzt liegt der Bau einer Mobilfunkantenne im Dach der Mühlbacher Verwaltungsstelle noch länger auf Eis.

Von unserem Redakteur Alexander Hettich
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Wogen in Mühlbach sind vorerst geglättet
Ein Protestplakat verkündet im Mai: O2 kann nicht. Das Unternehmen könnte schon, will aber mit der Stadt Alternativen zum Rathaus ausloten.Foto: Archiv/Hettich

Eppingen - Nach heftigen Anwohnerprotesten hatte die Stadt zuletzt ein Moratorium verfügt. Jetzt liegt der Bau einer Mobilfunkantenne im Dach der Mühlbacher Verwaltungsstelle noch länger auf Eis. "O 2 wird die Anlage zunächst nicht realisieren", verweist Rathaussprecher Sönke Brenner auf laufende Gespräche mit dem Betreiber, in denen auch mögliche Alternativen ausgelotet werden sollen. Vom Tisch ist der umstrittene Standort nicht. Trotzdem sehen die Gegner im Burgfrieden einen Teilerfolg.

Protest

Die Pläne des Unternehmens Telefonica, Betreiber des O-2-Netzes, hatten im Eppinger Stadtteil hohe Wellen geschlagen. Der Protest aufgebrachter Anwohner ging soweit, dass Mühlbacher im Juni die Zufahrt zum Hof der Verwaltungsstelle versperrten, um die angerückte Arbeitskolonne an der Installation der Antenne zu hindern. Die Gegner, die zuvor Protestunterschriften gesammelt hatten, halten den Standort neben Schule und Kindergarten für ungeeignet. Nach der Blockadeaktion erkaufte sich die Stadt eine Verschnaufpause, schickte die Handwerker unverrichteter Dinge weg und entschädigte das Mobilfunkunternehmen für den Aufwand. Die Kosten hierfür wurden auf 5000 Euro geschätzt.

Bei einem von Oberbürgermeister Klaus Holaschke eingefädelten Treffen im Rathaus, an dem neben mehreren Mobilfunkanbietern auch Mühlbacher Bürger teilnahmen, gelang es nun offenbar, die Wogen weiter zu glätten. Ein von der Stadt beauftragter Fachmann hatte nach Informationen unserer Zeitung zwar festgestellt, dass alle gültigen Grenzwerte eingehalten werden. Auch verfügt Telefonica über einen gültigen Vertrag, der es erlaubte, die Antenne zu installieren. Trotzdem wolle man sich jetzt bemühen, "einen für alle tragbaren Kompromiss" zu finden, so Rathaussprecher Brenner. Telefonica-Umweltreferent Thomas Lichtenberger bestätigt gegenüber der KS die Gespräche. Grundlage sei der "von der Stadt bis dato nicht erfüllte Standortvertrag", erinnert Lichtenberger an die Rechtslage. Man sehe weiter Versorgungsbedarf für die Kunden und lote jetzt eine Einigung aus. Lichtenberger hatte im Mai vergangenen Jahres bei einer emotionsgeladenen Versammlung in Mühlbach versucht, Ängste zu zerstreuen, die Positionen blieben aber verhärtet.

Beteiligt

Kerstin Stickel, eine der Wortführerinnen der Standortgegner, bewertet die Denkpause positiv und lobt die neue Gesprächskultur. "Es ist schön, dass die Mühlbacher Bürger ins Boot geholt werden." Jetzt müsse man abwarten, ob sich eine Lösung mit einem anderen Platz für die Antenne finde. Laut Frieder Fundis besteht kein Zeitdruck. "Für 2012 hat O 2 den Standort aus der Vordringlichkeit herausgenommen", berichtet Mühlbachs Ortsvorsteher. Der Interpretation, der eigentlich genehmigte Standort auf dem Rathaus sei vom Tisch, tritt Fundis aber entgegen: "So kann man das nicht sagen."

Standortsuche

Kommunen haben nicht die Möglichkeit, Standorte für Mobilfunkantennen zu genehmigen oder zu verweigern. In der Praxis erfolgt die Auswahl jedoch in Abstimmung mit den Betreibern, denen die Gemeinden denkbare Standorte vorschlagen. Ist die Gemeinde nicht selbst Eigentümerin wie im Mühlbacher Fall können sich die Unternehmen auch private Hausabesitzer suchen, die ihre Dächer für Antennen vermieten. In jedem Fall brauchen sie eine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur, die bestätigt, dass alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten sind. Ein solches Dokument liegt für das Mühlbacher Rathaus vor. ah
 


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