Trauer um mehr als 250.000 Bienen

Kirchardt - Durch einen dreisten Diebstahl erfrieren hunderttausende Bienen von Imker Axel Schade.

Von Adrian Hoffmann
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Kirchardt - Axel Schade hat einen großen Schrecken bekommen, als er vergangenen Dienstag nach seinen Bienenstöcken an einem Waldrand in Berwangen schaute: Die Abdeckungen fehlten – Regen und Kälte drang in die Waben. Irgendjemand muss die Edelstahl-Deckel, die viele Imker zum Schutz vor Winterwetter verwenden, geklaut haben. 26 der 30 Bienenvölker überlebten das nicht – 250.000 bis 400.000 Bienen. „Ich habe mich sehr, sehr aufgeregt“, sagt Schade, 38 Jahre alt. „Die Abdeckungen zu klauen, das ist doch völlig schwachsinnig.“

Zuchtköniginnen

Schade steht vor den mit Schnee überzogenen Bienenstöcken und zeigt, wie es abgelaufen sein muss. Zuerst warf der Täter die Steine beiseite, die die Deckel auf die Kästen drücken, dann lud er das Edelstahl in sein Auto – bei dieser Aktion hatte er auch noch die darunter liegenden Holzplatten verschoben, die den Bienen zusätzlich Schutz gaben. „Er muss mit dem Auto gekommen sein, sonst hätte er das nicht transportieren können.“ Noch immer liegen tote Bienen in Häufchen neben den Stöcken. „Das tut schon weh“, sagt Schade. Erst letztes Jahr hatte er sich frische Zuchtköniginnen angeschafft.

Auch der finanzielle Schaden ist groß. Schade schätzt ihn auf etwa 3500 Euro, dazu kommt der Honig, der ihm fehlt. „Wir sind geschockt“, sagt Thomas Hummel vom Imkerverein Sinsheim. „Das Schlimme an solchen Fällen ist nicht der materielle Verlust, sondern dass die Tiere darunter leiden.“ Und es stecke so viel Arbeit darin. Beide Standorte von Schade sind betroffen, an jedem stehen 15 Bienenstöcke – sie liegen am Rand des Bienenwäldchens von Berwangen Richtung Massenbachhausen, 1,5 Kilometer voneinander entfernt. „Eigentlich ist der Ort ideal zum Überwintern“, sagt Schade. Rapsfelder blühen hier im Frühjahr.

Kein Wertgegenstand

Irgendwann zwischen dem Silvestermorgen und dem 10. Januar muss sich die Tat zugetragen haben – in dieser Zeit war Schade in Gran Canaria im Urlaub. „Normalerweise laufe ich jeden Tag vorbei“, sagt er. Ihm sei völlig schleierhaft, was jemand mit den 30 Abdeckungen anfangen will. „Das ist doch kein Wertgegenstand.“

Seit drei Jahren ist die Imkerei ein großes Hobby von Axel Schade. Der Inhaber der Firma Search & Find Werbeservice in Berwangen kümmert sich mit seinem Kollegen Alexander Bäuerle um die Bienen. Es fing alles damit an, dass sie bei einer Wette ein Bienenvolk gewann – plötzlich wurden 30 daraus. Einen Teil der erfrorenen Bienen soll für die Bio-AG in der Kirchardter Birkenbachschule verwendet werden, ein Lehrer hatte angefragt.

Axel Schade macht sich keine Hoffnungen, dass ein Täter geschnappt wird. Nähere Erkenntnisse hat man auch bei der Polizei nicht. Weitermachen will er aber auf jeden Fall. „Jetzt erst recht“, sagt er.


Zerstörte Bienenstöcke

Vandalismus in Form von dummen Jungenstreichen und Diebstahl – beides komme gelegentlich vor, sagt Thomas Hummel vom Imkerverein Sinsheim. Dass es jemanden so heftig trifft wie Imker Axel Schade aus Berwangen, sei aber selten. Der materielle Schaden werde ihm teilweise von der Versicherung erstattet. aho



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