Tornadotag im Kraichgau

Kraichgau - Zuerst sorgte am Montag gegen 18 Uhr eine Windhose in Weiler binnen Sekunden für erheblichen Flurschaden, eine halbe Stunde später entwurzelte der Wirbelsturm zwischen Richen und Stebbach Bäume und wehte Äste auf die B 293.

Von Steffan Maurhoff
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Kraichgau - Zuerst sorgte am Montag gegen 18 Uhr eine Windhose in Weiler binnen Sekunden für erheblichen Flurschaden, eine halbe Stunde später entwurzelte der Wirbelsturm zwischen Richen und Stebbach Bäume und wehte Äste auf die B 293. Während der Polizei aus Stebbach kein Schaden gemeldet wurden, musste in Weiler die Feuerwehr ran.

Lokal begrenzt

Abteilungskommandant Michael Maier war nach seinem Einsatz  am Montagabend noch immer ein bisschen verdattert. Gegen 18 Uhr hatte es gestürmt, als er aus seinem Wohnzimmerfenster schaute: „Da hab ich das Ding gesehen.“ Am Ortsrand in Richtung Reihen tobte ein Wirbelwind über die Felder und eine Straße. „Vier, fünf Meter dick“, war der Rüssel, so schätzt Maier. Darüber rotierte in etwa 100 Metern Durchmesser die Wolkendecke: „Das war ein einmaliges Bild.“

Bäume und Schilder

Der Tornado schlug so schnell und begrenzt zu, dass Fußgaller auf dem Sportplatz am gegenüberliegenden Ortsende überhaupt nichts mitbekommen haben. „Bei uns hat es doch kaum Wind gehabt“, meinte ein Junge verdutzt, als er von dem Tornado hörte. So schnell der Wirbelwind auftauchte, so schnell war er wieder verschwunden. „In 20, 30 Sekunden war das erledigt“, berichtete Augenzeuge Maier. Doch diese wenigen Sekunden reichten aus.

Bevor der Durchmesser des Rüssels größer wurde und der Wind an Kraft verlor, verwüstete er Weinberge und Äcker von der Größe zweier Fußballfelder und drückte etwa 30 Obstbäume um. Die Kraft war so enorm, dass ein Verkehrsschild einfach abknickte, ein anderes mitsamt Betonsockel aus dem Boden gezogen wurde. Sogar Futterrüben wurden durch die Windhose aus dem Erdreich gerissen. Sie landeten bei Tausenden Äpfeln in den angrenzenden Äckern.

Es gab erheblichen Flurschaden, doch verletzt wurde niemand. Michael Maier meinte: „Zum Glück ist die Windhose nicht über Häuser gezogen. Das hätte sicher die Dächer abgedeckt.“ Nur rund 300 Meter weiter westlich, und der Tornado hätte den Ort erwischt. Die Feuerwehr war zunächst gar nicht an der am schwersten betroffenen Stelle neben der Kreisstraße K 4277 nach Reihen im Einsatz.

Das verwüstete Feld sollte am Montag der zweite Alarm werden. Der erste war wenige Minuten zuvor eingetroffen: Autofahrer hatten gemeldet, dass am Ortseingang in Richtung Sinsheim umgestürzte Bäume die Landesstraße L 550 blockierten. Die Feuerwehr war mit zehn Mann im Einsatz und hatte gegen 19 Uhr beide Straßen – sowohl die nach Sinsheim als auch die nach Reihen – geräumt.

Nicht verschont

Ortsvorsteher Manfred Wiedl hatte am Montagabend an seinem Arbeitsplatz im Sinsheimer Polizeirevier von der Windhose erfahren und war sofort nach Hause gefahren. Vor Ort verblüffte ihn, was Naturgewalten, sonst bestenfalls vom Fernsehen bekannt, binnen Sekunden anrichten können. „Und dabei war unser Spruch in den ganzen Jahren: Wir sind immer verschont geblieben.“


Hintergrund: Wirbelwinde

Tornados sind in jüngster Zeit immer wieder in Deutschland aufgetreten. Am Pfingstmontag 2010 richtet ein Wirbelsturm im sächsischen Großenhain Millionenschaden an; die Partnerstadt Öhringen hilft umgehend mit Benefizveranstaltungen. Im Juli tobt ein Tornado über eine Badeinsel vor Helgoland; es gibt elf Verletzte, vor allem wegen herumgewirbelter Strandkörbe.

Im August 2009 wird ein Wirbelwind bei Kirchardt beobachtet; es gibt jedoch keinen Schaden. Juli 2007: Tornado zwischen Heilbronn und Leingarten; kein Schaden. August 2006: Wirbelsturm in Eppingen. Dächer werden abgedeckt, im Recyclinghof fliegen massive Container wie Pappschachteln durcheinander. Verletzt wird niemand. off

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