Strandfotos statt Brötchen

Eppingen und Bad Rappenau sind die Reisebedarfsläden wichtig

Von Peter Boxheimer

Strandfotos statt Brötchen
Heruntergelassene Jalousien empfangen seit einem Jahr die Besucher Eppingens am Bahnhof. Der Reisebedarfsladen mit Bistro ist geschlossen.

Fotos: Peter Boxheimer

An der geschlossenen Eingangstür ist ein Ensemble von bunten Plakaten drapiert, das für Weltreisen wirbt. Strandfotos aus Mexiko sollen wohl ein wenig die Tristesse verbergen, die seit einem Jahr im Eppinger Bahnhof herrscht. Fahrgäste, die mit dem Zug nach Heilbronn, Karlsruhe oder Heidelberg fahren, bekommen hier noch nicht einmal ein Brötchen. Wird der Servicestore überhaupt weiterbetrieben? Die Bahn gibt sich optimistisch. „Die Gespräche stehen unmittelbar vor dem Abschluss“, sagt ihr Stuttgarter Sprecher Reinhold Willing zur Pächtersuche. Einen Eröffnungstermin kann er freilich noch nicht nennen. In der Regel gehe das aber zügig.

Dass die Bahn endlich einen neuen Betreiber für den Reisebedarfsshop findet, daran hat das Eppinger Rathaus großes Interesse. Das Eingangstor zur Stadt soll im Jahr der baden-württembergischen Heimattage die zahlreiche Gäste nicht mit heruntergelassenen Bistro-Jalousien und verrammelten Türen begrüßen. „Das wäre überhaupt nicht ideal“, findet Oberbürgermeister Klaus Holaschke. Er sieht das Verkehrsunternehmen unter Druck. Schließlich habe es eine beträchtliche Summe in den Laden investiert, der im Frühjahr 2005 eröffnet wurde. Nach nur acht Monaten warf der erste Pächter das Handtuch. Die Suche nach einem Nachfolger dauert bis heute an.

Langwierig sind auch die Gespräche, die die Stadt Bad Rappenau in gleicher Sache mit der Bahn führt. Die nächste Runde ist für den 25. Januar anberaumt. In der Kurstadt schaut es noch schlechter aus als in Eppingen, wo das in den Bahnhof eingezogene Reisebüro Benz den Fahrkartenverkauf übernommen hat. Zugreisende bekommen derzeit in Rappenau nur am Automaten Tickets.

Eine Zwei-Stufen-Lösung steht auf der Wunschliste des Rathauses. Bis zur Landesgartenschau im Jahr 2008 soll es im Bahnhof ein Provisorium ohne große Umbauten geben: Kartenservice und Reisebedarf in einem Laden. In einem zweiten Schritt wird eine umfassende neue Nutzung des Erdgeschosses angepeilt. Sie kann erst realisiert werden, wenn Ende 2008 das elektronische Stellwerk für die Bahnlinie in Betrieb geht. Dann wird der Platz für den Bahnmitarbeiter nicht mehr gebraucht, der zurzeit noch von Hand die Schranken öffnen und schließen muss.

Einen Vorteil erkennt Bad Rappenaus Hauptamtsleiter Wolfgang Franke gegenüber Eppingen: „Der Bahnhof hat eine fast zentrale Innenstadtlage.“ Und die dürfte noch attraktiver werden, wenn demnächst für Fußgänger und Radfahrer die Unterführung zwischen Vorplatz und Raiffeisenstraße kommt. Dann ist Rappenaus Süden direkt an den Bahnhof angebunden.

„Natürlich wäre es schön, für die Zeit der Gartenschau einzelne Verbesserungen anbieten zu können“, räumt Bahn-Sprecher Willing ein. Doch zunächst müsse geklärt werden, was bautechnisch möglich ist. In zwei Wochen will die Bahn wohl ein Nutzungskonzept für das Erdgeschoss vorlegen.

Eine Übernahme des Bahnhofsgebäudes durch die Stadt steht im finanziell klammen Bad Rappenau derzeit nicht zur Debatte. Wolfgang Franke: „Wir sind im Gegenteil bestrebt, uns von nicht betriebnotwendigem Inventar zu trennen, weil es eine Belastung des Haushalts darstellt.“

In Eppingen wird indessen ernsthaft über einen Kauf des Bahnhofs durch die Kommune diskutiert. Gerade im Hinblick auf den Anschluss an die Stadtbahn Rhein-Neckar, der Ende 2009 geplant ist, sieht das Rathaus Handlungsbedarf, das Empfangsgebäude aufzumöbeln und die frühere Bahnhofswirtschaft zu reaktivieren. Wenn die Bahn hier nicht zu Potte kommt, gilt ein Engagement der Stadt als nicht ausgeschlossen.

Strandfotos statt Brötchen
Kosmetik: An der verrammelten Ladentür sind Reiseplakate drapiert.