Stadtbahnbetreiber zieht Personal vom Eppinger Bahnhof ab

Eppingen - Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) zieht ihre Leitstellen zur Überwachung des Schienennetzes nach und nach in Karlsruhe zusammen. Das Personal im Eppinger Bahnhof steht auf Abruf und dreht voraussichtlich im Herbst 2011 den Schlüssel endgültig um. In der Fachwerkstadt stößt der Schritt auf Kritik und Bedauern.

Von Alexander Hettich

Friedhelm Seitz (vorne) und Stefan Rothenbücher überwachen von Eppingen aus einen Teil des Schienennetzes. Bald heißt ihr Arbeitsplatz Karlsruhe.

Eppingen - Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) zieht ihre Leitstellen zur Überwachung des Schienennetzes nach und nach in Karlsruhe zusammen. Das Personal im Eppinger Bahnhof steht auf Abruf und dreht voraussichtlich im Herbst 2011 den Schlüssel endgültig um. Mit einer zentralen Leitstelle könne man flexibler auf Störungen reagieren, heißt es bei der AVG. In der Fachwerkstadt stößt der Schritt auf Kritik und Bedauern.

Kommandozentrale

Konzentriert blicken Friedhelm Seitz und Stefan Rothenbücher auf ihre Bildschirme, wo kleine farbige Rechtecke die Abschnitte des Schienennetzes und die fahrenden Züge abbilden. Von ihrem Büro aus kontrollieren die AVG-Mitarbeiter den Stadtbahnverkehr zwischen Bretten-Bauerbach und Heilbronn. Sie stellen Signale und Weichen, sie reagieren, wenn mal nicht alles rund läuft.

Als Informationsbüro für Fahrgäste ist die Kommandozentrale an den Eppinger Gleisen nicht gedacht. Die Stellwerker tun ihren Dienst hinter abgedunkelten Scheiben. Solche dezentralen Leitstellen unterhält die AVG auch in Gernsbach im Murgtal, in Ubstadt, Ettlingen und Pforzheim. Nun werden sie alle an einem gemeinsamen Standort in Karlsruhe gebündelt, wo auch die Verkehrsbetriebe der Stadt untergebracht sind.

„Wir wollen erreichen, dass die Leute so flexibel wie möglich einsetzbar sind“, erläutert AVG-Betriebsleiter Reinhard Rothfuß den Schritt. Immer zwei Leute bilden derzeit noch in Eppingen eine Schicht. Hier sind sieben Mitarbeiter betroffen, die laut AVG in Karlsruhe weiterbeschäftigt werden. Die technische Infrastruktur und die Computertechnik, die 1998 die alten mechanischen Stellwerkhäuschen abgelöst hat, bleiben aber erhalten – für alle Fälle.

Im Eppinger Rathaus nimmt man die AVG-Pläne mit Bedauern zur Kenntnis. Günter Brenner, Leiter des Ordnungsamts, schätzt den kurzen Draht zu den Bahnmitarbeitern. „Da sind Leute vor Ort, die wir von der Verwaltung ansprechen können.“ Die Mitarbeiter hätten auch ein Auge auf den Bahnhof und das benachbarte Toilettenhäuschen, sie meldeten Probleme mit dem Betriebsablauf oder Vandalismusschäden.

„Betriebswirtschaftlich verstehe ich das“, kann Michael Mairhofer die Entscheidung nachvollziehen. Der Bahnexperte der SPD-Gemeinderatsfraktion sieht trotzdem ein „falsches Signal“ darin, das Personal abzuziehen. Heinrich Vogel von der CDU hält den Schritt für paradox, nachdem der Bahnhof in der Fachwerkstadt an Bedeutung zugelegt hat. „Das untergräbt die besondere Bedeutung des Standorts“, kritisiert Vogel.

Bedauern

Mehr statt weniger, müsste seiner Meinung nach das Rezept lauten: „Da müsste ein Fahrkartenschalter her.“ Mit Bedauern reagierten auch Friedhelm Ebert von den Freien Wählern und Grünen-Stadtrat Peter Wieser auf das nahende Aus für die Leitstelle. Wie sein Ratskollege Vogel fürchtet Wieser um das gesamte Erscheinungsbild der Station (siehe Hintergrund): „Der Bahnhof“, fordert Wieser, „muss belebt sein.“

Kein Informationsbüro: Hinter dunklen Scheiben arbeiten die Stellwerker. Fotos: Alexander Hettich