Stadtbahnfahrten werden teurer

Region - Schüler müssen ebenso tiefer in die Tasche greifen wie Ausflügler. Zum 1. Januar erhöht der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) seine Tarife. Die fünfköpfige Reisegruppe aus Weinsberg, die in Karlsruhe einen Einkaufsbummel macht, muss einen zusätzlichen Euro springen lassen. Der Sulzfelder, der eine Wandertour bei Baden-Baden plant, wirft 30 Cent mehr in den Automatenschlitz.

Von Peter Boxheimer

Stadtbahn 467
Region - Schüler müssen ebenso tiefer in die Tasche greifen wie Ausflügler. Zum 1. Januar erhöht der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) seine Tarife im Schnitt um 3,7 Prozent. Damit werden auch Stadtbahnfahrten teurer.

Die fünfköpfige Reisegruppe aus Weinsberg, die in Karlsruhe einen Einkaufsbummel macht, muss einen zusätzlichen Euro springen lassen. Der Sulzfelder, der eine Wandertour bei Baden-Baden plant, wirft 30 Cent mehr in den Automatenschlitz. Ebenso die Familie aus Eppingen, die im nächsten Sommer das Brettener Peter-und-Paul-Fest besucht. Drei Beispiele, die die Auswirkungen der Tarifanpassungen bei den 24-Stunden-Karten zeigen.

Personal und Energie

Zwei Hauptgründe nannte KVV-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza für das erhöhte Beförderungsentgelt. Zum einen seien die Personalkosten bei den Verkehrsunternehmen durch einen Tarifzuschlag von vier Prozent gestiegen. Zum anderen hätten die Stromerzeuger ihre Energiepreise im zweistelligen Bereich erhöht. Auch Diesel habe sich um 30 Prozent verteuert. Casazza: „Hier müssen wir nachziehen, um die entstandenen Kosten kompensieren zu können.“ Dass die Fahrkarten in absehbarer Zeit durch die seit dem Sommer wieder sinkenden Energiepreise günstiger werden, hält der KVV-Geschäftsführer für sehr unwahrscheinlich. Schließlich liege der Anteil der Personalkosten an den Ausgaben bei 60 Prozent.

Nach fünf Jahren Preisstabilität sind von der Erhöhung auch die Einzelfahrscheine betroffen. Der Aufschlag beträgt zehn bis 20 Cent. Schüler, Auszubildende und Studenten trifft die Tariferhöhung erst ab 1. September. Monatlich werden für die Schoolcard dann 36,50 statt 35,50 Euro abgebucht. Studenten legen pro Semester fünf Euro drauf.

Vier Millionen Euro Mehreinnahmen will der von Eppingen bis in die Südpfalz, von der Rheinebene bis in den Nordschwarzwald reichende Karlsruher Verkehrsverbund mit der Fahrpreiserhöhung erzielen. „Wir haben trotz allem weiterhin Bestnoten“, bekräftigte Casazza. Mit seinen Tarifen rangiere der KVV bundesweit im unteren Drittel. Im benachbarten Heilbronner-Hohenloher-Haller-Nahverkehr (HNV) wird Bahn- und Busfahren zum 14. Dezember um 3,9 Prozent teurer.

Feinschliff

170 Millionen Fahrgäste hat der KVV voriges Jahr transportiert. Für 2008 erwartet er eine Steigerung um eineinhalb bis zwei Prozent. „Wir können auf der Angebotsseite keine großen Sprünge machen“, verdeutlichte der Geschäftsführer. Hier gehe es um Feinschliff wie bessere Vernetzungen.

Gibt es für Fußballfans aus dem östlichen Kraichgau eine Kombikarte, wenn 1899 Hoffenheim ab Januar seine Bundesliga-Heimspiele in Sinsheim austrägt? „Wenn der Bedarf besteht, sind wir gesprächsbereit“, betonte Walter Casazza. Der Verbund wartet hier auf eine Initiative des Vereins. Das Thema sei mit dem HNV schon andiskutiert worden, ergänzte KVV-Tarifexperte Achim Kirchenbauer. Bis nach Bretten sieht er durchaus Nachfrage: „Da machen wir die Augen nicht zu.“


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