Spiel der Generationen

Eppingen  Noch bis Sonntag trifft sich die Weltelite des Schachs auf dem Eppinger Schulhügel. Erstmals trägt die Fachwerkstadt die Finalserie der Bundesliga aus. Am Rand der Veranstaltung wird deutlich: Das uralte Spiel hat auch bei der Jugend einen Stein im Brett.

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Von wegen Alt-Herren-Zeitvertreib: Als Robert Hübner, einer der besten deutschen Schachspieler aller Zeiten, am Freitag zur Simultan-Massen-Partie antritt, ist kaum einer  seiner zwölf  Gegner älter als 30. Sogar einige Kinder bieten der Schachlegende  in der Eppinger Stadthalle zum Spektakel im Rahmenprogramm die Stirn. Der Jüngste ist gerade zehn: Stefan Leser aus Ravensburg rückt seine Figuren mit Bedacht, nebenher macht er eifrig Notizen. Auch seine Schwester Kathrin schlägt sich wacker gegen Hübner, der in weißer Lederkluft selbst aussieht wie eine wandelnde Schachfigur.  „Der ist eben ganz schön stark“, meint die 13-Jährige, die das Spiel vor drei Jahren für sich entdeckt hat.  


Langsam, fordernd, ruhig: Schach taugt nicht gerade zum Marketingschlager der modernen Computerspielewelt. Trotzdem klagt kaum ein Club über Nachwuchsprobleme.  „Vielleicht ist es das Bedürfnis, wegzukommen von der Bilderfülle und der Hektik“, erklärt sich  Altmeister Hübner das Faszinosum.  30.000 Schachfreunde unter 20 sind im Bundesverband organisiert.  Das Begleitprogramm des Bundesligafinales  ist ganz auf die Jugend ausgerichtet. „Wir wollen keine Eintagsfliege“,  wünscht sich Wolfgang Müller vom gastgebenden Schachclub Eppingen, „der Schachsport soll langfristig profitieren.“

Die Kronprinzen im Spiel der Könige haben es bei den arrivierten Vereinen nicht leicht: „Der Weg bis in die Bundesliga ist weit“, weiß Matthias Krallmann aus dem Trainerstab des  Top-10-Clubs Werder Bremen.  Es ist ein bisschen wie im Fußball: Alle Vereine setzen auf die eigene Jugend. Um ganz oben mitzuspielen, brauchen sie aber auch die erfahrenen internationalen Spitzenleute. Oben wird die Luft dünn.  Das gilt auch für die Gegner von Altstar Robert Hübner. Zwölf Partien,  zwölfmal heißt es: Weiß gewinnt. Einen Achtungserfolg landen die Geschwister Stefan und Kathrin Leser. Sie halten sich mit am längsten im Spiel – und stehen früh am nächsten Morgen wieder am Brett. Stützpunkttraining der Talente. Übung macht den Großmeister. 

 

Die Fachwerkstadt steht am Wochenende ganz im Zeichen des Schachsports. Wir beantworten die wichtigsten Fragen für Besucher des Liga-Finales.

Wann laufen die Bundesligapartien?

Die 16 Teams mit mehr als 100 Großmeistern und internationalen Meistern treten am Samstag ab 14 und am Sonntag ab 10 Uhr in der Hardwaldhalle gegeneinander an.

Wo verfolgen Zuschauer die Spiele?

In der Hardwaldhalle können Zuschauer bis auf einen Meter Entfernung an die Spieler heran. Am Samstag und Sonntag werden die Partien in die benachbarte Stadthalle übertragen und von Großmeister Klaus Bischoff kommentiert.

Was bietet das Rahmenprogramm?

In der Stadthalle beginnt am Samstag um 9 Uhr ein Blitzturnier, um 9.30 Uhr ein Turnier für Neulinge. Ein Schachquiz folgt um 14.30 Uhr, Am Sonntag gibt es um 10 Uhr einen Schaukampf.

Welche Mitmach-Aktionen gibt es?

Sie richten sich insbesondere an Kinder und Jugendliche. Am Samstag und Sonntag gibt es ganztägig Gelegenheit zum Schachspiel in und vor der Realschule. Am Samstag beginnt um 11 Uhr etwa eine Partie Geisterschach, am Sonntag zu gleicher Zeit Fußballschach.

Was kostet der Eintritt?

Jugendliche bis 14 sind frei. Die Tageskarte kostet ermäßigt drei, für Erwachsene fünf Euro, eine Dauerkarte fünf und zehn Euro.


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