Sinnfragen, fehlender Mut und taktisches Geschick

Kraichgau - Nun darf also auch beim Eppinger Bahnhof gekreiselt werden.

Steter Tropfen höhlt auch in schwierigen Fällen den Stein

Kreiselgeschenk

Nun darf also auch beim Eppinger Bahnhof gekreiselt werden. Wie versprochen, ist das Rondell beim neuen Kaufland am Freitag dem Verkehr übergeben worden. Fast zum Nulltarif hat die Stadt den Kreisel bekommen − quasi als Morgengabe des am Standort kräftig expandierenden Unternehmens. Eine Investition in die Zukunft, gewiss. Aber vom Verkehrsaufkommen her derzeit alles andere als vordringlich. Gebaut wurde, weil es einen Bezahler gibt. An weitaus neuralgischeren Knotenpunkten in Eppingen wie der Mühlbacher Straße tut sich dagegen nichts. Die Stadt hat dafür kein Geld. Wer den tieferen Sinn einer solchen Verkehrspolitik nicht versteht, liegt gewiss nicht verkehrt.

Absage

Verkehrt lagen die Veranstalter der gekippten neunten Lemberger-Gala in Bad Rappenau, was die Einschätzung des Publikumsinteresses angeht. Das kann passieren und ist alles andere als eine Schande. Blamabel dagegen die Tatsache, dass sich die Verantwortlichen der Bad Rappenauer Touristik und Bäder GmbH darüber ausschwiegen und die Absage der Veranstaltung erst durch eine Nachfrage der Kraichgau Stimme publik wurde. Wer sich jahrelang in der Gala-Werbung über jedes Salatblatt auf der Menükarte ausbreitet, sollte auch den Mut haben, unangenehme Nachrichten nicht unter dem Teppich zu halten. Gute Öffentlichkeitsarbeit sieht jedenfalls anders aus.

Verzicht

Überraschende Öffentlichkeitsarbeit betrieb vorige Woche Sinsheims Oberbürgermeister Rolf Geinert. Mit der Ankündigung seines Rückzugs nach nur einer Amtsperiode hatte kaum jemand gerechnet − trotz der nicht erfolgreichen Landratskandidatur des Rathauschefs im Rhein-Neckar-Kreis, die sich nun als gescheiterter Fluchtversuch entpuppt. Schade ist der Verzicht allemal. Selbst Kritiker bescheinigen, dass Geinerts Leistungsbilanz stimmt. Er hat in Sinsheim viel angestoßen und bewegt. Doch zugleich wird dem OB nicht zu Unrecht vorgeworfen, bei seiner Amtsführung zu wenig Rücksicht auf die öffentliche Meinung genommen und zuweilen zu wenig Fingerspitzengefühl gezeigt zu haben. Die Installation einer sozialdemokratischen Rathaus-Doppelspitze verübeln ihm viele im immer noch konservativ geprägten Sinsheim bis heute. Geinerts Amtsvorgänger Dr. Horst Sieber handelte einst taktisch geschickter: Der Christdemokrat ebnete seinem unterlegenen SPD-Gegenkandidaten Helmut Beck den Weg auf den Bürgermeistersessel.

Sinnfragen, fehlender Mut und taktisches Geschick
Der Kreisel am neuen Kaufland in Eppingen ist seit Freitag freigegeben. Bezahlt hat ihn das Unternehmen und nicht die Stadt.Foto: Peter Boxheimer

Befürchtungen

Ob der Sinsheimer Gemeinderat den Plänen für einen Fabrikverkauf in den leer stehenden Messehallen am 27. April den Weg ebnet, bleibt abzuwarten. Die Phalanx der Gegner ist breit aufgestellt. Der örtliche Einzelhandel findet sich ebenso in deren Reihen wie dessen nordbadischer Verband, die benachbarten Kraichgaustädte Eppingen und Bad Rappenau oder die Region Heilbronn-Franken. Ihre Befürchtungen, dass eine solche Schnäppchenadresse die Einkaufslandschaft durcheinanderwirbeln und durch seine Sogwirkung andere Betriebe und Arbeitsplätze vernichten würde, sind nicht aus der Luft gegriffen. Im Vergleich dazu klingt der Sirenengesang aus dem Sinsheimer Rathaus, das ein Factory Outlet Center auch als touristisches Zugpferd für den Kraichgau anpreist, wenig verführerisch. Wer mit vollen Einkaufstaschen erledigt zu seinem Auto zurückkehrt, hat in den seltensten Fällen noch Lust auf Land und Leute. Er will nur eins: rasch wieder nach Hause.

Ablehnung

Was das Land will, hat Wirtschaftsminister Ernst Pfister vor wenigen Tagen klipp und klar verkündet: keine neuen Outlets. Sinsheims Gemeinderat sollte sich am 27. April daran erinnern.