Sanierung des Bundeswehrdepots zu teuer

Bad Rappenau/Siegelsbach - Auf dem Gelände des ehemaligen Militärdepots auf Bad Rappenauer und Siegelsbacher Gemarkung sollte ein Gewerbegebiet oder ein Technologiepark entstehen. Doch jetzt weisen die Zahlen für das EU-Leuchtturmprojekt in eine ganz andere Richtung.

Von Ulrike Plapp-Schirmer
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Bad Rappenau/Siegelsbach - Die Idee bleibt gut: Auf dem Gelände des ehemaligen Militärdepots auf Bad Rappenauer und Siegelsbacher Gemarkung sollte mit Hilfe Europäischer Fördermittel ein Gewerbegebiet entstehen, ein Technologie-, Wissenschafts- und Ausstellungspark für Umweltforschung und Umwelttechnik, vielleicht sogar mit kleinem Wohngebiet. Doch jetzt weisen die Zahlen für das EU-Leuchtturmprojekt in eine ganz andere Richtung.

Belastungen

Das Gelände, das seit den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts militärisch genutzt wurde, ist hoch belastet. Unter anderem liegen dort Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. Sie zu räumen ist teuer. Die Kosten für die bereits erschlossenen rund 50 von 170 Hektar werden bereits auf 1,6 Millionen Euro geschätzt. Das haben Untersuchungen ergeben, die das Ingenieurbüro Mull und Partner aus Hannover im Auftrag der Oberfinanzdirektion Niedersachsen für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben durchgeführt hat. "Die Grundstücke sind unverkäuflich", heißt das für Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen.

Im Technischen Ausschuss machte er am Donnerstag deutlich, dass das Thema Innovationspark "vom Tisch ist". Das sei kein zufriedenstellendes Ergebnis. Aber nun sei wenigstens geklärt, "wie dieses Grundstück zu nutzen ist: nämlich gar nicht". Das Positive an der Untersuchung sei, dass nun für alle Klarheit herrsche: für den Bund als Eigentümer, für die beiden Kommunen Bad Rappenau und Siegelsbach als Ideengeber und Entwickler.

Sollte dennoch ein Investor anklopfen, der eine große Fläche brauche, will die Stadt natürlich die baurechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Trotz des belasteten Geländes seien noch immer innovative Betriebe dort denkbar, so Blättgen: Der Betreiber einer Solaranlage, die sich bereits innerhalb des alten Depots auf Bad Rappenauer Gemarkung befindet, will erweitern. Sein Bauantrag ging gerade ein. Denkbar wären aber auch weiterentwickelte Windkraftanlagen. "Die Zahlen und Fakten liegen jetzt auf dem Tisch", sagt sein Amtskollege, der Siegelsbacher Bürgermeister Uli Kremsler. "Dadurch können wir leichter mit Investoren umgehen."

Eule

Für Kremsler ist das Thema gewerbliche Nutzung des Depots noch nicht erledigt: "Wir gehen aber keine finanziellen Abenteuer ein, bloß weil uns der Staat in den Dreißigerjahren um unseren Wald betrogen hat." Auch er kann sich vorstellen, dass einzelne Investoren doch Interesse an Geländeteilen haben könnten: Die 1,6 Millionen Euro Räumungskosten würden auf den Kaufpreis angerechnet, sagt er. Wäre die Untersuchung anders ausgefallen, wäre man mit einem gemeinsamen Zweckverband weiter in Richtung Technologiepark marschiert. Enttäuscht, sagt Uli Kremsler, sei er trotzdem nicht.

Er habe das Ganze von Anfang an nüchtern betrachtet. Man habe gewusst, dass das Gelände belastet ist. Ohne Investor im Hintergrund hätte man auch unter normalen Umständen nichts gemacht. Und man habe auch nie beabsichtigt, in Vorleistung zu gehen.Dankbar ist Kremsler dem Modellprojekt Eule: Ohne das wäre man heute nicht so weit.

EU-Modellprojekt: Das Modellprojekt EU-LEuchtturm (EULE) unterstützt Kommunen, Lösungen für ihre zukunfts- und wettbewerbsfähige Entwicklung und nachahmenswerte Beispiele zu entwerfen, so dass sie als Innovationen in die alltägliche Praxis gelten können.


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