Regionalverband sagt Nein zu Fabrikverkauf in Sinsheimer Messehallen (11.03.2010)

Region - Mit aller Deutlichkeit spricht sich der Regionalverband Heilbronn-Franken gegen ein in den früheren Sinsheimer Messehallen geplantes Factory-Outlet-Center (FOC) aus.

Von Joachim Friedl
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Wo einst Messen Massen anzogen, wäre nach Ansicht der Hallenbesitzer ein Schnäppchenkaufhaus denkbar − doch der Regionalverband winkt ab.Foto: Archiv/Gast-Prior

Region - Mit aller Deutlichkeit spricht sich der Regionalverband Heilbronn-Franken gegen ein in den früheren Sinsheimer Messehallen geplantes Factory-Outlet-Center (FOC) aus. Bei einem Einzugsgebiet von 60 bis 120 Fahrminuten wäre der Einzelhandel in der Region bis Tauberbischofsheim und Crailsheim von diesem Schnäppchenkaufhaus mit mehr als 15.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betroffen, zeigte Helmut Himmelsbach bei der Verbandsversammlung am Mittwoch in Boxberg die negativen Konsequenzen auf.

Unvereinbar

Klar machte der Verbandsvorsitzende dabei: "Nach den Landesentwicklungszielen und unserer Regionalplanung ist ein FOC in Sinsheim unzulässig. Outlet-Center sind nur in Oberzentren, also Großstädten, zulässig." Allerdings gilt auch hier die berühmte Regel von der Ausnahme: Im FOC Wertheim Village werden seit Jahren Waren zu stark reduzierten Preisen angeboten. Trotz starken Widerstandes der umliegenden Kommunen war 2003 das Fabrikverkaufs-Zentrum im Mittelzentrum Wertheim eröffnet worden.

Um das Factory-Outlet-Center in Sinsheim zu verhindern, hat der Heilbronner Oberbürgermeister bereits Kontakt mit den Nachbarregionen im Rhein-Neckar-Gebiet aufgenommen. Außerdem hat er sich an seine Oberbürgermeister-Kollegen Peter Kurz (Mannheim) und Eckart Würzner (Heidelberg) gewandt: "Wir nehmen das geplante FOC in Sinsheim sehr ernst. Wir sind höchst alarmiert über das Zentrum", schilderte Himmelsbach seine bisherigen Aktivitäten. Auf alle Fälle wird die Verbandsverwaltung in dieser Angelegenheit juristischen Fachverstand hinzuziehen.

"Wehret den Anfängen", betonte Harry Brunnet den Standpunkt der Verbandsversammlung. Die FOC-Gedankenspiele seien mit dem Märktekonzept des Regionalverbands Heilbronn-Franken nicht vereinbar, sagte der Vorsitzende der FWV/FDP-Verbandsfraktion in seiner Rede zum Etat 2010, die er in der Umpfertalhalle tournusmäßig für alle Fraktionen hielt. Ein Factory-Outlet-Center in den leeren Sinsheimer Messehallen sei aus Sicht der Regionalplanung "nicht vertretbar."

Widerstand

Proteste gegen das geplante großflächige Einkaufszentrum kommen auch aus den Städten Eppingen und Bad Rappenau. Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen: "Bei diesem Sachverhalt bin ich deckungsgleich mit dem Regionalverband. Die negativen Auswirkungen für Bad Rappenau sind nicht von der Hand zu weisen." "Die Bestrebungen der Stadt Eppingen, die zentrumsnahe Einzelhandelsentwicklung im Sinne einer lebendigen Innenstadt zu stärken, würden hierdurch konterkariert", sagt Rathaussprecher Sönke Brenner.

Seit die Schall-Gruppe vor Jahren mit ihren Messen nach Stuttgart und Karlsruhe abgewandert ist, sucht die Unternehmerfamilie Layher als Eigner von fünf der sechs Sinsheimer Hallen nach neuen Nutzungen. Das Factory-Outlet-Center ist eine Option. Entsprechende Gutachten sind auf den Weg gebracht.

Hintergrund: Direktverkauf

Fabrikverkaufs-Zentrum bezeichnet eine Betriebs- und Vertriebsform des Einzelhandels, bei der mehrere Hersteller ihre Markenartikel an einem Standort verbilligt anbieten. FOCs umfassen mehrere tausend Quadratmeter Fläche mit 60 bis 100 Läden, die innenstadtrelevante Ware verkaufen. Das erste FOC war 1971 in Pennsylvania (USA) eröffnet worden. jof


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