Mühlbacher Mobilfunk: Entscheidung steht, Skepsis bleibt

Eppingen - Drei Stunden lang prallten am Donnerstag bis zum späten Abend Argumente und Meinungen aufeinander. Aber auch nach der neuerlichen Information im Ortschaftsrat lehnen viele Mühlbacher die Mobilfunkantenne ab, die auf dem Rathaus des Stadtteils gebaut werden soll.

Von Alexander Hettich
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Mit einem Transparent protestieren Anwohner gegen den Antennenstandort. Fotos: Alexander Hettich


Eppingen - Für den Mobilfunkbetreiber Telefonica liegt der Eppinger Stadtteil Mühlbach im Funkschatten seines O-2-Netzes. In der Debatte um einen neuen Antennenstandort auf dem Rathaus mangelt es nicht an argumentativer Sendeleistung. Die Beteiligten funken aber meilenweit aneinander vorbei. So gab es am Donnerstagabend bei der neuerlichen Information im Ortschaftsrat keine Annäherung. Fazit eines emotionsgeladenen Abends: Die Entscheidung für die Sendeanlage bleibt. Die Skepsis einiger besorgter Anwohner auch.

Verhärtet

Thomas Lichtenberger sank im Laufe der dreistündigen Diskussion immer tiefer in seinen Stuhl. So wortreich wie erfolglos hatte der Telefonica-Mann versucht, Ängste zu zerstreuen, und gesagt, was Vertreter der Branche bei solchen Anlässen immer sagen. Den Standort habe man nach Abwägung von Alternativen in Abstimmung mit der Stadt gefunden. Keine ernst zu nehmende wissenschaftliche Studie belege, dass von der Technik eine Gesundheitsgefahr ausgehe.

Mehr als einmal erntete Lichtenberger höhnisches Gelächter von den rund 40 Mühlbachern, die sich gegenüber dem Besucher aus Nürnberg nicht immer als gute Gastgeber aufführten. Da konnte Ortsvorsteher Frieder Fundis in seinem Schlusswort noch so oft betonen, wie "wichtig" die Veranstaltung aus seiner Sicht war, wie sehr die Verwaltung um Transparenz bemüht sei: Die Positionen bleiben verhärtet. "Ich fordere einen Baustopp", sagte Steffen Stickel unter Applaus. Der Wortführer der besorgten Mühlbacher betonte, er habe nichts gegen Mobilfunk, wohl aber gegen den Standort neben Schule und Kindergarten.

Mehr als 300 Mühlbacher haben laut Stickel gegen die Antenne unterschrieben. Am Dienstag hatten die Initiatoren einen Referenten des Vereins Diagnose Funk zu einem Vortrag eingeladen, der sie in ihrer Sorge bekräftigte. Die Namen der Standortgegner wollen die Initiatoren für sich behalten, dafür die Anzahl von einem Notar beglaubigen lassen. Die Unterzeichner fürchteten Schikanen, hieß es. Auch das zeigt, wie sehr die Funkdebatte das Dorfklima belastet. "Wir brauchen keine Datenautobahn", meinte Internetunternehmer Stickel. Er argwöhnte, unter dem Dach des Rathaustürmchens könnte bald auch eine Sendeanlage des neuen Mobilfunkstandards LTE Platz finden. Die Beteuerungen des Betreibers, dies sei keineswegs beabsichtigt und mit der derzeitigen Genehmigung auch nicht möglich, trug kaum zur Besänftigung bei.

Abgelehnt

Stickels Angebot, eine Simulation zu bezahlen, um die genaue Strahlenbelastung abschätzen zu können, lehnte der Telefonica-Mitarbeiter dankend ab. Ortsvorsteher Fundis, der sich selbst in der Rolle des "Buhmanns" sieht, betonte wie auch Bürgermeister Eduard Muckle, alles sei korrekt nach geltenden Richtlinien gelaufen. Die Entscheidung für den Standort war schon im Oktober 2010 einstimmig in öffentlicher Sitzung im Ortschaftsrat gefallen. Damals hatte eine Mühlbacherin den Weg ins Rathaus gefunden.

Am Donnerstag drängten sich die Zuhörer sogar auf dem Gang und verfolgten die Debatte, die sich bald im Kreis drehte. Die einen argumentierten mit "weit unterschrittenen" Grenzwerten, andere mit grenzwertigen Vergleichen. Fukushima, Stuttgart 21. Alles hat offenbar irgendwie mit Mühlbach zu tun. Einen Besucher trieb eine ganz andere Frage um. "Wann bekomme ich hier endlich ein Signal auf mein Handy?" So wie die Dinge liegen, schon bald.


Im Türmchen auf dem Rathausdach will der Mobilfunkbetreiber Telefonica eine Antenne installieren.
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