Moment mal

REISEN BILDET

Von Peter Hohl
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Trauerpumpen

Reisen bildet bekanntlich und sorgt für vielgestaltige, farbige Eindrücke. Doch wie schnell verschluckt das triste Alltagsgrau die bunten Bilder aus der Ferne. Wie rasch verliert sich die Erinnerung. Alle Jahre wieder. Wie sollte es in diesem Jahr anders sein?

Es ist nicht anders. Oder vielleicht doch? Die Trauerpumpen wollen mir nicht aus dem Kopf. Trauerpumpen? Ja: Trauerpumpen. Im kleinen Fremdenführer meines südfranzösischen Urlaubsortes wurden sie angeboten und weckten gleich mein Interesse. Was bitte sind Trauerpumpen, auf Französisch pompes funèbres? Prosaische Geister würden sie schlicht als Produkt eines Übersetzungsfehlers bezeichnen, entstanden aus der zweifachen Bedeutung des französischen Wortes pompe. Es steht nämlich gleichermaßen für Pumpe wie für Prunk. Pompes funèbres wäre demnach bloß das, was es ist: ein Bestattungsunternehmen.

Doch wie traurig grau ist die Wirklichkeit, und wie bunt leuchtet die Welt der Fantasie. Dort, im Reiche der Vorstellung, gibt es sie tausendfach, die Trauerpumpen: farbenfrohe Wunderwerke der Technik, die Gram und Grau des Alltags aufsaugen und in die unendlichen Fernen des Weltalls pumpen. Was die Menschen nichts ahnend Milchstraße nennen, ist nichts als ein großer See abgepumpter Trauer.

Noch lacht die Sonne trügerisch-hell am Himmel. Doch der nächste November kommt bestimmt. Wohl dem, der dann eine Trauerpumpe hat.


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