Michel Jacot hat mehrfach dem Tod ins Auge geschaut

Bad Rappenau - Seit Sonntag sind im Wasserschloss der Kurstadt abstrakte Bilder der Pop-Art ausgestellt, deren Farbgewalt den Betrachter teilweise fast erschlägt.

Von Christine Gerber-Hornberger

Michel Jacot hat mehrfach dem Tod ins Auge geschaut
Der Künstler Michel Jacot strahlt vor Lebensfreude.Foto: Gerber-Hornberger

Bad Rappenau - Seit Sonntag sind im Wasserschloss der Kurstadt abstrakte Bilder der Pop-Art ausgestellt, deren Farbgewalt den Betrachter teilweise fast erschlägt. Sie erzählen vom bewegten Leben des Berliners Michel Jacot, der seine künstlerische Laufbahn in den 1970er Jahren als eine Hauptfigur der deutschen Erotikfilmwelle begann, insgesamt mehr als 60, meist seriöse Filme drehte, nebenher Sänger und Tänzer war, Rallye fuhr und jahrelang als Journalist und Fotograf für bedeutende Magazine im In- und Ausland unterwegs war. Bis ihn schwere Krankheiten fast auf den Boden zwangen. Seit der Jahrtausendwende malt Jacot intensiv und kämpft mit dieser Eigentherapie erfolgreich gegen seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen an.

Lebensfreude

Der 72-Jährige präsentierte sich bei der Vernissage als bestes Beispiel dafür, wie gut das gelingen kann. Seine Bilderschau, die fast 200 Exponate umfasst, nimmt fast alle Räume im ersten Stock des Wasserschlosses ein. Meist großformatig, aber auch über kleine Gemälde und Zeichnungen künden sie in der verschlüsselten Sprache der abstrakten Malerei vom Leiden, Hoffen − und immer wieder auch von der plötzlich aufsteigenden Lebensfreude ihres Schöpfers. Der ehemalige Schauspieler hat eine Leberzirrhose und andere lebensbedrohliche Krankheiten überwunden. 2004 wurden nach der niederschmetternden Diagnose Stimmlippenkrebs die Stimmbänder weggelasert. Seither kann er nur noch flüstern. "Ich habe mehrfach dem Tod ins Auge gesehen, aber ich bin immer wieder aufgestanden", sagt er mit einem gewissen Stolz.

Wilde Farborgien

Neben düsteren Impressionen und wilden Farborgien entstanden auch ruhige Bilder − wie etwa "der Untergang von Venedig", in dem Blautöne und ein verhaltenes Rot vorherrschen. Auch fast filigrane, zerbrechlich wirkende Gebilde in zarten Farben sind im Wasserschloss zu sehen. Ein Zimmer zeigt nur Bilder in Schwarz-Weiß, ein anderes die interessanten Fotoarbeiten Jacots.

OB-Stellvertreterin Gundi Störner würdigte die Vielseitigkeit des Künstlers, kam aber auch auf sein Leben zu sprechen: "Zehn Jahre Schauspieler, Tänzer und Stuntman in über 60 Fernseh- und Filmproduktionen, sechs Jahre Fotograf, Journalist und Schriftsteller, 20 Jahre Unternehmer − ein erfülltes spannendes und sicher aufregendes Leben." Einen musikalischen Rahmen erhielt die Eröffnung durch das einfühlsame Saxofon- und Klarinettenspiel des Rappenauers Heinz Kübler. Die 30 Besucher der Vernissage zeigten sich beeindruckt, "Das ist farbgewaltig. Ich habe schon meine Favoriten gefunden", sagte der Eppinger Ralph Nieling. Horst Strümann aus Neckarsulm kommentierte: "Die Bilder geben die augenblicklich kraftvolle psychische Verfassung des Künstlers wieder."

Bis 3. März sonntags von 13 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung, 07264 922161.