Langsames Ende einer Tradition

Eppingen - Der Zufall entscheidet, welchen Stapel Bürgergabholz einige Richener erhalten. Mindestens genauso wichtig wie die Holzqualität ist jedoch etwas anderes, wenn die Berechtigten in die Verwaltungsstelle Richen kommen und 92 Euro für die vier Ster Gabholz bezahlen. Sie interessiert eines: Wie viele Richener haben überhaupt Anspruch?

Von Simon Gajer
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Langsames Ende einer Tradition
Gabholz war zum Heizen sehr begehrt. Die Richener Männer gingen deshalb am 21. Geburtstag gleich aufs Rathaus, um einen Anspruch zu erhalten.Foto: Colourbox

Eppingen - Der Zufall entscheidet, welchen Stapel Bürgergabholz einige Richener erhalten. Mindestens genauso wichtig wie die Holzqualität ist jedoch etwas anderes, wenn die Berechtigten in die Verwaltungsstelle Richen kommen und 92 Euro für die vier Ster Gabholz bezahlen. Sie interessiert eines: Wie viele Richener haben überhaupt Anspruch? 20 sind es, sagt Marianne Maurer von der Verwaltungsstelle und blickt auf die Liste, die vor ihr liegt. Vor Jahrzehnten war dies anders. Da gab es sogar Wartelisten. Und bei der Ausgabe des vergünstigten Holzes standen die Personen Schlange.

Anweisung

„Geh' gleich heut' aufs Rathaus und kauf dich ein“: Als Else Gebhard diese Woche das Gabholz ihres Mannes abholt, erzählt sie von diesem Satz. Diese Weisung galt vor Jahrzehnten allen Männern am 21. Geburtstag. Fünf Mark kostete es, um sich einen Anspruch auf vergünstigtes Gabholz der damals noch selbstständigen Gemeinde Richen zu erstehen. Das Holz war wichtig zum Heizen, sagt sie. Und früher gab es sogar Reisig dazu, worauf die Gemeinde heute allerdings verzichte. Die Richenerin bedauert es, denn so schlecht war das Gestrüpp nun auch nicht. Zum Anzünden reichte es allemal.

Mit diesen fünf Mark kam der Anspruch allerdings noch nicht automatisch. Es glich fast einer Lotterie, erzählt Else Gebhard. Denn es gab nur eine bestimmte Anzahl solcher Gaben. 184 waren es einmal, erinnert sich Heinrich Schweinfurth, der ebenfalls in den Bürgersaal der Verwaltungsstelle des Ortsteils kommt, um sein Holz zu erhalten.

Der Richener zählt zusammen: eine fürs ehemalige Mühlenstüble, eine für die Gaststätte Löwen, weil dort die Handwerker übernachteten. Dann je eine für die beiden Kirchengemeinden und 180 für Richener. Nur wenn ein Berechtiger starb, kam ein jüngerer Richener in den Genuss. Mancher musste deshalb erst 30 Jahre alt werden, bevor er das erste Mal das günstige Holz von seiner Heimatgemeinde erhielt. Auch Heinrich Schweinfurth traf es: „Ich hab' warten müssen, zwei Jahre.“

Im Jahr 1966 kam das Aus dieser speziellen Rechte für Richener Männer, sagt Rathaussprecherin Cathrin Löfflath. Seither darf sich niemand mehr eintragen lassen. Die bestehenden Listen gelten weiterhin, und die Berechtigten werden älter.

Rohrbach wechselt

In Eppingen zum Beispiel sind es nur noch sieben Bürger, die Anspruch aufs Gabholz haben, sagt Cathrin Löfflath. In Mühlbach sind es acht, während sich die 16 Rohrbacher jährlich abwechseln - alle zwölf Monate kommen andere acht Personen in den Genuss des städtischen Holzes.


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