Jugendhilfe will in den Bahnhof

Eppingen - Die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn will in dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ihre zentrale Verwaltung unterbringen. Außerdem soll es für Zugreisende wieder eine Wartehalle, Toiletten und ein Bistro geben.

Von unserem Redakteur Peter Boxheimer

Jugendhilfe will in den Bahnhof
Zwei Türme, ein Mittelbau: Der Eppinger Bahnhof ist ein markantes Empfangsgebäude. Die Stadt will ihn grundlegend sanieren, bevor sie die Räume vermietet.

Eppingen - Für Oberbürgermeister Klaus Holaschke ist es "ein Glücksfall". Ein knappes Dreivierteljahr nach dem Kauf des Bahnhofs hat die Stadt Eppingen einen Mietinteressenten gefunden. Die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn will in dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ihre zentrale Verwaltung unterbringen. Außerdem soll es für Zugreisende wieder eine Wartehalle, Toiletten und ein Bistro geben. Heute Abend wird das Konzept dem Eppinger Gemeinderat vorgestellt.

Sanierungsmittel

"Wir haben ein sehr zukunftsträchtiges Modell", findet Holaschke. 478 000 Euro inklusive Grunderwerbssteuer hat die Stadt für das Stationsgebäude gezahlt. Mit weiteren 2,3 Millionen Euro soll der Bahnhof saniert werden. Das Land will Eppingen bei dieser Aufgabe helfen.

"Wir unterstützen das", gibt Staatssekretär Ingo Rust bei einem Gespräch im Rathaus zu verstehen. Stuttgart hat eigens den Förderrahmen für das Sanierungsgebiet Innenstadt I um 900 000 Euro ausgeweitet. Zudem stellt Rust zusätzliche Mittel aus den Töpfen des Denkmalschutzes in Aussicht. Die Stadt engagiere sich für ein bedeutendes Gebäude: "Das finde ich klasse."

Im Ost- und Westturm des Bahnhofs will die Jugendhilfe Büros für ihre Verwaltung schaffen. Daneben sollen drei Schulungs- und Tagungsräume entstehen. Der Mittelbau wäre öffentlich zugänglich. Er soll eine Cafeteria für Mitarbeiter und Reisende beherbergen, dazu Toiletten, einen Wartebereich und einen Shop. Die Lösung sei denkmalkonform, hebt Bürgermeister Peter Thalmann hervor: "Wir schaffen es, die historischen Stockwerksgrundrisse zu erhalten."

Seit dem Zusammenschluss der früheren Kinderheimat Kleingartach und der Jugendwerkstätten Heilbronn im Jahr 2006 hat die Einrichtung der Diakonie zwei Verwaltungsstandorte. Bei ihrer Suche nach einem zentralen Domizil kristallisierte sich der Eppinger Bahnhof als beste Lösung heraus. "Die Raumfläche würde exakt für unsere Planungen passen", betont Vorstandsmitglied Siegfried Gruhler. 900 Quadratmeter stehen in dem 135 Jahre alten Gebäude zur Verfügung. Etwa 50 Mitarbeiter sollen hier zusammengezogen werden, um "Prozesse zu optimieren", wie Gruhlers Kollege Roland Zeides erläutert. Positiver Nebeneffekt: In Kleingartach entstünde mehr Platz für die Angebote der Erziehungshilfe, die unter Raumnot leiden.

"Wir sind gerne in Eppingen und unglaublich gerne im Bahnhof", versichert Zeides. Für den Standort spricht nicht nur die direkte Schienenanbindung. Die Jugendhilfe will hier auch ihr soziales Engagement sichtbar machen und den öffentlichen Bereich mit Mitarbeitern und jungen Menschen betreiben. Zu welchen Zeiten? "Wir wollen bürgerfreundlich sein", verspricht Zeides.

Langfristig

Die Stadt und ihr potenzieller Mieter, der für Heilbronn und den westlichen Landkreis zuständig ist, denken an einen Vertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren. OB Holaschke: "Wir wollen die lange Partnerschaft." Bürgermeister Thalmann spricht von einer wirtschaftlichen Lösung. "Wir verstehen uns als Teil der Gesellschaft", bekräftigt Siegfried Gruhler. Er gibt sich rundum optimistisch: "Das wird Spaß machen."

Jugendhilfe will in den Bahnhof
Bahnhofspläne besprochen: Peter Thalmann, Klaus Holaschke, Ingo Rust, Roland Zeides und Siegfried Gruhler (von links) mit einer ersten Bistro-Idee.Fotos: Peter Boxheimer