Idyllische Plätze und Winkel aus Sicht einer vergangenen Zeit

Ausstellung "Farbe macht Freude" in Rappenau zeigt Werke von Karl Kehl und Emil Osterburg - Bilder lassen ein Stück Stadtgeschichte wiedererstehen

Von Christine Weller
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Die Angehörigen Klaus und Charlotte Osterburg (von links), Siegfried Kehl und Archivarin Marianne Klubitschko in der Schau, die neben Stadtansichten auch Stillleben zeigt. (Foto: Weller)

Wer derzeit das Rathaus von Bad Rappenau betritt, wird verblüfft innehalten: Im nüchternen Foyer strahlen dem Besucher farbenfrohe, realistische Bilder entgegen. Motive sind vorwiegend idyllische Plätze, Winkel und Gebäude der Umgebung aus der Sicht einer vergangenen Zeit.Schöpfer der sehenswerten Kunstwerke waren die in den 70er-Jahren verstorbenen Rappenauer Malermeister Karl Kehl und Emil Osterburg. "Farbe macht Freude" heißt denn auch die Ausstellung, die die Bad Rappenauer Archivarin Marianne Klubitschko in Zusammenarbeit mit den beiden Söhnen der Künstler, Siegfried Kehl und Klaus Osterburg, zusammengestellt hat. Sie spiegelt zum einen das Schaffen der beiden Autodidakten wider, zeigt ihre teilweise verblüffenden Gemeinsamkeiten, rückt aber auch ein Stück naher Stadtgeschichte in Erinnerung. Manch einer der zahlreichen Besucher der Vernissage am Samstag fand Ansichten aus seiner Jugend wieder, die heute unwiderruflich verschwunden sind. Der Arzt Peter Trunzer etwa freute sich über einen Blick auf Zimmerhof mit der markanten Silhouette des Gutshofs, so wie sie sich einst Karl Kehl dargestellt hat. Auch der frühere Stadtrat Reinhard Künzel entdeckte Vertrautes und lobte die beiden Maler, die er beide persönlich gekannt hatte. Einen ausführlichen Blick in Leben und Werk der beiden Freizeitkünstler gewährte Klaus Osterburg und unterstrich dabei Übereinstimmungen: Beide Malermeister hätten mit etwa 20 Jahren angefangen, sich auch künstlerisch zu verwirklichen. Beide fanden sie ihre Motive vorwiegend in der näheren Umgebung: Karl Kehl, der nach dem Krieg in Zimmerhof eine eigene Werkstatt eröffnet hatte, hauptsächlich in Bad Wimpfen. Emil Osterburg, angestellt in der Vulpius Klinik , eher in Bad Rappenau. Beide verarbeiteten ihre Eindrücke aus der Kriegsgefangenschaft in ihren Werken. Allerdings völlig verschieden. Betroffen machen die Widerspiegelungen aus der Haft in Russland von Karl Kehl. Harmonisch dagegen wirken die Werke Emil Osterburgs, der seinerzeit von der amerikanischen Lagerleitung sogar einen Kunstpreis bekam. Unterschiedlich reflektierten die beiden Männer auch, was sie in ihrer heimatlichen Umgebung oder auf Reisen sahen. Das wird durch Gegenüberstellungen der gleichen Motive in der Ausstellung besonders deutlich. Während Emil Osterburgs Bilder eindeutig dem Realismus zuzuordnen sind, zeigen die Arbeiten Karl Kehls oft weiche impressionistischen Züge. Beide Künstler verstanden es, positive Emotionen beim Betrachter zu wecken. Viele der Exponate im Rathaus hängen als Leihgabe aus Privathaushalten an den Wänden. Beeindruckt von der Ausstrahlung der Bilder war auch Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen: "Von dem, was Sie hier sehen, bin ich begeistert." Gerührt und dankbar nahm die Witwe Charlotte Osterburg den Erfolg der Ausstellung auf, "obwohl ich erst dagegen war". Musikalisch umrahmten Waldemar Behnke mit der Gitarre und Helena Trippel-Behnke am Klavier die Vernissage.


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