Formel Vau: Für große Fans der kleinen Flitzer

Sinsheim - Von den Anhängern der Formel 1 wird sie geringschätzig belächelt, von anderen heiß geliebt: die Formel Vau. Die schnittigen kleinen Rennautos haben auch noch viele Jahre nach der Einstellung der Fertigung noch zahlreiche Freunde und aktive Fahrer.

Von Rudolf Landauer
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Frank Orthey (rechts) und Martin Märklen mit Formel-V-Modell.Foto: Landauer

Sinsheim - Von den Anhängern der Formel 1 wird sie geringschätzig belächelt, von anderen heiß geliebt: die Formel Vau. Die schnittigen kleinen Rennautos haben auch noch viele Jahre nach der Einstellung der Fertigung noch zahlreiche Freunde und aktive Fahrer. Fast Kultstatus haben die Flitzer mit den schmalen Reifen, die auf Basis der VW-Käfer- Technik in den USA entwickelt wurden. Das Sinsheimer Auto- und Technikmuseum widmet der Formel die sehenswerte Sonderausstellung "Geschichte und Geschichten der Formel Vau".

Karrierestart

Zehn ausgewählte Rennwagen vermitteln einen Querschnitt dieser Rennserie, mit der berühmt gewordene Formel-1-Piloten wie Niki Lauda, Jochen Rindt, Jacky Ickx, Harald Ertl oder Jochen Maas in ihre Motorsportkarriere gestartet hatten. Der Fleiner Diplompädagoge Martin Märklen ist stolzer Besitzer eines stahlblauen Formel Vau und großer Fan dieser Klasse. Wenn er von seiner Arbeit nach Hause kommt, taucht er oft in die Rennwelt in seiner Garage ab und schraubt an seinem Flitzer.

Märklen fährt auch noch Rennen: "Einfach aus Spaß und Freude, und das Ganze ist bezahlbar", sagte er. Und darin liegt auch der Grund für die überaus erfolgreiche Epoche der Formel Vau: dieses Rennauto konnten sich viele leisten. Das drückte sich in Zahlen aus. Von 1963 bis weit in die siebziger Jahre hinein entwickelte sich die Formel V und später die Formel Super V mit weltweit mehr als 4500 gebauten Fahrzeugen zur erfolgreichsten Nachwuchs-Rennserie aller Zeiten. Das Erfolgsrezept war verblüffend einfach: Man nehme Motor, Getriebe, Differential, Vorderachse und Lenkung vom VW Käfer, baue alles in einen schlichten Gitterrohrrahmen ein und stülpe über das Ganze eine leichte Kunststoffkarosserie. Fertig ist das Rennauto.

Dreh für den Motor

Ein Problem galt es zuvor zu lösen. Weil das Heckgetriebe aus dem Käfer um 180 Grad gedreht wurde und somit hinter der Hinterachse lag, der Motor aber hinter dem Fahrer, mussten Getriebe und Differential umgebaut werden. Sonst wären dem Fahrer nur ein Vorwärts- und dafür vier Rückwärtsgänge zur Verfügung gestanden. Warum denn der Name Formel Vau und nicht V? Frank Orthey, Organisator der Schau: "Formel V ist schon richtig denn damit ist der Buchstabe V gemeint, aber das wollte VW nicht haben, denn das konnte mit Schulnoten verglichen werden und die Fünf gilt als nicht besonders attraktiv." Die ersten "Formula Vau" wurden noch von leicht getunten Motoren angetrieben, die etwa 40 PS leisteten. Wegen des sehr niedrigen Fahrzeuggewichts von nur 375 Kilogramm, ein normaler VW Käfer wiegt 750 Kilogramm, erreichten sie immerhin Tempo 160. Huschke von Hanstein und Ferdinand Porsche brachten die Formel nach Deutschland.

Die Ausstellung "Formel Vau" ist bis 12. Februar täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen.


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