Erinnerung an große Literaten

Im Club der toten Dichter geht es überaus lebendig zu − Guter Besuch im Wasserschloss

Von unserer Mitarbeiterin Christine Weller
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Erinnerung an große Literaten
Die Hobby-Schauspieler Erika Pedde-Schiedt und Horst Huth hauchtem dem Club der toten Dichter Leben ein.Foto: Christine Weller

Wer Hätte - Wer hätte gedacht, dass sieben fast vergessen geglaubte schwäbische Literaten so viele Rappenauer in den Gewölbekeller ziehen würden, dass der Platz kaum reichte? Der Germanist und Volkshochschuldozent Wolfgang Thalheimer, Initiator des Treffens mit längst verstorbenen Geistesgrößen freute sich: Seine Idee, Leben und Werk der Dichter Justinus Kerner, Ludwig Uhland, Eduard Mörike, Friedrich Hölderlin, Wilhelm Waiblinger, Ludwig Pfau und Albrecht Goes unter dem Titel "Club der toten Dichter" in Erinnerung zu rufen, stieß auf großen Erfolg.

Seelenverwandt Lebendig unterstützt von ausdrucksvollen Lesungen und Rezitationen der Schauspieler Horst Huth und Erika Pedde-Schiedt erzählte er Bekanntes und Unbekanntes über die schwäbischen Poeten, hob ihre Gemeinsamkeiten hervor und unterstrich ihre Bedeutung und Nachwirkung auf unsere heutige Zeit. Gemeinsam ist allen − mit Ausnahme von Albrecht Goes (1908 bis 2000) − dass sie um die Wende zum 19. Jahrhundert lebten. Ihre Geburtsorte liegen zwischen Heilbronn und Ludwigsburg.

Vier von ihnen, nämlich Eduard Mörike, Albrecht Goes, Friedrich Hölderlin, und Wilhelm Waiblinger waren Pfarrer oder haben Theologie studiert. Justinus Kerner, Ludwig Uhland und Eduard Mörike waren befreundet. Eine Art Seelenverwandtschaft verband den hochsensiblen Wilhelm Waiblinger mit dem später geisteskranken Friedrich Hölderlin. Nur zwei von ihnen, nämlich Friedrich Hölderlin und Eduard Mörike, gehören zu den Größen der Weltliteratur.

Mörike ist den Unterländern am vertrautesten. Wer kennt nicht seine Gedichte "Frühling" oder "Septembermorgen". Aus seiner Cleversulzbacher Zeit als Pfarrer (1834 bis 1848) sind viele Geschichten von dem Geistlichen überliefert, der "lieber dichtete und seinen Vikar predigen ließ". Als fast volkstümlich und außergewöhnlich gastfreundlich galt der Weinsberger Justinus Kerner, der dichtende Arzt und Mystiker.

Sensibel Ludwig Uhland war oft sein Gast, auch Wilhelm Waiblinger verkehrte in seinem Haus. Dem herausragenden Schöngeist Friedrich Hölderlin wurde die eigene Sensibilität zum Verhängnis. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er geistig umnachtet im Tübinger Turm seines Mäzens Ernst Zimmer. Ludwig Pfau, 1821 in Heilbronn geboren, war bodenständiger. Als Satiriker und Rebell fiel er unangenehm auf und musste Deutschland verlassen. Sein Wahlspruch war: "Stolz gegenüber den Großen − bescheiden gegenüber den Kleinen". Auch der in Langenbeutingen geborene Albrecht Goes tat sich durch kritische Schriften hervor. Seine 1954 erschienene Erzählung "Das Brandopfer" etwa thematisiert die Judenverfolgung während des Dritten Reiches. Doch es ging nicht nur ernst zu im Club der toten Dichter: Horst Huth du Erika Pedde-Schiedt bezauberten das Publikum mit heiteren Episoden − wie etwa mit Mörikes Rätsel "Auf ein Ei geschrieben".


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