Englischrot heißt hier Kirschrot

Renovierte Ratsschänke am historischen Marktplatz eingeweiht

Von Stefanie Pfäffle

Englischrot heißt hier Kirschrot
Vor dem historischen Kleinod (von links): Architekt Robert Hofterheide, Besitzerin Elisabeth Dörr, das Pächterehepaar Andreas und Annette Springer, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Oberbürgermeister Klaus Holaschke.Foto: Stefanie Pfäffle

Eppingen - Ein Juwel, ein Kleinod, die schönste Perle der Perlenschnur - all diese Worte fielen am Sonntagnachmittag auf dem frisch renovierten und neu gestalteten historischen Marktplatz in der Eppinger Altstadtstraße. Sie galten aber nicht dem an diesem Tag eingeweihten geschichtsträchtigen Platz, sondern der ebenfalls renovierten Ratsschänke. „Ein prachtvolles Ensemble“, wie Oberbürgermeister Klaus Holaschke befand.

In Englischrot erstrahlen die Fachwerkbalken des 1483 errichteten Gebäudes. „Die Farbe hat mir gefallen, aber ihr Name nicht. Deswegen habe ich sie kurzerhand in Kirschrot umgetauft“, erzählt die Eigentümerin Elisabeth Dörr. „Meine Großmutter war eine geborene Kirsch, und die ist schließlich auch schuld daran, dass ich heute hier sitze.“ Und trägt damit auch Mitschuld, dass die Eppinger Ratsschänke heute nicht vollkommen verfallen ist.

Nach zähen, jahrelangen Verhandlungen hatte die Stadt das Gebäude gekauft, das wie nur noch wenige in Deutschland in so genannter Bohlenständerbauweise errichtet ist. Allein, es fehlte das Geld zur Renovierung. „Als die Stadt an mich herantrat, hieß es: Entweder bricht die Bude bald zusammen, oder wir sanieren“, meint die 75-Jährige. Sie entschied: sanieren. Schon als junges Mädchen hätte sie sich gern die Fachwerkhäuser angeschaut, daher habe sie eine Beziehung dazu. „Da hat es gefunkt“, erklärt Dörr lächelnd.

Sie beauftragte Architekt Robert Hofterheide mit einer ersten Analyse. „Ich dachte, der verträgt eine Herausforderung.“ Denn es bot sich ihm ein trauriger Anblick. Fast sieben Jahre Leerstand, Löcher im Dach und defekte Entwässerungen in der Scheune hätten beinahe für irreparable Schäden gesorgt. Überall roch es modrig und faul, im Gewölbekeller tropfte das Wasser von der Decke.

Hofterheide und Dörr ließen sich jedoch nicht entmutigen und legten dem Gemeinderat im August 2004 ihr Nutzungskonzept vor, das ein Restaurant im ehemaligen Rüben- und Kartoffelkeller vorsah. Die einstimmige Zustimmung erschreckte Hofterheide fast: „Einerseits die Freude, nach so langer Vorarbeit endlich loslegen zu dürfen, andererseits die Sorge, solch einer anspruchsvollen Bauaufgabe nicht gewachsen zu sein.“

Man war es, auch wenn es zwei volle Jahre dauern sollte, bis die Ratsschänke in ihrem heutigen Glanz erstrahlte. Immer wieder warfen unvorhergesehene Schwierigkeiten wie beispielsweise das fehlende Fundament des Schwesternheims die Arbeiten zurück. „Es war ein ganz schöner Klimmzug, die Schänke umzubauen“, erklärt Dörr. „Aber ich habe nie den Glauben daran verloren, dass wir es zu einem guten Ende führen.“ Auch wenn der Innenausbau noch fehlt, überreichte Hofterheide am Sonntag den symbolischen Schlüssel an Elisabeth Dörr. Diese reichte ihn gleich an das Pächterehepaar Andreas und Annette Springer weiter, die seit gestern die Ratsschänke als Lokal mit etwa 40 Plätzen betreiben. Nach dem obligatorischen Fassanstich stießen nicht nur die offiziellen Gäste, sondern auch die zahlreich erschienenen Besucher auf das neue Kleinod im Herzen der Altstadt an.