Die unendliche Suche nach einem Pächter

Der neue Interessent springt der Bahn ab, der alte braucht jetzt Bedenkzeit

Von Peter Boxheimer

Die unendliche Suche nach einem Pächter
Die falsch gehende Uhr als Symbol: Rund um den Eppinger Bahnhof stimmt so manches nicht.Foto: Peter Boxheimer

Eppingen - Zwei Jubiläen gibt es dieses Jahr rund um den Eppinger Bahnhof. Das erste ist erfreulicher Natur: Anfang September begeht die Kraichgaustadt den zehnten Jahrestag des Stadtbahnanschlusses. Das zweite bietet weniger Anlass zum Feiern: In wenigen Tagen sind es eineinhalb Jahre, dass der Reisebedarfsladen leer steht.

Die Bemühungen der Deutschen Bahn (DB) um einem neuen Pächter haben immer noch nicht zum Erfolg geführt. „Wir suchen einen Partner, der ein nachhaltiges Angebot etablieren kann“, versichert Reinhold Willing, Stuttgarter Sprecher des Verkehrsunternehmens, seit Monaten gebetsmühlenartig. Das Ergebnis dieser Aktivitäten ist bislang mager.

Zwar hatte die Bahn einen erfahrenen Interessenten gefunden, der im Dreierpack die Bahnhofsläden in Durlach, Bretten und Eppingen übernehmen wollte. Doch als das Vertragswerk unterschriftsreif war, kam plötzlich ein bundesweiter Anbieter ins Spiel. Der hat inzwischen kein Interesse mehr an Eppingen. Also ist jetzt wieder die alte Trio-Lösung der Strohhalm, nach dem die DB greift. Aber ihr Gesprächspartner ziert sich inzwischen nach dem Intermezzo mit einem Konkurrenten.

Rentabel? Durlach und Bretten würde er bedenkenlos übernehmen, doch bei Eppingen hat er offensichtlich Zweifel, ob sich der Shop wirtschaftlich rechnet. „Wir glauben aufgrund der Besucherzahlen, dass das Potenzial da ist, um den Servicebetrieb rentabel zu führen“, versichert Bahn-Sprecher Willing. Dafür spricht einiges: Die S 4 wird sowohl in Richtung Karlsruhe als auch Heilbronn rege genutzt, und Ende 2009 gewinnt der Schienenknotenpunkt Eppingen durch den Anschluss an das S-Bahn-Netz Rhein-Neckar noch an Attraktivität.

Zu verhandeln gibt es mit dem nunmehr einzigen Interessenten nichts mehr. Willing: „Das Inhaltliche ist zu Ende gesprochen.“ Die erbetene Bedenkzeit will die Bahn ihrem potenziellen Geschäftspartner einräumen. Schließlich müssten beide Seiten sicher sein, dass es funktioniere. Dass der Bewerber das Knowhow hat, um den Laden erfolgreich zu führen, steht für das Verkehrsunternehmen außer Zweifel. Gedrängt werden soll er aber nicht. Und deshalb kann Reinhold Willing „im Moment auch kein Zeitfenster aufmachen“.

Spott Vor Ort erntet das Vorgehen der Bahn nur noch Hohn und Spott. „Eine Verhandlungstaktik haben die, das ist zum Schießen“, meint ein Eppinger Nahverkehrsfachmann. Recht drastisch fällt sein Urteil über die DB-Riege aus: „Ein unmöglicher Haufen.“

Fest ohne Laden? Inzwischen fragt man sich in der Fachwerkstadt, ob der Bahnhof auch noch zum Stadtbahn-Jubiläum am 8. und 9. September mit einem geschlossenen Reisebedarfsladen glänzen wird. Bei einer Fest-Vorbesprechung gab die Vertreterin des Bahnhofsmanagements in Heilbronn zu Protokoll, Kiosk und Bistro seien dann wieder in Betrieb. Deshalb könne im Foyer keine Modellbahnanlage aufgestellt werden. Reinhold Willing äußert sich etwas vorsichtiger als seine Kollegin: „Bis dahin sollten wir eine weitere Ausrichtung haben.“

Das lässt einiges befürchten. Und so steht die wochenlang falsch eingestellte Uhr am Stationsgebäude symbolisch für die Situation: Es funktioniert so manches nicht rund um den Eppinger Bahnhof.