Der Bahnhof soll wieder zum Erlebnis werden

Eppingen - Seit dem 1. Januar ist die Stadt Eppingen Besitzerin des Bahnhofs. Für 450 000 Euro hat die Kommune das Stationsgebäude aus dem 19. Jahrhundert von der Bahn erworben.

Der Bahnhof soll wieder zum Erlebnis werden
Dass der Bahnhof wie der benachbarte Kreisel eine runde Sache wird, wünscht sich die Stadt Eppingen nach dem Erwerb des Gebäudes.Fotos: Peter Boxheimer.

Eppingen - Seit dem 1. Januar ist die Stadt Eppingen Besitzerin des Bahnhofs. Für 450 000 Euro hat die Kommune das Stationsgebäude aus dem 19. Jahrhundert von der Bahn erworben. Was plant die neue Eigentümerin? Oberbürgermeister Klaus Holaschke hat Fragen unseres Redakteurs Peter Boxheimer beantwortet.

Warum ist der Bahnhof für die Stadt Eppingen so wichtig?

Klaus Holaschke: Eppingen als Knotenpunkt der früheren Eisenbahnen hat schon immer eine Bedeutung im Schienenverkehr gehabt. Bereits vor der Inbetriebnahme der S-Bahn Ende 2009 und damit der Aktivierung der Strecke Richtung Sinsheim − Heidelberg hatten wir den Fokus auf das Gebäude. Der Bahnhof gehört in die Stadt und ganz wesentlich zur Stadt.

Im derzeitigen Zustand ist mit dem Gebäude aber kein Staat zu machen.

Holaschke: Da muss man zustimmen. Wir führen seit Jahren die Gespräche mit der Bahn, die im Zuge der Umgestaltung des Östlichen Altstadtrings einiges ins Gebäude investiert hat, zum Beispiel ins Dach. Sie hat in guter Absicht versucht, eine aktive Nutzung zu bekommen. Leider war der Bahnhof mit Ausnahme des Reisebüros und einzelner Dienstleister nicht mit dem Leben erfüllt, wie man es sich für ein Eingangstor in eine Stadt vorstellt.

Schränkt der Denkmalschutz die Nutzungsmöglichkeiten erheblich ein?

Holaschke: Alle Schritte gilt es mit den beteiligten Stellen wie dem Denkmalamt zu besprechen. Das markante Gebäude mit dem Ost- und Westturm und der Mittelhalle muss sorgsam entwickelt werden. Wir stehen da ganz am Anfang.

Planen Sie eine Sanierung in eigener Regie oder durch einen Investor?

Holaschke: Das ist noch völlig offen. Es hängt davon ab, was wir mit dem Bahnhof machen wollen. Wir haben ihn nicht ohne Bedacht gekauft und werden beim Land sicherlich wegen eines Sanierungsgebiets anklopfen. Dieses Objekt ist dafür prädestiniert.

Kurz vor dem Besitzerwechsel hat das Reisebüro Benz den Bahnhof verlassen. Die Wartehalle ist zugesperrt, die Stadtinformation geschlossen. Das kann doch nicht befriedigen −oder?

Holaschke: Bei der Frage, wo sich künftig Stadt- und Touristikinformation wiederfinden, sage ich: Wir sind öffentlicher Dienstleister und brauchen an einem prominenten Standort, im Marktplatzbereich, über die normalen Öffnungszeiten des Rathauses hinaus eine Anlaufstelle. Die Leute kommen auch samstags und sonntags.

Schon seit geraumer Zeit steht das Bistro mit Verkaufsladen leer. Glauben Sie an eine Reaktivierung?

Holaschke: Ich möchte da nicht vorgreifen. Es ist bekannt, dass wir den Bahnhof erworben haben. Dadurch wird sicherlich in den nächsten Wochen eine Interessenslage da sein. Vorrangig ist, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, bei dem die Stadt mitreden wird. Wenn es ein Dritter machen kann, entlastet es uns bei den Investitionen und Folgekosten. Ich gehe schon davon aus, dass die eigentliche Wartehalle zugänglich ist, damit die Leute sich in der kalten Jahreszeit auch mal zehn Minuten aufwärmen können, wenn eine Bahn Verspätung hat. Ein Bistro oder Café wäre natürlich schön.

Und bessere Toiletten?

Holaschke: Dass es am Eingangsportal zur Stadt eine öffentliche WC-Anlage gibt, ist okay. Aber ich stelle mir das in Zukunft attraktiver vor. Ob am bisherigen Standort neben dem Bahnhof oder in das Gebäude integriert, ist zu überlegen.

Die Pläne, im Bahnhof wieder eine Gaststätte zu installieren, haben sich mit der Bahn nicht verwirklichen lassen. Gibt es jetzt einen neuen Anlauf?

Holaschke: Da bin ich sehr zurückhaltend . Ich bin sehr froh über unsere Gaststättenlandschaft − gerade auch in der Innenstadt und um den Marktplatz. Hier haben wir ja noch eine Baustelle mit dem Rössle, bei der das Thema Gastronomie sicherlich naheliegender ist. Wenn natürlich jemand kommt und ein gutes Konzept hat, ist alles denkbar.

Ebenso denkbar wie diverse Dienstleistungen?

Holaschke: Ja. Stadtentwicklung heißt natürlich auch immer Gebäudeentwicklung. Wir müssen aber eine Komprimierung vornehmen und nicht alles wahllos verteilen. Die Stärkung unserer Innenstadt ist unverändert unsere Richtschnur. Arbeiten, Wohnen, Einkaufen, Dienstleistung − alles, was der Belebung der Innenstadt dient, muss sorgsam abgewogen werden. Der Bahnhof gehört wie auch der Schwanen in dieses Konzept.

Welche räumliche Möglichkeiten bietet der Bahnhof?

Holaschke: Wir haben fast 1000 Quadratmeter Nutzfläche. Das ist schon ein Wort. Mit jedem Tag, den sich die Stadt weiterentwickelt, wird sich auch die Nachfrage weiterentwickeln. Den Standort beurteile ich als attraktiv.

Spielen Sie doch mal Prophet: Wie wird der Bahnhof 2021 aussehen, wenn Eppingen die kleine Landesgartenschau ausrichtet und viele Besucher erwartet werden?

Holaschke: Ich habe die Vision, dass wir einen genutzten und belegten Bahnhof haben, der vielleicht auch städtische Dienstleistungen anbietet − aber nicht zwingend. Das Gebäude ist im historischen Erscheinungsbild saniert, der eigentliche Charakter wird nicht verändert. Wer nach Eppingen kommt oder wegfährt, hat wieder ein Bahnhofserlebnis.

Der Bahnhof soll wieder zum Erlebnis werden
Mit dem Reisebüro hat der Hauptmieter das Stationsgebäude verlassen.