Das Selbstgebraute schmeckt ihm besser

Bad Rappenau  Rüdiger Winter ist unter die Bierbrauer gegangen. In seinem Keller entstehen pro Jahr 160 Liter Bier. Mit dem Zoll und dem Reinheitsgebot hat er deswegen keine Probleme.

Von unserer Redakteurin Ulrike Plapp-Schirmer

Das Ende der Massenbierhaltung

Jede Flasche Gässle-Bräu ist liebevoll verziert mit einem eigenen Etikett.

 

Rüdiger Winter isst gern das, was er kennt. Er macht seine eigene Wildwurst und hat seit Kurzem ein Getränk im Keller, von dem er genau weiß, wo es herkommt und was drin ist: Bier. Das braut er selbst. Seine Familie und Freunde freut das: Rüdiger Winter teilt mit ihnen 160 Liter pro Jahr.

Wenn Rüdiger Winter etwas macht, dann richtig. Seine Hausbrauerei hört auf den Namen Gässle-Bräu. Seine Biere heißen Salzsieder, Keller Lager, Extra Stout, Sudhaus Hell oder Winter-Bier. Für mindestens zehn Malzsorten, die er wie die Großen von Weyermann in Bamberg bezieht, baute er einen Schrank mit Schütten.

Für die Kühlung musste der Keller ausgehoben werden

Das Ende der Massenbierhaltung

Nase voll: Der Bierkenner Rüdiger Winter verhält sich wie ein Weinkenner.

 

Die Kühlung, die er gebraucht kaufen konnte, war 20 Zentimeter zu hoch, also grub er seinen Keller aus und flieste alles neu. "Schluss mit der Massenbierhaltung", ist sein Motto. Dabei verfolgte er vor etwas mehr als einem Jahr noch ein bescheideneres Ziel: "Ich wollte meiner Familie an Weihnachten etwas Besonderes bieten."

Dass Bier Zeit zum Reifen braucht, merkte er gleich. Erst Weihnachten 2016 stand kein Wein mehr auf dem Tisch. Rüdiger Winter hatte sich eingelesen und experimentiert. "Angefangen habe ich mit einem Brauwürze-Konzentrat", erzählt er. Das sei relativ teuer, funktioniere aber relativ einfach. "Da teilweise Zucker dazu kommt, war ich nicht zufrieden."

"Man kann gar nichts anderes mehr trinken"

Das Ende der Massenbierhaltung

Braut ein Bier, das richtig sehr gut schmeckt: Rüdiger Winter hat sich zwischenzeitlich zu einem beachtlichen Hobbybrauer gemausert.

Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer

Zwischenzeitlich weiß er: Das Getränk aus den Anfängen und das, was er heute in Flaschen vergärt, verhält sich wie Instantkaffee zu selbst gebrannten Bohnen, wie Gulaschsuppe aus der Dose zu selbst gekochtem Eintopf.

Ihm gefällt, dass die Menschen im Mittelalter mehr Bier als Wasser tranken, "einfach, weil Bier sauberer war". Und ihn fasziniert ungefiltertes Bier. Auch das von Braumeister Thomas Wachno, der mit seinem Hopfenstopfer der Craft-Beer-Pionier im Land ist. Wachno wisse von seinem Hobby, sagt Winter. Man habe aber noch keine Zeit für eine gemeinsame Verkostung gefunden. "Wenn man sein eigenes Bier braut", fügt er an, "kann man gar nichts anderes mehr trinken." Oder eben nur das von geschätzten Kollegen.

Selbstgebrautes muss beim Zoll gemeldet werden

Auch beim Brauen zu Hause sei wichtig, dass man es beim Zoll anmelde. Bis 200 Liter pro Jahr sind steuerfrei. Was man beim Brauprozess selbst in der Hand habe, solle man standardisieren und kontrollieren. "Was man nicht in der Hand hat, ist zum Beispiel die Malz-Qualität. Die ist jedes Jahr anders." Eigentlich ist Rüdiger Winter der Jean Pütz von Bad Rappenau. Von dessen Hobbythek habe er keine einzige Sendung verpasst, sagt er. Selbst Bier herstellen zu können, bedeutet für ihn sowas wie Lebensqualität.

Doch zugleich scheut er auch vor neuen Wegen nicht zurück. Sein winterlicher Haustrunk besticht zum Beispiel durch eine Zimt-und Orangen-Note und passt wunderbar zu Christstollen.

Für den Haustrunk gilt nicht das Reinheitsgebot

Klar gebe es in Deutschland ein Reinheitsgebot, sagt der Hobbybrauer. Doch das gelte zum einen nicht für den Haustrunk. Zum anderen werde das von keinem strikt eingehalten: "Laut Reinheitsgebot darf man nämlich nicht einmal Hefe zusetzen." Im Mittelalter setzten die Menschen eben auf Spontangärung.