Brennpunkte gibt es genügend

Kraichgau - Die Landesregierung will die Möglichkeiten ausweiten, öffentliche Plätze und Gebäude mit Videokameras zu überwachen. Manche Schulen und einzelne Kommunen im Kraichgau würden die Idee dankbar aufgreifen.

Von unserer Redaktion
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Vandalismusschäden sind am Eppinger Bahnhofsvorplatz immer wieder zu beklagen. Beim Thema Videoüberwachung hält sich die Stadt aber bedeckt.Foto: Archiv/Hettich

Kraichgau - Die Landesregierung will die Möglichkeiten ausweiten, öffentliche Plätze und Gebäude mit Videokameras zu überwachen. Manche Schulen und einzelne Kommunen im Kraichgau würden die Idee dankbar aufgreifen. Sie versprechen sich von dem elektronischen Auge ein hilfreiches Mittel im Kampf gegen Vandalismus.

Spur der Verwüstung

 "Wir würden das sicherlich machen", begrüßt die Rappenauer Rathaus-Pressesprecherin Eva Goldfuß-Siedl die sich abzeichnende Möglichkeit. Potenzielle Brennpunkte für die Objektive der Videokameras gibt es zuhauf. Bahnhofsunterführung, Schloss-, Kur- oder Salinenpark etwa wären in den Augen Goldfuß-Siedls überwachungswürdige Standorte: "Da passiert immer wieder etwas."

Nicht nur bei sommerlichen Gelagen schlagen Vandalen in der Kurstadt mit schöner Regelmäßigkeit zu. Spontan fällt der Rathaussprecherin das Halloween-Wochenende vom vergangenen Jahr ein: "Da konnte man im Kurpark eine Spur der Verwüstung verfolgen." Anders ist die Haltung in Eppingen. Das Rathaus hat sich noch keine Gedanken gemacht, wie man mit dem Thema Videoüberwachung umgeht.

Man warte ab, wie das Gesetz am Ende aussieht, sagt Rathaus-Sprecherin Cathrin Löfflath. Ohnehin entscheide letztlich der Gemeinderat darüber. Eppingen war Kameras gegenüber schon immer zurückhaltend. Als vor eineinhalb Jahren im Bahnhofsbereich immer mehr Sachbeschädigungen registriert wurden, sagte der zuständige Amtsleiter Günter Brenner, es sei ein sehr schwieriges Thema: "Dabei prescht man nicht vor."

Kameras gegen unerwünschte Gäste auf dem Schulgelände? "Auf jeden Fall" spricht sich Günther Weigel dafür aus, das Instrument auf dem Eppinger Campus einzusetzen. "Wir haben nach 21 Uhr immer wieder Gruppen von Jugendlichen, die dort nichts zu suchen haben", berichtet der geschäftsführende Leiter der Schulen in der Fachwerkstadt. Was vom Gelage übrig bleibt, dürfen Hausmeister auflesen: Flaschen, Scherben oder anderen Unrat. War früher meist das Umfeld der Schmiedgrundhalle Zentrum nächtlicher Zecher, hat sich das Geschehen an andere Orte verlagert, die schlecht einsehbar sind. Hier könnte die Videokontrolle Abhilfe schaffen, ist Günther Weigel überzeugt: "Eine solche Möglichkeit ist in der Campus-Ordnung auch ausdrücklich vorgesehen." Die rechtlichen Voraussetzungen reichen dafür nach Überzeugung des Hellbergschulrektors aus. Das klar umgrenzte Gelände könnte zum Privatareal deklariert und mit Kameras bestückt werden. "Bisher ist das eher eine Frage der finanziellen Mittel."

Klare Linie

Bei der Finanzierung der Überwachung fährt die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Betreiberin der Stadtbahnlinie zwischen Karlsruhe und Heilbronn, eine klare Linie. Sollen Kameras auf Bahnsteigen her, werden auch die Gemeinden zur Kasse gebeten. Die Kontrolle per Video beschränke sich bislang auf ausgewählte Brennpunkte, erklärt der technische AVG-Betriebsleiter Siegfried Lorenz. Gefilmt wird etwa an der Haltestelle Bretten-Stadtmitte. "Mit den Kameras kann man etwas erreichen", sieht Lorenz in den Kameras ein probates Mittel gegen Vandalismus. Als Brennpunkte gelten für die AVG bislang weder Sulzfeld noch Gemmingen oder Eppingen. In der Fachwerkstadt, so Lorenz, hätten die Fahrdienstleiter einen Blick auf die Bahnsteige, auch helfe der belebte Busbahnhof nebenan bei der Kontrolle. Eine Videoüberwachung ist derzeit im Zuge des Eppinger Bahnhofsumbaus nicht geplant.

Kamera am S-4-Stopp

Seit Dezember 2007 stehen Kameras in Bretten an der Stadtbahnhaltestelle Stadtmitte und werden bei Bedarf ausgewertet. Auslöser dieses Schritts war der zunehmende Vandalismus an diesem Stopp. Immer wieder wurden Scheiben eingeschlagen. Die Stadtverwaltung schätzte bei Inbetriebnahme der Videoüberwachung, dass 150 000 Euro in die Glasfront gesteckt worden waren. Das sei der Versicherung der Kommune zu viel gewesen. Sie habe gedroht: Entweder werden Kameras installiert, oder es gibt kein Geld mehr für kaputte Schreiben.


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