Beitrag zur Integration

Kirchardt - Wer kennt nicht das zauberhafte Bilderbuch "Die kleine Raupe Nimmersatt" des Deutschamerikaners Eric Carle? Seit Dienstag kann man es in einer Neuausgabe auch zweisprachig lesen: auf Aramäisch und Deutsch. Die Kirchardter Erzieherin und Studentin Havo-Eva Akyüz hat das Bilderbuch in ihre Muttersprache übertragen und jetzt mit Bürgermeister Rudi Kübler der Öffentlichkeit vorgestellt.

Von Christine Weller
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Zur Präsentation der neuen Ausgabe ist auch die Schwester des Autors Eric Carle, Christa Bareis (links), nach Kirchardt gekommen. Havo-Eva Akyüz aus Kirchardt hat das Bilderbuch ins Aramäische übertragen.Foto: Christine Weller

Kirchardt - Wer kennt nicht das zauberhafte Bilderbuch "Die kleine Raupe Nimmersatt" des Deutschamerikaners Eric Carle? Ganze Generationen hat es durch die Kinderjahre begleitet. Viele Erwachsene können noch heute die Geschichte vom gefräßigen kleinen Tier, das zum wunderschönen Schmetterling wurde, aus dem Gedächtnis abrufen. 29 Millionen mal wurde das Buch verkauft und in 47 Sprachen übersetzt. Seit Dienstag kann man es in einer Neuausgabe auch zweisprachig lesen: auf Aramäisch und Deutsch. Die Kirchardter Erzieherin und Studentin Havo-Eva Akyüz hat das Bilderbuch in ihre Muttersprache übertragen und jetzt mit Bürgermeister Rudi Kübler der Öffentlichkeit vorgestellt.

Prominenter

Gast Zu der sehr gut besuchten und von Kindergartenkindern liebevoll umrahmten Präsentation in der Birkenbachschule war auch die Schwester des Autors, Christa Bareis, gekommen. Ihr hatte Eric Carle das Büchlein bei seinem Erscheinen vor 40 Jahren gewidmet. Den heute 80-Jährigen hat es sehr bewegt, dass sein berühmtes Werk nun sogar in einer der ältesten Sprachen der Welt zur Völkerverständigung beiträgt. Er könne sich gut vorstellen, dass der Aramäer Jesus Christus die Geschichte der kleinen Raupe vorlese, hatte er Havo-Eva Akyüz telefonisch am Vorabend der Veranstaltung versichert.

Havo-Eva Akyüz, die in Kirchardt aufgewachsen ist, erklärte in schlichten Worten ihre Motivation für das Kinderbuch. Durch ihre Biografie, das Berufsleben als Erzieherin und ein Studium der sozialen Arbeit sei ihr das Thema Zweisprachigkeit in vielfältiger Weise begegnet. Sprache habe einen hohen Stellenwert, betonte Havo-Eva Akyüz. Sie umfasse einen hohen Anteil der persönlichen Identität. Ziel der zweisprachigen Darstellung eines Kinderbuches sei es, deutsch-aramäisch sprechenden Menschen einen Zugang zu beiden Sprachen zu ermöglichen. Die aramäische Version in ihrer ursprünglichen Schriftform hat sie daneben in lateinischer Schriftform dargestellt.

Das Buchprojekt kam in nur einem Jahr mit Unterstützung der Gemeinde Kirchardt, der syrisch-orthidoxen Sankt Stefanus-Gemeinde, Kirchardt, der Fundatio Nisibinensis, Gesellschaft zur Förderung aramäischer Studien, der Stiftung zum Erhalt und zur Förderung des aramäischen Kulturerbes, der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und in Zusammenarbeit mit dem Gerstenberg Verlag zustande.

Volltreffer

Bürgermeister Kübler unterstrich bei der feierlichen Präsentation die Bedeutung der aramäischen Initiative für das Miteinander verschiedener Kulturen in Kirchardt. Havo-Eva Akyüz habe mit ihrem Beitrag "genau ins Schwarze unseres Projekts ,Chancengleichheit - Bildung über Integration' getroffen". Es gelte, den eingeschlagenen Weg zu mehr Gemeinsamkeit und Verständnis weiterzugehen - hin zu einer Dorfgemeinschaft. Denn: "In Kirchardt wohnen nur Kirchardter, egal, wo sie hergekommen sind."

Für 9,90 Euro gibt es die aramäisch-deutsche Version des Bilderbuches in der Buchhandlung Maisenhölder und bei der syrisch-orthodoxen Sankt Stefanus-Gemeinde. Die Bildtafeln über das Leben und Werk des Autors Eric Carle, welche die Buchpräsentation ergänzten, sind ab sofort in der Raiffeisenbank ausgestellt.


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