Als der Glaube wichtig wurde

der Weihe zum katholischen Priester: Alexander Czech über seine späte Berufung

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Spürt, dass er auf einem wundervollen Weg ist: Am Sonntag wird Alexander Czech aus Mühlbach zum katholischen Priester geweiht.Foto: Simon Gajer

Vor - Nach Familie und Karriere sah es für Alexander Czech vor über zehn Jahren aus. Am Sonntag wird er zum katholischen Priester geweiht. Mit dem 39-Jährigen, der aus Mühlbach stammt, sprach Simon Gajer.

Wie fühlen Sie sich?

Alexander Czech: Sehr, sehr gut. Ich spüre, dass ich auf einem wundervollen Weg bin. Auf dem Weg, der zu mir passt, der mir entspricht.

Eine Woche vor der Priesterweihe gehen Sie in die Exerzitien. Zu Einkehr und als letzte Vorbereitung?

Czech: Beides. Wir, das sind fünf weitere Weihekandidaten und ich, ziehen uns vor dem großen Schritt zurück, um uns ganz auf Jesus Christus auszurichten. Mit ihm verbinden wir uns. Dabei sind wir ungestört von tausend organisatorischen Dingen, die mit der Weihe und der Primiz anstehen. Um frei zu sein und um in dieser inneren Ausrichtung zur Weihe gehen zu können.

Wie kam es dazu, dass Sie im Priestersein Ihren Weg sehen?

Czech: Wie viel Platz kriege ich für meine Berufungsgeschichte? (lacht) Ich hatte als Kind natürlich Kontakt mit der Kirche. War Ministrant. Aber nur bis zur Pubertät. Dann meldeten sich die Fragen.

Welche?

Czech: Über das Leben. Über mich. Ich erlebte damals unseren Priester, der sonntags im Evangelium von einem Gott sprach, der mir helfen kann, mein Leben zu leben. Den ich erfahren kann. Aber auf der anderen Seite war das wirkliche Leben: Menschen haben Schwierigkeiten, und Gott stellt für sie keine Hilfe dar. Das war eine Diskrepanz, die ich nicht zusammenbringen konnte. Ich habe mich umgehört, aber keine Antworten bekommen, die für mich schlüssig waren. So verabschiedete ich mich mit 15 Jahren von der Kirche.

Wie kam es dazu?

Czech: Ich setzte mich allein in die Kirche und sagte zu Gott: Wenn es dich gibt, möchte ich dich erfahren. Wenn es dich aber nicht gibt, brauche ich das mit der Kirche auch nicht. Dann lebe ich genauso gut ohne. Die Folge: Ich bin für lange Zeit von der Kirche weggekommen.

Wie näherten Sie sich der Kirche an?

Czech: Das war Jahre danach. Im Freundeskreis waren zwei Frauen, von denen jeder dachte, die haben mit Glauben nichts am Hut. Plötzlich erzählten sie, dass sie beten, in die Kirche gehen, in der Heiligen Schrift lesen. Ich war erstaunt. Sie hatten Menschen kennen gelernt, die den Glauben überzeugt leben. Die nicht nur sonntags mal eine Stunde im Gottesdienst auf Christ machen. Über diese Frauen bin ich wieder an das Thema Glaube gekommen. Über sie traf ich Menschen, die eine Glaubensausstrahlung hatten, die ich so in meinem Leben noch nie erfahren hatte.

Wie machte sich das bemerkbar?

Czech: Sie sprachen darüber, wie sie Gott erfahren. Wie er im alltäglichen Leben hilft. Dann wurde ich neugierig und folgte dem Lockruf. Ich merkte, Glauben wird mir wichtig. Drei Jahre vergingen, in denen ich immer wieder an Grenzen stieß.

Welche?

Czech: Ich erkannte: Wenn ich wirklich begreifen, erspüren möchte, was es mit Glauben auf sich hat, bin ich mit dem Verstand am Ende. Es geht nicht mehr nur um argumentatives Belegen. Ich musste den Sprung in eine Dimension des Glaubens wagen. Dazu kam, dass ich in einem Gottesdienst eine innere Berührtheit erfahren durfte. Einen Frieden, eine Liebe, die ich so noch nie erfahren hatte.

Was bedeutete das für Ihren Alltag?

Czech: Das Beten wurde mir wichtig. Ich war in einer Partnerschaft. So wie ich mit meiner Freundin sprechen wollte, wollte ich mit diesem Jesus sprechen. Werte veränderten sich, damit auch der Freundeskreis. Und die Beziehung. Nach einiger Zeit trennten wir uns. In den nächsten Jahren entdeckte ich meinen Glauben neu. Dann kam der innere Impuls: Kannst du dir vorstellen, katholischer Priester zu werden?

Waren Sie überrascht?

Czech: Ich musste darüber lachen, weil meine Lebensgeschichte ganz anders verlaufen war. Ich wollte als Vermessungsingenieur Karriere machen und eine Familie gründen. Ich schob den Impuls weg, aber er kam immer wieder. Irgendwann akzeptierte ich ihn. Traf immer mehr Menschen, die mir wichtige Hinweise gaben, las in der Schrift. Irgendwann war klar: Ich gehe ins Priesterseminar und prüfe: Was ist an diesem Impuls dran? Ich wusste nicht: Werde ich in zehn Jahren Priester, oder läuft mir meine Traumfrau über den Weg?

Worin sehen Sie Ihren Schwerpunkt?

Czech: Die Glaubensweitergabe. Ich möchte das, was ich selbst erfahren habe, den Menschen anbieten. Damit sie selbst Gott erfahren.


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