Letzte Arbeiten an Eppinger Linien

Eppingen - Ein Staubsauger steht in der Ecke, Werkzeugkoffer der Handwerker gleich daneben: Im Museum Alte Universität wird am Verteidigungswall Eppinger Linien gebaut. Bis Sonntag sind die Arbeiten abgeschlossen, dann präsentiert sich die ständige Sammlung im ersten Obergeschoss in einem neuen Licht.

Von Simon Gajer


Eppingen - Ein Staubsauger steht in der Ecke, Werkzeugkoffer der Handwerker gleich daneben: Im Museum Alte Universität wird am Verteidigungswall Eppinger Linien gebaut. Bis Sonntag sind die Arbeiten abgeschlossen, dann präsentiert sich die ständige Sammlung im ersten Obergeschoss in einem neuen Licht.

Besucher fühlen sich im Wald. Birkenstämme recken sich in die Höhe. Bei jedem Schritt gibt der Boden ganz leicht nach. Die neue Ausstellung über die Eppinger Linien bietet mehr als reine Wissensvermittlung. Der Erlebnischarakter zieht in Museen ein, man geht weg von reinen Lehr- und Bildungsanstalten. "Dem müssen wir Rechnung tragen", begründet Museumsleiter Peter Riek den Umbau. Deshalb verzichtet er darauf, Eppingens Geschichte detailliert darzustellen.

Hingucker

Letzte Arbeiten an Eppinger Linien
Der Verteidigungswall Eppinger Linien entsteht: Schüler aus Schopfheim haben das Modell geschaffen, das ab Sonntag in der Alten Universität zu sehen ist.Fotos: Gajer
Zum Herzstück der Schau dürfte jenes detailreiche Modell werden, das Haupt- und Werkrealschüler aus Schopfheim um ihren Lehrer Werner Störk liebevoll entworfen und gebaut haben. Das Modell kommt neben ein Foto der Eppinger Linien im Wald, von denen noch immer Reste zu sehen sind.

Über 1000 Einzelteile haben die Jugendlichen in Szene gesetzt, um jene Situation bei Eppingen genau zu rekonstruieren, wie sie sich im 17. Jahrhundert darstellte. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden ließ eine Verteidigungslinie gegen die französischen Raubzüge im Pfälzischen Erbfolgekrieg errichten. Das Modell erzählt Geschichten vom Leben an den Linien: Arbeiter schanzen, Soldaten gehen in Position, arme Frauen mit ihren Kindern fliehen, ihr Hab und Gut tragen sie auf dem Kopf oder haben es in einen Sack und über die Schulter geworfen. Im Barock entstanden nicht nur pompöse Schlösser. Kriege schufen "ausgeblutete Landschaften", erzählt der Museumsleiter.

Realschul-Simulation

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Betrachtet einen Schanzkorb: Museumsleiter Peter Riek.

Auch eine Arbeit von Jugendlichen der Eppinger Selma-Rosenfeld-Realschule ist integriert, wirbt Peter Riek. An einem Bildschirm können Besucher sich eine Simulation des Walls anschauen, die die Jugendlichen programmiert haben. Außerdem sind historische Karten des Landesarchivs zu betrachten. Funde stellt Riek aus: Lanzenspitzen, Hufeisen oder Münzen werden zu sehen sein. Das Geld stammt aus ganz Europa. Für Peter Riek ein Indiz dafür, dass eine Söldnerarmee aufmarschierte.

Kommunen vom Odenwald bis zum Schwarzwald entdecken derzeit die Eppinger Linien wieder. Zeit also, dass sich auch der Namensgeber neu präsentiert. Die Chancen stehen offenbar gut, dass das Thema auf gute Resonanz stößt und Besucher in die Stadt bringt. Peter Riek blickt dafür nach Schopfheim, wo ein Tourismusstrom zu einer nachgebauten Sechseckschanze eingesetzt habe. Riek hofft, dass vielleicht auch der Wanderweg bis nach Maulbronn aufgewertet wird und nicht mehr nur die Wall-Reste zu sehen sind. Eine Idee: Man könnte Modelle von Personen schaffen und so die Kämpfe nachstellen.

Museum als Erlebnis

Geschichte wird greifbar: Das wird in der Fachwerkstadt nicht erst mit der neuen Schau über den Verteidigungswall Eppinger Linien ermöglicht. Positive Erfahrungen mit Mitmachausstellungen hat die Alte Universität bereits gemacht. 7800 Besucher zählte Eppingens Museumsleiter Peter Riek zuletzt bei der Räuber-Ausstellung. Vor allem Schulklassen erfuhren, wie Ganoven einst lebten. Ähnlich viele Zuschauer kamen zur Ausstellung „Stadt im Mittelalter“.

Feature zur Ausstellung

Vor der offiziellen Eröffnung hat stimme.de mit Peter Riek die Ausstellung besucht. Ein Feature dazu ist nachzuhören im Internet. Die Neueröffnung der ständigen Sammlung findet am Internationalen Museumstag statt: Sonntag, 16. Mai, ab 11.15 Uhr. Neben OB Klaus Holaschke und Riek spricht Werner Störk, der mit seinen Schülern das Modell gebaut hat.