Ein Talent und seine Folgen

Bad Rappenau - Von der rumänischen Mutter die Klassik, vom tschechischen Vater den Jazz: Dan Popek hat Musik im Blut. Dazu kommt eine Spielfreude, von der viele Eltern träumen. Im Fall der Popeks ist der Traum wahr geworden.

Von Leonore Welzin

Bad Rappenau - Von der rumänischen Mutter die Klassik, vom tschechischen Vater den Jazz: Dan Popek hat Musik im Blut. Dazu kommt eine Spielfreude, von der viele Eltern träumen. Im Fall der Popeks ist der Traum wahr geworden.

Beim Konzert "Jazz, Boogie-Woogie and more" im Wasserschloss zeigt der 14-Jährige, der seit acht Jahren Klavier und seit vier Jahren Schlagzeug spielt, was im Idealfall bei musikalischer Früherziehung herauskommt. Gelegentlich unterstützt wird er vom Vater Martin.

Dan Popek scheint ins Piano vernarrt: Während der linke Fuß den Takt klopft und mit Schuhgröße 44 einen Slap-Effekt wie beim Kontrabass erzeugt, kribbeln, krabbeln und wuseln die Finger über die Tasten. Der Rumpf neigt sich, bis die Nase fast auf die Tasten stößt − beim Lied eines Eskimos, der vermeintlichen Kälte wegen mit Fäusten ausgeführt, ist der letzte Pling tatsächlich ein Nasenstieber.

Über den Rand Doch beim heißen Boogie-Woogie wandert die rechte Hand ausgelassen über den Rand des Flügels, die linke hält tapfer das Thema, plötzlich heben beide Hände ab, spielen in der Luft weiter, um nach kurzer akustischer Pause wieder herunterzufallen und zu jazzen was die Tasten hergeben.

Mit offenen Augen und Ohren läuft Dan Popek durch die Welt. Den kindlichen Anarchismus, der vom jungen Mozart kolportiert wird, übersetzt er in Swing und Blues, Jazz und Boogie, seine Leidenschaft. Vorbilder sind neben Oscar Peterson Albert Ammons, Meade "Lux" Lewis und Pete Johnson, Pioniere des Genres, die einst beim Konzert in der Carnegie-Hall den "Boogie-Woogie Stomp" hinlegten.

Die Kraft der drei Giganten im Nacken lässt er"s fetzen Aber er kann auch anders. Kostprobe gefällig? Einfach Bachs "C-Moll Präludium" aus dem Arm geschüttelt.

Papa im Schatten Eine Folge des kometenhaften Aufstiegs: Papa Popek agiert nur mehr im Schatten des Sprösslings. "Um etwas Ruhe ins Publikum zu bringen, eine Meditation", kündigt er zaghaft an und setzt sich ans Klavier. Der "Bugatti Step" von Jaroslav Jezek − ebenso gekonnt wie ein bluesiger Austausch zwischen Vater und Sohn. Beifall im Stehen und sechs Zugaben.