Alternativ, unkommerziell, gelungen

Bad Rappenau - Leuchtend weiße Gestalten geistern durch den Neonwald. Vorbei an grün, pink und gelb leuchtenden Schnüren und Sternen. Menschen sitzen entspannt auf alten Sofas, auf Matratzen und Stuhlkissen, trinken Kaffee oder Tee, knutschen im Schlafsack, ziehen an der Wasserpfeife oder lauschen einer Lesung. Andere stehen im Zelt oder vor der Hauptbühne, genießen an zwei Tagen die 25 Bands, tanzen und feiern. Das Römersee-Open-Air steht für Party und Entspannung.

Von Melanie Kräuter

„Ich finde es schön, dass hier für alle etwas dabei ist.“

Laila Mansi, Berlin

Bad Rappenau - Leuchtend weiße Gestalten geistern durch den Neonwald. Vorbei an grün, pink und gelb leuchtenden Schnüren und Sternen. Menschen sitzen entspannt auf alten Sofas, auf Matratzen und Stuhlkissen, trinken Kaffee oder Tee, knutschen im Schlafsack, ziehen an der Wasserpfeife oder lauschen einer Lesung. Andere stehen im Zelt oder vor der Hauptbühne, genießen an zwei Tagen die 25 Bands, tanzen und feiern. Überall Menschen – vom Kind bis zum Rentner – sie trinken etwas, unterhalten sich, haben Spaß. Das Römersee-Open-Air steht für Party und Entspannung. Beides lässt sich hier wunderbar vereinbaren, das spürt man sofort.

Tobias Lill, 18, aus Sulzfeld findet es gut, dass „unkommerzielle Jugendkultur geboten wird“. „Ohne das Römersee-Open-Air ist das Jahr einfach nichts“, sagt Ulrike Lang, 24, aus Heilbronn. Sie kommt seit sie 16 oder 17 ist jedes Jahr nach Bad Rappenau. „Hier trifft sich alles im Kreis von Heilbronn.“ Doch auch Besucher aus Heidelberg, dem Schwarzwald oder Allgäu sind da.

Es regnet an beiden Tagen, der Boden ist matschig. Aber er kann Jason Saxton nichts anhaben. Mit blauem Schutzanzug und den Schuhen in Tüten ist der Nordheimer für fast alles gerüstet. „Ich werd’ nicht dreckig, und ich fall’ auf“, ist sein Ziel. „Ziemlich alternativ“ sei das Festival und sehr nett. Ein 62-jähriger Besucher und „alter Woodstockmensch“ weiß, wovon er spricht: „Der Geist von Woodstock steckt hier genauso drin“, sagt er. „Die Musik ist vielfältig, unkonventionell und qualitativ überraschend gut.“ Egal ob Reggae, Rock, Ska oder Metal – für jeden ist etwas dabei.

Gut organisiert

Dass das Römersee-Open-Air umsonst ist, genießen die Gäste. „Dafür, dass es ein kostenfreies kleines Festival ist, ist es sehr gut organisiert“, lobt Steffen Korn aus Eberbach bei Heidelberg die Macher. Laila Mansi aus Berlin: „Ich finde es schön, dass für alle etwas dabei ist. Es ist sehr familiär.“

Am Getränkestand ist vor lauter Menschen kaum ein Helfer zu sehen, sie sind im Dauerstress. Im Küchenzelt belegen Johannes Hofstetter und Schwester Lea-Dorothee Fladenbrote für die Grünkernburger. 400 Fladenbrote, 76 Kilo Steaks und 65 Kilo Würstchen, standen auf der Einkaufsliste. „Ich glaube, wir haben gut kalkuliert“, sagt der zweite Küchenchef. Die Arbeit ist gut aufgeteilt. Eltern von Vereinsmitgliedern stehen am Grill und verteilen Würstchen und Steaks an die hungrigen Festivalbesucher.

Die wohl bekannteste Band beim Festival ist Rainer von Vielen aus dem Allgäu. Neben Sänger Rainer von Vielen gehören seit 2004 Schlagzeuger Niko Lai, Bassist Dan Letard sowie Manager und Gitarrist Mitsch Oko zur Gruppe. Sie mussten nicht lange überredet werden, um am Römersee aufzutreten. „Die Veranstalter haben im Klub Kamikaze in Freiburg unsere Show gesehen und uns angesprochen“, erzählt Manager Mitsch Oko. „Unsere Lieblingsfestivals sind die, die von unten aufgezogen werden“, betont er. Rock am Ring sei zwar gut, aber sehr „kommerzig“. „Das Festival hier ist super gemütlich“, findet Sänger Rainer von Vielen. „Man merkt, wenn viele Leute an einem Strang ziehen.“

Zufrieden mit Verlauf

Dafür hat sich die stressige Arbeit im Vorfeld von Sebastian Frey, Vorsitzender des Römersee-Kulturvereins, seinen neun Mitorganisatoren und den Helfern gelohnt. Er ist „ziemlich zufrieden“ mit dem Verlauf. Genug Essen und genügend Getränke, friedliche Stimmung, zum Brunch am Samstag kamen genug Leute, ebenso fanden sich für die offene Bühne am Nachmittag einige Freiwillige. Die Polizei Heilbronn meldet ebenfalls keine Zwischenfälle. Und die vier Helfer des Deutschen Roten Kreuzes hatten eher mit Kleinigkeiten als mit Volltrunkenen zu tun.


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