Gänsehautmomente beim Blacksheep-Festival

Bad Rappenau  Am zweiten Abend werden 2500 Festival-Fans von sechs Bands aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz musikalisch verwöhnt. Das Blacksheep-Finale beginnt heute um 15 Uhr - es gibt noch wenige Restkarten.

Von Andreas Sommer und Michaela Adick

 

 

Beim nicht ganz ausverkauften zweiten Tag des Bonfelder  Blacksheep-Festivals gaben am Freitagabend sechs Bands aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz den Ton an. Missklänge gab es keine, und auch der Regen zog diesmal haarscharf am Musikdorf vorbei.

Was sie singen scheint egal zu sein: alle tanzen

Gitze & Band bieten im Innenhof gut abgehangenen schwäbischen Rock´n´Roll  mit Songs von Wolle Kriwanek und Paul Vincent. Schon mit „Reggae i di uff“ hat der in Höpfigheim aufgewachsene Sänger mit der grauen Langhaarfrisur das Publikum auf seiner Seite und schiebt Lieder wie „Stroßaboh“, „U.F.O“ oder den „Badewannen-Blues“ nach, unterlegt von Erzählungen aus dem schwäbischen Alltag. Mit den Schwoißfuaß-Klassikern „Bin ich selbr Rastaman?“ und „Oinr isch emmer dr Arsch“ erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt.

Die selbsternannten Outlaws aus dem wilden Chiemgau, die sich Django 3000 nennen, stellen ihre Fans vor allerlei Rätsel: Über was singen die Jungs da nur? Egal: Vor der Kornspeicherbühne wird getanzt. Allein der Auftritt ihres Mannes an der E-Geige, Florian Starflinger, ist eine Show. Folkrock aus Europa: Eine knackige Nummer.   

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Noch mehr Geigen, dazu ein Cello und ein Didgeridoo: The Levellers, die ganz alten Heroen aus der englischen Folk-Punk-Bewegung der ausgehenden 80er Jahre, gehören schon zur Blacksheep-Familie. Entspannt geben sich einstigen Thatcher-Antagonisten. Beweisen? Müssen Sie sich nicht mehr. Sie spielen einfach. Der politische Subtext ist immer schön durchzuhören, aber nie dominant. Ein Gänsehautmoment: Wenn die Levellers in ihrem Unplugged-Konzert auf der Schlossparkbühne zu Ehren der jüngst verstorbenen Blacksheep-Mitbegründerin Heidi Koroknay die Ballade "One Way of Life" anstimmen.

Warum sich nicht entspannen, nach so viel Energie: Etwa mit einem Abstecher in den Innenhof, wo man auf ein Pärchen aus dem walisischen Cardiff trifft, das mit seinem glasklaren Harmoniegesang überzeugt. Paul Zervas und Kathryn Pepper, geschult an Joni Mitchell, singen von den kleinen Alltäglichkeiten des Lebens. Wie einst The Clash fragen auch sie, ob man bleiben soll, oder nicht. Die Musikwelt, sie ändert sich nie. Beruhigend.

Als Rausschmeißer gibt's ein akustisches "Smoke On The Water"

„Grüezi vielmal“: Einen Klasse-Auftritt zwischen Neo-Soul, Elektropop, Funk und Jazz legen die junge Schweizerin Stefanie Heinzmann und ihre tolle siebenköpfige Band samt satter Bläsergruppe auf der Kornspeicherbühne hin. Von der Castingshow-Gewinnerin bei Stefan Raab 2007  hat sich die aus dem Wallis stammende 29-jährige Brillen- und Tattoo-Trägerin zu einer ernsthaften Vokalartistin entwickelt. Ihre Stimme hat großes Potenzial und spielt in der Liga von Amy Winehouse oder Joss Stone mit. Sie genießt das Konzert sichtlich ebenso wie das tanzende, schwofende und jubelnde Publikum, das Stefanie Heinzmann „Meine Lieben“ nennt.  

Auch der zweite Schweizer Act, Gotthard, enttäuscht nicht. Monumental wie der Berg und das Tunnel die Besetzung: sieben Musiker und zwei Backgroundsängerinnen, die ihrem Unplugged-Album „Defrosted“ von 1997 nun eine Fortsetzung gönnen. Unplugged ist der mal melodiöse, mal rohe Hardrock der Mannen aus Lugano zwar nicht, aber mehrheitsfähig und attraktiv instrumentiert. „Heaven“ spielen die Schweizer als Hommage an ihren 2010 im US-Staat Nevada tödlich verunglückten Frontmann Steve Lee. Große Momente, dazwischen Songs mit Augenzwinkern und neuen Arrangements. Deep Purples akustisches „Smoke On The Water“ ist der Rausschmeißer um halb eins.

 

 

 


Der Festival-Samstag: Nur noch Restkarten sind für den Festivalsamstag verfügbar (Abendkasse) mit zehn Bands auf drei Bühnen ab 15 Uhr: Sean Koch (Südafrika),  Shorty (Bandcontest-Zweiter), Marc Broussard (USA), Keywest (Irland/Großbritannien), Brother Dege (USA) , Oysterband,  Passenger (beide Großbritannien), Mrs. Greenbird (Deutschland), Wishbone Ash (Großbritannien) und Mighty Oaks (international).

Weitere Infos unter www.blacksheep-kultur.de.