Ein radikaler Schnitt

Sinsheim  Aus Zombieslut wird Baleful Abyss: Die Sinsheimer Death Metal-Band ist mit neuem Namen und neuem Album am Start.

Von Alexander Rülke
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Ein radikaler Schnitt

Es ist schon ein kleines Risiko, das die Sinsheimer Band mit dieser Änderung eingeht. Schließlich war das Quartett bereits seit 2008 unter dem Namen Zombieslut aktiv, hat zwei Alben und eine EP herausgebracht und sich damit in der Szene etabliert. Trotzdem sei der radikale Schnitt nun unumgänglich gewesen, wie Frontmann Frank von Boldt im Gespräch betont. "Der alte Name, der mit einem ironischen Augenzwinkern zu verstehen war, passt einfach nicht mehr zu unserer Musik und unseren Lyrics." Standen früher nahezu ausschließlich spaßige Zombietexte im Mittelpunkt, so singt der 41-Jährige heute über ernste politische und sozialkritische Themen. Grenzenlose Gier, eingebildete Angst vor Überfremdung, Fehler der institutionellen Kirchen − "wir beziehen klar Stellung", sagt von Boldt. "Und wir behandeln Sachen, über die man gerne auch mal nachdenken darf."

Doch nicht nur die Texte folgen einer neuen Marschrichtung, auch die Musik hat sich verändert − ist düsterer, bedrohlicher, besser geworden. Nachzuhören auf dem Album "Death Propaganda", das am 26. Juli auf den Markt kommt − sozusagen das Debüt unter dem neuen Namen Baleful Abyss. Dann wird sich zeigen, wie viele Fans von früher man wird mitnehmen können. Und ob neue dazukommen, die um Zombieslut bislang einen Bogen gemacht haben.

Ein radikaler Schnitt

Sänger und Gitarrist Frank von Boldt.

Fotos: Martin Eberhard/C-Pictures

War Zombieslut seinerzeit aus einer spontanen Bierlaune heraus geboren, so haben sich die Musiker nun ausgiebig Gedanken gemacht − schließlich sollte der neue Name weder die Außenwirkung limitieren (wie das zuvor immer wieder mal der Fall war), noch in eine falsche Richtung deuten. Mit dem "Unheilvollen Abgrund" trifft man nun aber den Nagel auf den Kopf. "Das klingt schön fies", sagt Frank von Boldt lachend. In Kombination mit dem roten Band-Logo und einem echten Blickfang-CD-Cover ist ein stimmiges Gesamtpaket entstanden.

Dreckig, roh und druckvoll

Die elf Tracks der neuen Scheibe sind deutlich abwechslungsreicher und weniger stumpf als früher. Wer moderne, meist etwas steril klingende Hochglanz-Produktionen mag, ist hier trotzdem fehl am Platze − der im Underground verwurzelte, schwere, doomig-groovende Sound von Baleful Abyss richtet sich eher an Hörer, die Kapellen wie Disma, Teitanblood und Krypts schätzen. Aufgenommen wurden die Stücke im Proberaum der Combo sowie im Heimstudio von Gitarrist Joe Pröll. Für den akustischen Feinschliff hat dann Tim Eiermann (Ex-Liquido) in den Sinsheimer Audiodrive-Studios gesorgt. "Mit dem Ergebnis bin ich wirklich sehr zufrieden", sagt Frank von Boldt. "Die Songs klingen dreckig, roh und druckvoll, genau so, wie wir es haben wollten."

Wichtig: Gute Vertriebswege

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Drummer Hamdi Avci.

Erscheinen wird "Death Propaganda" beim in Nordheim-Nordhausen ansässigen Label Black Sunset/MDD. Warum dort? "Labelchef Markus Rösner ist seit Jahrzehnten mit viel Herzblut bei der Sache und kann uns als Band hervorragende Vertriebswege anbieten, die praktisch alles vom Tonträger-Verkauf bis zum Streaming abdecken", betont der studierte Betriebswirt von Boldt. "Außerdem ist die regionale Nähe sehr angenehm." Darüber hinaus sei es auch von Vorteil, wenn eine Plattenfirma die Promotion übernimmt.

Und wie schaut's mit Live-Auftritten aus, schließlich waren Zombieslut in der Vergangenheit vielerorts präsent − unter anderem im Heidelberger Schwimmbad-Club, dem 7er-Club Mannheim oder auf dem Rhein-Neckar-Metal-Festival. Frank von Boldt: "Wir sind bereits dabei, eine Release-Party zu organisieren. Und ansonsten warten wir ab, welche Bookings sich durch das neue Album ergeben."

Kontakt

info@balefulabyss.de,

balefulabyss.bandcamp.com

 

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