Taube, Turmfalke und Glockenspiel

Eppingen  Carillonkonzert mit Marcel Siebers in der katholischen Stadtkirche.

Von Leonore Welzin

Taube, Turmfalke und Glockenspiel

2. Carillonkonzert mit Marcel Siebers in der katholischen Stadtkirche Eppingen. Ein Blick in die Turmstube und auf das Stockenklavier.

Foto: Leonore Welzin

 

Im Tiefflug streift ein Turmfalke über die Köpfe der Besucher des Carillonkonzerts und macht sich mit seiner schellenden Rufreihe bemerkbar. Frech durchkreuzt sein lautes "Kikikikikiki" die Coda von Mozarts "Laudate Dominum", das aus den Turmluken der katholischen Stadtkirche Eppingen schallt. Nach der Renovierung erstrahlt die Westfront des Sandstein-Gemäuers im nachmittäglichen Sonnenlicht. Kleine Metallspieße erschweren den Tauben die Landung.

Flugratten oder Friedenssymbol? Die deutlich dezimierte Vogelschar muss den Luftraum über dem Kirchplatz nun mit vielen schönen Melodien und einem Turmfalkenpaar − im Schwäbischen auch Turmweih genannt − teilen.

Für den Soundtrack der ländlichen Idylle sorgt Marcel Siebers aus Cuijk. Der 58-ährige niederländische Multi-Instrumentalist (Carillon, Klavier, Orgel, Flöte), Arrangeur und Komponist leitet das Programm mit einer "Hommage" (1999) an einen Freund ein. Im Stück zeichnet er unterschiedliche Charakterzüge des jung Verstorbenen musikalisch nach.

Seine "Toccata in Schizophrenia Mode" (2011) kommentiert subtil den kulturpolitischen Aberwitz seines Heimatstädtchens, das 2007 ein Carillon anschafft, es zwei Jahre später aber wieder abschaffen will, um Kosten zu sparen. Ohne Erfolg, wie das harmonische Ende der mit Chromatik durchwirkten Komposition vermittelt.

Zeitloser Blues Arrangements von Haydns "Benedictus" und dem "Konzert für Cembalo" erfreuen die rund 200 Fans ebenso wie zwei Mal Mozart. Der Frühvollendete erklingt nicht mit Vogelfänger-Arien, sondern mit dem "Laudate Dominum" und dem "Allegro" aus seiner "Klaviersonate KV 332". Auch bei zeitlosem Blues wie dem "Dead Man Blues" aus der Feder des Jazz-Musikers Jelly Roll Morton entstehen wunderschöne Aha-Erlebnisse.

Eine besondere Herausforderung ist Freddy Mercurys Hit, kongenial hat Siebers, der erstmals in Eppingen gastiert, die komplexe Symphonik der "Bohemian Rhapsody" auf 49 Glocken übertragen.

Eilig stürmen die Zuschauer den Turm, um das Instrument aus der Nähe zu betrachten. Großes Staunen über die Spieltechnik mit Fäusten, die einen so "lieblichen, heiter positiven Klang erzeugen", sagt Georg Pfauter. Fasziniert und eingenommen sei er davon, so der Ludwigsburger, der zuvor noch nie ein Carillon gehört hat und sich erinnert, dass seine Großmutter vor über 100 Jahren ihrer Heimatstadt Lößnitz (Erzgebirge) ein Carillon gestiftet hat. Höchste Zeit, da mal hinzufahren.

3. Carillonkonzert

Beim 3. Konzert des 21. Eppinger Carillonsommers am Sonntag, 25. August, um 17 Uhr spielt Coen Coseart (Belgien).