75-Jahre Jubiläum

Weinwanderung am Scheuerberg

Neckarsulm  Der XXL-Lesersommer der Heilbronner Stimme führte 19 Teilnehmende zur Weinwanderung am Scheuerberg. Weinerlebnisführerin Michaela Metzger erzählte Wissenswertes zum Kulturgut Wein und das Heilbronner Land.

Von Stefanie Pfäffle
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Weinerlebnisführerin Michaela Metzger (rechts) führt die Teilnehmer durch die Rebanlagen am Scheuerberg.

Foto: Stefanie Pfäffle

Mit einem Secco lässt sich eine Wanderung doch gut beginnen. Was Spritziges, was einem ein bisschen Beine macht. Und so stehen die 19 Teilnehmer der Weinwanderung im Rahmen des XXL-Lesersommers am Fuße des Neckarsulmer Scheuerbergs und genießen erst einmal, während ihnen Weinerlebnisführerin Michaela Metzger ein bisschen was von ihrem Werdegang als Tochter von Nebenerwerbswengertern über das Amt der württembergischen Weinprinzessin bis eben zu den Weinwanderungen erzählt.

Für die Wengerter war es ein schwieriges Jahr

Ab geht's auf den Scheuerberg, steiler Anstieg zu Beginn. 110 Hektar Rebfläche verteilen sich auf dem 306 Meter hohen Berg. "Die Hauptaufgabe ist derzeit die Laubarbeit in der Traubenzone", erläutert Metzger, während ihr Mann Marc die witzige Piaggio Ape, das Weinglück-Mobil der beiden, zum nächsten Treffpunkt steuert.

Früher habe man die Blätter hängen lassen, um die Beeren zu schützen, sich das Freischneiden dann aber von den Südtirolern abgeschaut. "Das steigert das Mostgewicht und damit die Qualität." Es war ein schwieriges Jahr - viel Regen, Hagel, Sonne auf den Regen, was Mehltau fördert, Frühjahrsfröste, es war alles dabei. "Aber die Kellermeister werden schon was Gutes draus machen", ist Metzger überzeugt. Sie wisse allerdings von der Genossenschaftskellerei Heilbronn, dass wegen mangelnder Qualität wohl nicht alle Erzeuger voll abliefern werden dürfen. "Was passiert mit den restlichen Trauben?" will eine Dame wissen. "Die bleiben hängen bis zum Rebschnitt später." Die Truppe hechelt weiter bei strahlendem Sonnenschein. Manche nehmen ein paar Kostproben von den Stöcken. Nächster Halt bei einem riesigen Stein, auf dem der Neckarsulmer August Herold, der Züchter der Sorte Regent, mit einer Bronzeplatte geehrt wird. "Eine weiße Rebsorte aus Riesling und Trollinger", erklärt Metzger. Noch zu Lebzeiten wurde eine andere Schöpfung, die Herold-Rebe, nach ihm benannt, allerdings wird die kaum noch angebaut.

Lesehelfer zu finden, wird immer schwieriger

Metzger macht sich stark für das Kulturgut Wein, aber auch dafür, es an die modernen Bedürfnisse anpassen zu müssen. "Ich hab ewig schon Wengerter angeschwätzt, warum sie keine Schorle in der Flasche anbieten, bis dann mal der erste anfing", erinnert sich die zweifache Mutter. Modern sind auch die Vollernter, denn auch wenn Handlese Tradition habe, sei es immer schwerer, Lesehelfer zu finden. "Ich war am Anfang auch dagegen, aber eigentlich ist es eine coole Maschine."

Am höchsten Punkt der Tour angekommen, wartet Marc Metzger mit Sprudel für den ersten Durst und einer Weißwein Cuvée auf die Teilnehmenden. Die Cuvée aus Riesling, Rivaner und Muskatteller kommt an, ebenso der Rosé aus derselben Edition, die später zur Grillwurst gereicht wird, die sich alle redlich verdient haben.


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