75-Jahre Jubiläum

Von der Reportage zum Werbespot: Das Portfolio von Stimme TV ist breit gefächert

Videoproduktion  Stimme TV wurde 2007 kurz vor dem Kiesewetter-Mord gegründet. Heute ist das Videoteam bei der Heilbronner Stimme wichtiger journalistischer Bestandteil der Berichterstattung, es produziert aber auch für externe Firmen.

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Manuel Maier war bereits 2007 einer von drei Mitarbeitern im Testprojekt Stimme TV. Foto: Matthias Bitsch

Als am 25. April 2007 die Polizistin Michèle Kiesewetter auf der Theresienweise ermordet und ihr Kollege schwer verletzt wird, steckt Stimme TV noch ganz am Anfang - und ist auf einmal so gefragt wie nie. "Wir waren das erste Kamerateam vor Ort, es wurde ein Phantom in Heilbronn gesucht. Der Polizeipräsident war völlig aufgelöst, die Allee bestand aus einer einzigen Autokolonne, dazu Polizisten mit Maschinengewehren und über der Stadt kreisende Hubschrauber - bis heute vergesse ich diese Ereignisse nicht", sagt Manuel Maier fast 14 Jahre später.

"Bis morgens um vier Uhr saßen wir im Büro - mit Pizza und Augenringen", erzählt er. Die Atmosphäre von damals mit Pressekonferenzen, Interviews und Vor-Ort-Berichten ließ sich nur in Bewegtbild festhalten, ist der Leiter der Videoproduktion überzeugt.

2007 war Maier einer von drei Mitarbeitern im Testprojekt Stimme TV. In seinem Studium der Medienwirtschaft hatte er sich mit dem Geschäftsmodell Web-TV beschäftigt. Das sollte er für die Stimme jetzt nutzbar machen. Zwei Jahre waren für das Projekt vorerst eingeplant.

Das erste Video auf der Internetseite sollte eines von den Heilbronner Falken sein, das Team um Maier experimentierte aber auf vielen Gebieten: Koch- und Autosendungen, Studio-Interviews und Umfragen gehörten genauso zum Programm wie auch Reportagen und tägliche Nachrichten, die von Redakteuren verlesen wurden. "Die Herausforderung lag darin, die Redakteure mit einzubeziehen, es sollte aber auch nicht abschreckend wirken. Damals war die Redaktion noch nicht so video-affin wie heute und die Technik komplizierter", sagt Maier.

Am Anfang wurde noch mit Kassette und ISDN gearbeitet

Letzteres war ein Grund für die langen Arbeitszeiten, denn allein das Erstellen eines Videos konnte wegen der langsamen Rechner fünf Stunden dauern, das Hochladen über ISDN-Leitung weitere drei. Der Aufwand war enorm, erst über die Jahre wurden die Datenmengen kleiner, während sich aber gleichzeitig die Qualität erhöhte. "In der Anfangszeit haben wir noch analog mit Mini DV-Kassetten gearbeitet", erinnert sich der 40-Jährige. Heute sind Produktionszeiten von wenigen Minuten möglich oder der Videoschnitt auf dem Smartphone.

Von der Reportage zum Werbespot: Das Portfolio von Stimme TV ist breit gefächert

Egal ob Produktfilm oder Achterbahn-Interview: Stimme TV um Matthias Bitsch (an der Kamera), Marcel Remmele und Manuel Maier halten es fest. Foto Andreas Veigel

Nicht nur technisch hat sich viel getan. Stimme TV hat sich auch konzeptionell über die Jahre verändert. Aus dem Testprojekt wurde eine eigene Abteilung, die nicht nur redaktionelle Inhalte - wie die Serie 360 Grad - aufgreift, sondern auch für Firmen und Gemeinden produziert. "Das Agenturgeschäft ist natürlich streng von der redaktionellen Arbeit getrennt", sagt Maier. Gerade in Corona-Zeiten fragen Firmen Stimme TV für Info-, Werbe- und Imagefilme an.

Sie werden als "content", sprich Inhalt, in den sozialen Medien oder auf Webauftritten gebraucht. Dabei ist Maier und seinem Team die Konzeption sehr wichtig: "Die Technik wird immer einfacher, aber am Anfang sollte man gedanklich den Inhalt entwickeln: Was soll mit welcher Botschaft gezeigt werden." Auch wenn Stimme TV mittlerweile am meisten Aufträge von externen Kunden bekommt, ist es auch weiterhin wichtiger journalistischer Bestandteil in der Berichterstattung der Heilbronner Stimme.


Kraft

Christoph Kraft

Volontär

Christoph Kraft arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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