75-Jahre Jubiläum

Perlendes, Bitzelndes und Samtiges im Glas beim XXL-Lesersommer in den Fleiner Weinbergen

Flein  Der Abendspaziergang mit den Weinerlebnisführerinnen Anke Schäffer und Elisabeth Schukraft in Flein bescherte den elf Teilnehmeren viele Informationen und Unterhaltung. Schokolade mundet zum Rotwein.

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Dietmar Hobinka hat den Saft einer Traube auf das Prisma getröpfelt. Jetzt schaut Weinerlebnisführerin Anke Schäffer in das "Fernglas" des Wengerters, den Refraktometer, um den Zuckergehalt abzulesen.

Fotos: Mario Berger

Rundum verwöhnt wurden die elf Teilnehmer des XXL-Lesersommers in den Fleiner Weinbergen. Anke Schäffer und Elisabeth Schukraft ließen die acht Frauen und drei Männer nicht nur edle Tropfen kosten, sondern reichten dazu Gaumenkitzler aus der eigenen Küche. Die Weinerlebnisführerinnen garnierten unterwegs an mehreren Stationen den zweistündigen unterhaltsamen Spaziergang unter dem Motto "Trauben, Most und Oechsle" mit ihrem fundierten Wissen über Anbau und Produktion. Die herrliche Abendsonne, die die Landschaft mehr und mehr in sanftes Licht tauchte, das einen Flair von Toskana oder Provence vermittelte, steigerte den Genussfaktor zusätzlich.

Olivenbrot zum erfrischenden Sekt

Vor Bubecks Festscheune knallten die Korken. Ein 2019er Riesling-Sekt, extra dry, vom Kirchenweinberg prickelte erfrischend in den Kehlen. Elisabeth Schukraft reichte selbstgebackenes Olivenbrot. "Das passt sehr gut zum Sekt", meinte die Donnbronnerin. "Was macht man aus weißen Trauben, was aus roten?" Das Wissen der Teilnehmer war gefragt. Doris Schork ordnete Magnetpins Schillerwein, Badisch Rotgold, Roséwein, Rotling und Blanc de Noir zu. "Das ist bestimmt die Falle", war nicht nur die Fleinerin etwas ratlos beim Rotling: Rot oder Weiß? Beides. Was ist überhaupt ein Rotling? Schäffer klärte auf. In Württemberg heiße der Rotling auch Schillerwein. Das war der Gruppe natürlich ein Begriff.

 

Wunderbares Panorama auf die Weinlagen

Perlendes, Bitzelndes und Samtiges im Glas beim XXL-Lesersommer in den Fleiner Weinbergen.

In sanftes Abendlicht getaucht, bot sich der Gruppe mit Anke Schäffer und Elisabeth Schukraft (v.l.) ein herrliches Panorama auf die Weinlandschaft.

Das Glas in den Beutel um den Hals gehängt, marschierten die Teilnehmer den Ochsenweg hinauf, die alte Verbindungsstraße nach Ilsfeld, vermittelte Schäffer auch Heimatkundliches. Beim Halt auf einem kleinen Plateau allseitiges Schwärmen. Welch tolle Aussicht auf die Weinlagen des Altenbergs im Vordergrund, dahinter Grafenberg, Staufenberg und Sonnenberg.

Syrah Rosé hört sich sehr elegant an. Aber Doris Schork vermisste ein bisschen den Traubengeschmack bei diesem trocken ausgebauten Weißherbst - einem sortenreinen Produkt, für das ein paar Stunden Maischegärung ausreichen. Den anderen mundete dieser Tropfen. "Ein Rosé passt zu vielen Speisen", meint Jutta Spegg aus Heilbronn.

Spindelwaage und Refraktometer bestimmen Oechslegrade

Veit im Häfele auf dem Sandstein eingemeißelt, weist den weiteren Weg. Vor Bambelbank und "Naturkino" ließen die Weinerlebnisführerinnen Cabernet-Cubin-Trauben probieren. Eine kräftige, knackige Schale, stellte Petra Dollner fest. Schäffer packte die Spindelwaage ihres Großvaters aus. Per Verdrängungsmechanismus misst diese die Oechslegrade des Federweißen, der kalt und bei Zimmertemperatur "serviert" wird: 68 Grad sind es. Das moderne Gerät, das Refraktometer, ist genauer. Es bestimmte einen Zuckergehalt von 65 Grad Oechsle.

Wie funktioniert ein Vollernter?

Zwischen Rebzeilen holte Schukraft ein Spielzeug ihres Sohnes aus Kindertagen heraus, um die Funktionsweise des Vollernters zu erklären. Eine besondere Verkostung versprach Kollegin Schäffer auf der Vinothek-Terrasse des Weinguts Martin Albrecht. Aus dessen Kellerei stammte der Petit Rouge, Jahrgang 2017, eine Cuvée aus Lemberger und Syrah. Sie entwickelte genauso einen Schmelz wie die dunkle Mandel-Orangen-Schokolade, die sich die Teilnehmer mit einem Schluck Wein auf der Zunge zergehen ließen. "1000 Aromen", sagte Schäffer. Das ist ganz der Geschmack von Thomas Maillet aus Künzelsau, der die Weinwanderung als sehr informativ bezeichnete. "Man lernt immer was dazu", sagte auch Petra Dollner.

 

Kleine Begriffskunde

Warum heißt der neue Wein auch Federweißer? Diese Frage einer Teilnehmerin konnte Weinerlebnisführerin Anke Schäffer natürlich beantworten. Durch die Kohlensäure schweben oder tänzeln die kleinen Hefeteilchen wie Federn in dem noch nicht fertigen Weißwein.

Schäffer ihrerseits hatte eine Frage aus der Quizsendung "Wer wird Millionär" parat: Wie nennt man das Drahtkörbchen auf dem Sektkorken. Ratlosigkeit in der Gruppe. Agraffe ist die Lösung.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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