75-Jahre Jubiläum

Geführte Kanutour auf dem Neckar bringt Stimme-Lesern neue Einblicke.

Heilbronn  Stimme-Leser entdecken bei einer Kanutour zahlreiche historische Orte der Stadt aus einem anderen Blickwinkel.

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"Das war eine Super-Gruppe", sagt Stadtführer Ulrich Sauter (links), nachdem alle wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Das war nicht nur eine sehr gelungene Veranstaltung, ich habe auch sehr viel über Heilbronn erfahren", sagt Manuela Greiner aus Leingarten. Gut eineinhalb Stunden hat sie mit elf weiteren Stimme-Lesern die Stadt zuvor aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt: vom Neckar aus.

Vom Heilbronner Götzenturm aus startet die geführte Kanu-Stadtrundfahrt im Rahmen des XXL-Lesersommers der Heilbronner Stimme zunächst neckaraufwärts bis zur Neckarhalde. Dabei kommt es beim Paddeln nicht auf das Tempo an, ganz im Gegenteil: Entschleunigen ist angesagt. Und die Vermittlung von Heilbronner Geschichten, die heute nur noch gut informierten Historikern bekannt sind.

So erfahren die Paddler quasi im Vorbeifahren von Tour- und Stadtführer Ulrich Sauter, dass der Vorschlag, die Rosenbergbrücke als Ergänzung zur heutigen Friedrich-Ebert-Brücke zu bauen, 1897 von keinem geringeren als Louis Heuss stammte.

Im Päckchen flussabwärts

Der Vater des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, leitete damals das Tiefbauamt in Heilbronn. Dann gibt Ulrich Sauter das Kommando aus: "Wir machen jetzt ein Päckchen."

In der Praxis heißt das, die sieben Boote bilden einen Pulk und lassen sich einfach vom Neckarwasser stromabwärts treiben. "Das war Sommer-Sonne-Natur, einfach richtig gut", kommentiert Andrea Prell aus Öhringen-Cappel die Aktion. Weiter gehts - wieder mit Muskelkraft - in Richtung Wilhelmskanal.

"Der wurde vor genau 200 Jahren, am 17. Juli 1821, von König Wilhelm I. von Württemberg eingeweiht", erzählt Ulrich Sauter. Eine Fahrt durch die historische Handschleuse am Kanal, die zum ehemaligen Gartenschaugelände führt, ist auch heute noch ein ganz besonderes Erlebnis.

Auf den Spuren von Mark Twain

Geführte Kanutour auf dem Neckar bringt Stimme-Lesern neue Einblicke.

Schließlich erfahren die Leser, dass auch der amerikanische Schriftsteller Mark Twain diesen Weg auf einem Floß gewählt hat, das ihn im Jahr 1878 von Heilbronn nach Heidelberg brachte. "Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber niemand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrgenommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinabgefahren ist", beschreibt Mark Twain die Eindrücke seiner Reise. Und weiter: "Das Leben wird zum Traum. Ein Zauber, eine tiefe und stille Verzückung." Von den Kanutour-Teilnehmern wollte dieser Einschätzung des großen Schriftstellers niemand wiedersprechen.

Und noch ein Datum hat sich allen Lesern ganz fest ins Gedächtnis gebrannt: der 27. August 1333. "Das Datum ist entscheidend für den späteren Reichtum der Stadt Heilbronn", berichtet Kanu-Führer Ulrich Sauter.

Grundlage für den Reichtum der Stadt

Tatsächlich verlieh Kaiser Ludwig aus Bayern in einer an diesem Tag erlassenenen Urkunde der Stadt das Recht, den Neckar nach Belieben "wenden und keren" zu dürfen. Die cleveren Heilbronner führten den Fluss daraufhin direkt an der Westseite der Stadtmauer entlang und machten ihn durch zahlreiche Stauwehre unpassierbar. Damit war Heilbronn Endpunkt der Neckarschifffahrt, die Kaufleute erhielten das wertvolle Stapel- und Vorkaufsrecht für alle Transitwaren. Die erbauten Stauwehre schufen gleichzeitig die Grundlage für die städtische Mühlenindustrie.

Am Ende der Tour ist die Zeit wie im Flug vergangen. "Sorry, dass ich etwas überzogen habe", entschuldigt sich Ulrich Sauter noch bei den Teilnehmern. Übel nimmt ihm das aber keiner. "Das war super, richtig schön, echt toll", schallt es dem 64-Jährigen von den Stimme-Lesern entgegen. Und Birgit Irion bringt den Abend auf dem Neckar auf einen knappen aber treffenden Nenner: "Schee war's"!

 

Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.

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