75-Jahre Jubiläum

Führung durch die Beuys-Ausstellung in der Kunsthalle Vogelmann

Heilbronn  Die zehn Gewinner des XXL-Lesersommers erfuhren bei einer exklusiven Führung viel über das umfangreiche Werk des Multikünstlers. Kuratorin Barbara Martin gab auch Einblicke in Joseph Beuys' enge Beziehungen zu Baden-Württemberg.

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Joseph Beuys" Leben umranken Legenden, seine Werke gelten bis heute als bedeutungsschwer und rätselhaft zugleich. 2021 wäre der Aktionskünstler, Bildhauer, Medailleur, Zeichner und Kunsttheoretiker 100 Jahre alt geworden. Passend zu diesem Anlass läuft derzeit in der Kunsthalle Vogelmann eine Ausstellung unter dem Titel "Ein Woodstock der Ideen - Joseph Beuys, Achberg und der deutsche Süden".

Am Donnerstagnachmittag bekamen zehn Gewinner des XXL-Lesersommers der Heilbronner Stimme bei einer Führung Einblicke in das Schaffen des bekannten Künstlers. Durch Kuratorin Barbara Martin erfuhren die Leser aber auch mehr zu Beuys" Bezügen zum Süden der Republik und die engen Kontakte nach Baden-Württemberg. Der berühmte Filz-Anzug des Künstlers wurde in Giengen an der Brenz gefertigt, die Honigpumpe, eine Installation, die er im Jahr 1977 auf der Documenta 6 in Kassel zeigte, in Wangen im Allgäu. Und nach Achberg im Allgäu kam Beuys selbst viele Jahre lang jeden Sommer persönlich.

Noch nie gezeigte Dokumente und kuriose Ausstellungsstücke

Führung durch die Beuys-Ausstellung in der Kunsthalle Vogelmann

Barbara Martin zeigte den Lesern über drei Etagen eine Fülle von dokumentarischen Fotos, Multiples, Archivmaterial, Originale, Briefwechsel, teils noch nie gezeigte Dokumente und auch kuriose Ausstellungsstücke, wie eine Schallplatte mit dem Protestsong "Sonne statt Reagan", den Joseph Beuys Anfang der 80er gemeinsam mit drei Mitgliedern der Kölner Band BAP aufgenommen hat. "Beuys war ein wunderbarer Künstler. Aber Musik war nicht seine Stärke", so die Kuratorin mit einem Schmunzeln.

Doch der gebürtige Krefelder war mehr als bloß Künstler. Intensiv beschäftigte er sich mit Humanismus, Sozialphilosophie, gesellschaftlichen Fragen wie dem Grundeinkommen und Volksabstimmungen, forderte zum Diskus auf mit Fragen wie: Was ist Demokratie? Ist der Kapitalismus am Ende? Was leistet Kunst für die Gesellschaft? Mit seinem wohl berühmtesten Satz "Jeder Mensch ist ein Künstler" ging es dem Rheinländer um die schöpferische Kraft, sich selbst und die Welt zu verändern.

Führung durch die Beuys-Ausstellung in der Kunsthalle Vogelmann

Barbara Martin, Kuratorin der Ausstellung, erklärte Hintergründe zu den Werken und Beuys" Bezug zu Baden-Württemberg.

Fotos: Veigel

Dass Beuys auch andere Künstler inspiriert, zeigte sich gegen Ende der Führung. Die Aktion "Coyote, I like America and America likes me", bei der sich Beuys für die Dauer von drei Tagen und drei Nächten mit einem Kojoten in einer Galerie in New York einschließen ließ, übernahm der Mexikaner Yoshua Okón in einer Installation. Er interpretierte Beuys neu, setzte sich mit Themen wie Grenzkonflikten, illegale Einwanderung und der Kolonialisierung Amerikas auseinander.

Den Teilnehmern hat's gefallen

Auch die Leser zeigten sich anschließend beeindruckt. "Ich bin überrascht. Ich habe viel über den Menschen hinter der Kunst und seine Absichten erfahren", freute sich Annemarie Gebhardt. "Mir hat es sehr gut gefallen", sagte auch Paul Deister aus Brackenheim, der sich als Kunstsammler bezeichnet. "Ich habe Joseph Beuys schon einmal 1986 auf der Documenta gesehen. Ich finde ihn wichtig, seinen Kunstbegriff, das, was er für die Entwicklung in der Kunst getan hat. Ich gehe aber nicht mit all seinen Ideen konform", so der 63-Jährige.

 

Info

Ein Woodstock der Ideen - Joseph Beuys, Achberg und der deutsche Süden" in der Kunsthalle Vogelmann läuft noch bis zum 28. November 2021.

 

Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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