75-Jahre Jubiläum

Lesersommer-Radtour durch bewegte Hohenloher Zeiten

Hohenlohe  Schrauben und Sophie Scholl, Limes und Wein: Bei der Lesersommer-Radtour erlebten die Teilnehmer spannende Etappen voller Geschichte und Genuss.

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20 Leserinnen und Leser aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Stimme radelten am Samstag frohgemut durch die schöne Hohenloher Landschaft.

Fotos: Ralf Reichert

Es ist eine Zeitreise durch die bewegte Hohenloher Historie. Und eine Genießertour durch die blühende Hohenloher Landschaft. Schraubenmuseum in Ernsbach und Sophie Scholls Erbe in Forchtenberg, Limes-Reste bei Zweiflingen und Laga-Gelände in Öhringen: Der Bogen ist weit gespannt. Tiefe Täler und weite Höhen, ein ständiges Auf und Ab, Sonne und Wolken, Licht und Schatten - und ein Regenguss, der sich gewaschen hat. Inmitten einer Weinprobe, die im wahrsten Sinne des Wortes feucht-fröhlich wird.

Hohenloher Facetten im Schnelldurchgang

Die Lesersommer-Radtour am letzten Feriensamstag zeigt die vielen Facetten Hohenlohes im Schnelldurchgang. Und doch hat keiner das Gefühl, gehetzt zu sein. Die Strecke ist mit 50 Kilometern nicht zu kurz und nicht zu lang. Die Zeit vergeht wie im Flug, die E-Bikes sind geladen und verrichten verlässlich ihren Dienst, die Erlebnisse sind intensiv und werden noch lange nachwirken.

"Kocherwerk: supertoll, Limes-Erklärungen: super verständlich, Weinprobe: fünf Sterne", schwärmt Felix Brehm aus Schwaigern am Abend, einer der 20 Teilnehmer. "Toll gemacht, echt schön", sagt Rainer Konrad beim Gang durch die Geschichte der Hohenloher Befestigungstechnik. "Wunderbar", ergänzt Susanne Schneider-Weigl aus Pfedelbach.

Das neue Kocherwerk in Ernsbach: ein Unikat

Eine Reise durch bewegte Hohenloher Zeiten

Anschauen, Anfassen, Ausprobieren: Im Kocherwerk, dem neuen Schraubenmuseum in Ernsbach, staunen Achim und Anita Jillig aus Massenbachhausen.

Ute Schuster führt profund und anekdotenreich durchs neue Kocherwerk in Ernsbach - dem hergerichteten Urgrund des vielgliedrigen Hohenloher Schrauben-Imperiums. 19 Unternehmen machen hier gemeinsame Sache und zeigen, wo sie herkommen. Ausgehend von der Firma Arnold, die in der alten Mühlen ab 1898 die ersten industriell gefertigten Schrauben produzierte. Die verbinden seit jeher "Menschen und Materialien", dafür stehe dieser besondere Ort, sagt Schuster. Und für den fairen Konkurrenzkampf jener Firmen, die aus dieser Keimzelle in den vergangenen 123 Jahren erwachsen sind.

Sophie Scholl und Forchtenberg: Renate S. Deck weiß Bescheid

Ein paar Kilometer weiter wartet Renate S. Deck am Kocherufer in Forchtenberg. Dort, wo Sophie Scholl schwimmen lernte und sich in der Natur vergnügte. Von dort aus geht es über den Gedächtnispfad ins Rathaus, wo sie ihre Ausstellung zum 100. Geburtstag Scholls präsentiert. "Vor 30 Jahren habe ich meine Spurensuche begonnen", sagt sie. Keiner in Hohenloher weiß mehr über das Leben der Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl, die von 1920 bis 1930 in Forchtenberg aufwuchsen und am 22. Februar 1942 von den Nazis hingerichtet wurden. Renate S. Deck könnte stundenlang erzählen, und man könnte ihr tagelang zuhören. "Diese Frau ist ein Phänomen", sagt Karlheinz Schwarz aus Eppingen. "Wir sind den Pfad schon allein gelaufen, aber mit ihrem gesprochenen Wort wirkt das noch einmal ganz anders und geht ganz tief rein."

Limes-Experte Gerhard Krautter informiert am Pfahldöbel

Eine Reise durch bewegte Hohenloher Zeiten

Am Pfahldöbel bei Zweiflingen informiert Gerhard Krautter über die Geschichte des Limes. Der Grenzwall ist hier wie kaum woanders im Originalzustand erhalten.

Noch viel weiter zurück, zu den Zeiten der Römer, führt der Vortrag von Gerhard Krautter am Pfahldöbel bei Zweiflingen. Der Limes und Hohenlohe: Das ist eine ganz eigene Geschichte. "Bolzengerade" führt der Grenzwall durch dieses Gebiet. "Es ist unvorstellbar, wie sie das gemacht haben", sagt Krautter. "Wir sind an einem Abschnitt des Limes, der am besten im Originalzustand erhalten ist." Alle 400 bis 600 Meter stand ein Wachturm. Heute erinnert daran die moderne Limes-Plattform.

Zurück in die Gegenwart. Und in die Hohenloher Scheune auf dem Öhringer Laga-Gelände, wo der Limes aufblüht. Seit 2002 macht Markus Busch in Dimbach Wein: eigenwillig, mutig, ambitioniert. Er ist einer der besten seiner Zunft, 2016 und 2017 wurde er bei der Bundesweinprämierung zum Winzer des Jahres gekürt. Cabernet Blanc und Sauvignon Blanc, Saint Laurent und Cabernet Dorsa: Busch tischt seine Highlights auf. Dazu gibt es Flammkuchen und Vesper. Erst scheint die Sonne, dann gießt es in Strömen. Diese Probe hat es wahrlich in sich.

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen.

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