75-Jahre Jubiläum

Das Gedächtnis der Heilbronner Stimme

Heilbronn  Mehr als nur Recherche: Die Aufgaben des Ressorts Archiv und Dokumentation sind vielfältig. Digitales und analoges Arbeiten gehen dabei Hand in Hand.

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Ältere Ausgaben der Heilbronner Stimme liegen in Mikroform vor, wie Ressortleiterin Dagmar Weigel demonstriert.

Fotos: Mario Berger

Überraschende Funde sind für die drei Mitarbeiterinnen des Ressorts Archiv und Dokumentation keine Seltenheit. Am 21. Februar 1976 zum Beispiel war Günter Grass zu Gast im Kernerhaus in Weinsberg. Ein Foto dieses Besuchs hielt Leiterin Dagmar Weigel unlängst in den Händen. Es zeigt den Schriftsteller und späteren Literatur-Nobelpreis-Träger im munteren Gespräch mit Kurt Seeber, dem damaligen Ersten Vorsitzenden des Justinus-Kerner-Vereins. "Günter Grass war öfter hier in der Region. Dass der Autor dabei auch solch ein Kleinod wie die Weinsberger Gedenkstätte gewürdigt hat, finde ich sehr interessant", sagt Dagmar Weigel.

Es ist ein großer Wissensschatz zu Städten, Gemeinden, Unternehmen, Vereinen und Personen aus der Region, den die gebürtige Berlinerin gemeinsam mit ihren Kolleginnen Christiane Franzen und Ani Ghazaryan bei der Heilbronner Stimme verwaltet. "Jeder hat zwar sein Spezialgebiet", erklärt Teamleiterin Dagmar Weigel, "aber wir alle können uns natürlich gegenseitig vertreten."

Welche Anfragen an das Ressort gestellt werden

Ein strukturiertes Vorgehen ist das A und O. Damit beispielsweise Texte und Fotos überhaupt gefunden werden können, müssen sie zuerst einmal verschlagwortet und ins Archivsystem eingepflegt werden - eine der täglichen Aufgaben des freundlichen Dreiergespanns. Seit 2004 geschieht dies digital, davor seit 1994 elektronisch.

Das Gedächtnis der Heilbronner Stimme

Ani Ghazaryan recherchiert im historischen Bildbestand nach Aufnahmen zum Breitenauer See.

Foto: Andreas Veigel

Wo wurde der Buga-Karl gesprengt? Wann wurde der Breitenauer See letztmals abgelassen? Wie waren die Lebensverhältnisse kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in einem bestimmten Ort? Die Anfragen, die an das Ressort gestellt werden, sind so vielfältig wie zahlreich. Gegen Gebühr werden für Externe Rechercheaufträge bearbeitet.

Ein gutes Gedächtnis und methodisches Vorgehen sind gefragt

Daneben sind es vor allem aber Redakteurinnen und Redakteure, die mal eben schnell hintergründige Fakten und Zahlen für ihren aktuellen Artikel benötigen. Dagmar Weigel, die seit 1992 bei der Stimme arbeitet, erinnert sich noch gut daran, wie diese hausinternen Rechercheunterlagen früher mit der Rohrpost hin- und hergingen.

"Man muss unter Zeitdruck arbeiten können und flexibel sein", beschreibt Ressortmitglied Ani Ghazaryan die nötigen Fähigkeiten für den Job. Ebenso gefragt sind ein gutes Gedächtnis und methodisches Vorgehen. Im Büro auf der Redaktionsetage in der Allee 2 verbringen die Dokumentarinnen viel Zeit vor dem Bildschirm sowie den Mikrofiche- und Mikrofilm-Lesegeräten. Denn alle Ausgaben, die vor 1994 erschienen sind, liegen zu Themen gebündelt in Mikroform vor.

Das Gedächtnis der Heilbronner Stimme

Digitales und analoges Arbeiten gehen Hand in Hand. Das Büro von Christiane Franzen und ihren Kolleginnen befindet sich in der Allee 2.

Im Keller lagern ab 1946 erschienene Originalausgaben

Ab und an führen die Recherchen aber auch in den Keller, wo unter anderem Originale aller Ausgaben lagern, die seit 1946 erschienen sind. Bei Temperaturen von 20 Grad sowie 50 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit wird dort das Quellenmaterial aufbewahrt. Diese konstanten Bedingungen sind nötig, damit sich das holzhaltige Papier nicht zersetzt. Und wenn das Trio selbst dort nicht fündig wird? Dann gibt es immer noch auswärtige Archive von Städten, Landkreisen und Heimatvereinen, zu denen das Ressort Kontakte pflegt.

Neben Archivierung und Recherche ist das Ressort aber auch für weitere Aufgaben zuständig. "Zeitungsleserinnen und -leser finden unsere Arbeit etwa in Form von Jahresrückblicken oder in Rubriken wie ?Was macht eigentlich..." und "In dieser Woche vor..." im Blatt wieder", erklärt Leiterin Dagmar Weigel.

Ihr Team und sie erstellen für stimme.de ebenso historische Fotodokumentationen, beliefern das Videoboard am Verlagsgebäude in der Allee 2 mit Bilderstrecken, kümmern sich um die Klärung von Bildrechten und die Vergabe von Lizenzen. "Jeder Tag ist anders und interessant", erklärt Christiane Franzen, die mit Blick auf so manchen historischen Fund sagt: "Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich Heilbronn und die Region verändert haben."

Leserservice

Das Archiv bietet Lesern verschiedene Serviceleistungen an: Wer beispielsweise für Referate, Seminararbeiten oder Vorträge Informationen recherchieren möchte, kann das persönlich tun, indem er sich das Mikrofiche- und Mikrofilmarchiv in den Stimme-Räumen zu Hilfe nimmt (Montag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr). Eine Kopie ist frei, alle weiteren kosten einen Euro, beziehungsweise 50 Cent für Schüler. Übernehmen die Archiv-Mitarbeiterinnen die Recherche, werden ein Stundensatz von zehn Euro plus die jeweiligen Kopien berechnet, bei sehr aufwendigen Recherchen fällt ein Stundensatz von 60 Euro an. Häufig angefragt werden auch Originalausgaben anlässlich runder Geburtstage oder Jubiläen. Die ganz frühen Exemplare kosten 55 Euro pro Stück, Ausgaben ab 1976 kosten 28 Euro.

Kontakt

Telefon: 07131 615864

E-Mail: archiv@stimme.de


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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