Ziehl-Abegg mit Rekordgewinn im Krisenjahr

Künzelsau  Der Ventilatorenhersteller aus Künzelsau erreicht ein kleines Plus bei Umsatz und verbessert sein Ergebnis deutlich. 2021 startet positiv, doch die Lieferkette erscheint brüchig und der Fachkräftemangel verschärft sich.

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Renas Abdulrahman montiert bei Ziehl-Abegg in Schöntal-Bieringen einen klassischen AC-Ventilator aus Aluminium.

Foto: Ziehl-Abegg

Mit dem einen Prozent Umsatzwachstum sei er "sehr zufrieden", sagt Ziehl-Abegg-Chef Peter Fenkl. Vor allem, weil durch die gesunkenen Kosten das Ergebnis "deutlich gesteigert" wurde und ebenfalls einen neuen Rekordwert erreichte. "Wir beteiligen daran auch die Mitarbeiter", sagt Fenkl. Ende 2020 gab es bereits 500 Euro für jeden, nun noch einmal eine stattliche, gestaffelte Prämie. Sorgen machten die Lieferketten, die nicht nur wegen der Pandemie bis jetzt schlecht funktionieren.

Investitionen ja, Feier eher nein

Im vergangenen Jahr hat sich viel getan. Die Halle in Bieringen wurde fertiggestellt, in den USA und in China die Fertigungskapazität erweitert.

Derzeit bezieht der Künzelsauer Ventilatoren- und Motorenhersteller die neue Produktionshalle in Waldenburg. Die ersten Maschinen kommen in diesen Tagen. 16 Millionen Euro werden hier investiert. Das Gebäude sollte eigentlich im Juni oder Juli feierlich eröffnet werden. Dahinter steht nun weiterhin ein Fragezeichen.

Auch hier sind Halbleiter Mangelware

"Das Jahr 2021 hat sich sehr gut angelassen", sagt Fenkl im Gespräch mit unserer Zeitung. Sorgen bereite derzeit allerdings die Beschaffung. An die überall knappen Halbleiter zu kommen sei dabei nicht das einzige Problem. Engpässe gebe es bei Drosseln und anderen elektronischen Bauteilen, Chemikalien, Kunststoffen, Metall.

Das sei ein typisches, zyklisch wiederkehrendes Thema, das sich diesmal aber durch die Pandemie und Ereignisse wie den quer stehenden Frachter im Suez-Kanal verstärkt hat. Zusätzlich spüre man, dass die Autoindustrie anzieht und bestimmte Produkte nachfragt.

Geschäftsfeld E-Mobilität wartet auf den Durchbruch

Apropos Auto: Vom Boom der Elektromobilität bei den Pkw kann Ziehl-Abegg derzeit noch nicht wie erhofft profitieren. Die Künzelsauer bieten unter dem Namen ZAWheel die Nachrüstung von konventionellen Omnibussen auf E-Antrieb an.

"Das macht allerdings noch weniger als ein Prozent unseres Umsatzes aus", verrät Fenkl. Die Hoffnung bleibt: Das Geschäft soll sich in den nächsten Jahren vervielfachen. "Die Akzeptanz bei den Herstellern ist groß, doch den Durchbruch konnten wir noch nicht erzielen."

Das Unternehmen hat 2020 einen Umsatz von 639 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 633 Millionen im Vorjahr. Von den ursprünglichen Umsatzplänen hatte sich Ziehl-Abegg rasch verabschiedet, weil es im größten Geschäftsbereich Lufttechnik einen Einbruch gab. Inzwischen lege dieser wieder dynamisch zu. Hinter den Erwartungen zurück bleibt der Bereich Aufzugsantriebe, der Mitte 2020 noch zugelegt hatte. Er macht rund zwölf Prozent des Gesamtumsatzes bei Ziehl-Abegg aus.

Umzug der Verwaltung nach Waldenburg noch nicht absehbar

Geplant ist weiterhin ein Umzug der Verwaltung von Künzelsau nach Waldenburg, wo das entsprechende Grundstück an der Autobahn bereits gekauft wurde. In den nächsten zwei Jahren sei das aber noch kein Thema, eher in vier oder fünf, sagt Fenkl. "Irgendwann werden wir wohl umziehen", so viel stehe fest.

Derzeit sucht das Unternehmen händeringend nach Mitarbeitern. "Wir kriegen zu wenig Leute in der Region, und zwar nicht nur bei Fachkräften, Ingenieuren und Verwaltungsmitarbeitern, sondern selbst bei Hilfskräften", erzählt Fenkl. Im Jahr 2020 blieb die Beschäftigtenzahl konstant: 2400 Menschen arbeiten an den drei Standorten in Hohenlohe, global sind es 4300.

Der Chef steht hinter der TikTok-Truppe

Einen Imagegewinn hat zuletzt die Initiative auf dem Social-Media-Kanal TikTok gebracht. "Wir haben da ein cooles Team. Und die Clips haben ohne Zweifel auch einen Effekt auf die Mitarbeitergewinnung", sagt Fenkl. Der Vorstandschef steht "voll dahinter", wie er selbst sagt. Selbst mitmachen will er nicht. "Wobei, wer weiß, was noch passiert."

 

Digitale Messen ein Flop

Homeoffice, virtuelle Konferenzen und Messen sowie Kurzarbeit in der Produktion mussten bei Ziehl-Abegg 2020 organisiert werden. "Mir war keine Millisekunde langweilig", sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl. Mancher Präsenz-Messestand dürfte künftig zumindest digital ergänzt werden. "Insgesamt haben sich in unserem Bereich digitale Messen aber nicht durchgesetzt, das Interesse war teils unglaublich gering", so Fenkl. Er freue sich auch wieder aufs Reisen, Kunden persönlich zu besuchen. "Das Zwischenmenschliche verliert sich nach und nach, wenn man sich nur noch am Bildschirm sieht."

 

 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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