Unternehmer Albert Berner wird 85 Jahre alt

Künzelsau  Albert Berner, Gründer der Berner Group, ist der zweitgrößte Schraubenhändler Hohenlohes. Am Sonntag wird er 85 Jahre alt. Der Jubilar blickt zurück auf sein Leben und auf seinen Weg als Unternehmer.

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Von keiner Hürde aufhalten lassen: Albert Berner und die Figur "Der Lehrling" von Bildhauer Karl Ulrich Nuss vor dem Firmengebäude auf dem Künzelsauer Garnberg. Der Jubilar erfreut sich bester Gesundheit.

Foto: Christian Gleichauf

Die Jugend wird wichtiger, je länger das Leben dauert, auf das man zurückschaut. So ist das auch beim zweitgrößten Künzelsauer Schraubenhändler Albert Berner. Seinen 85. Geburtstag feiert er an diesem Sonntag. Wobei "feiern" wohl der falsche Begriff ist. Denn die Eingeladenen, allen voran der ehemalige Ministerpräsident und EU-Kommissar Günther Oettinger, mussten wieder ausgeladen werden. Corona ist unerbittlich. Albert Berner selbst sagt über das Virus trotzdem: "Ich nehm das nicht so ernst."

Es gehört wohl dazu, dass ein Unternehmer sich nicht allzu leicht beeindrucken lässt. "Ich will mein Leben noch ein paar Jahre genießen", sagt Berner. Die Unbeirrbarkeit war immer sein Schlüssel zum Erfolg. Die Firma, die er aus dem Nichts aufbaute, hat heute 8200 Mitarbeiter und einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Das scheint den Jubilar allerdings nicht so sehr mit Stolz zu erfüllen, wie man das erwarten würde. "Ich hatte Glück, und auch viel Pech", sagt er. "Ohne Grundwissen tut man sich halt in allem schwer."

Das Wissen hätte er gerne schon in der Schule erworben. Vor allem die Fremdsprachen fehlten ihm später, wie er sagt. "Den Rest habe ich mir schon angeeignet." An die entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahre hat er aber nur bedingt positive Erinnerungen - bis auf den Sport und die sommerlichen Besuche im Kocherfreibad. "Morgens ging's ins Schwimmbad, und abends gab's eine auf den Schnabel, wenn man nicht gespurt hat."

In einer Klasse mit dem späteren Chef

Mit dem ewigen Rivalen Reinhold Würth und dem späteren EBM-Papst-Gründer Gerhard Sturm war er in der Volksschule in eine Klasse gegangen. Die Wege trennten sich danach erst einmal, weil sich Berners Eltern die 25 Mark monatlich für die Oberschule nicht leisten konnten. Stattdessen ging es kurz vor dem 14. Geburtstag schnurstracks in die Metzger-Lehre im väterlichen Betrieb. Ein "scheußlicher Beruf", wie er heute noch findet.

So wechselte er auf den Bau und heuerte schließlich als Schraubenverkäufer bei Adolf Würth an. Nach dessen frühem Tod wurde dann der ehemalige Klassenkamerad sein Chef. Es ist diese Geschichte, ohne die man nicht versteht, warum es die Berner Group heute gibt. Eine Geschichte von jugendlicher Eifersucht, Stolz, Trotz und Willenskraft.

Mit der eigenen Firma steil bergauf

Als sich 1957 die Wege trennten, fehlte es an ziemlich vielem. An Geld, Mitarbeitern, Gebäuden und betriebswirtschaftlichem Wissen, auch an Menschenkenntnis, wie Berner einräumt. Was der damals 21-Jährige konnte: Schrauben verkaufen. So machte er im ersten Jahr 300.000 Mark Umsatz und verdiente 30.000 Mark, im zweiten verdoppelte sich beides.

Der Zufall führte ihn bald nach Frankreich, wo er wieder viel Lehrgeld bezahlte, auf unpassende Partner setzte und sich doch etablierte. Und damit - das räumt auch Reinhold Würth heute ein - war Berner dem großen Kontrahenten zumindest auf einem Markt einen Schritt voraus. Auch die ersten Lochkarten und IBM-Computer im Kochertal fand man bei der Firma Berner.

Auf die Firmengründung 1957 folgte im selben Jahr das private Glück. Albert Berner heiratete seine erste Frau Gisela, die die Kinder Dagmar und Ralf zur Welt brachte. Wenig später starb sie im Alter von nur 26 Jahren. "Ich war 28, hatte 120 Leute in der Firma und zwei kleine Kinder, das war eine schwierige Zeit."

Kurzentschlossen suchte er "eine neue Mutter" für seine Kinder, wie er es ausdrückt, und fand in Ursula Herms "eine kluge Frau". Zwei weitere Kinder hat das Paar zusammen. Christian, der Jüngste, hat inzwischen die Geschäftsführung übernommen.

Ursula Berner ist es auch, die ihn zu manch wohltätigem Engagement ermuntert hat - etwa, als er zum 80. Geburtstag für 300.000 Euro die Innenrenovierung der Künzelsauer Friedhofskirche bezahlte, kam die Idee von ihr. Soziale Verantwortung will das Paar so übernehmen, das Thema aber auch nicht überbewerten. "Der gesunde Mittelweg" sei das Ziel, sagt Albert Berner.

Noch immer Humor und Selbstironie

Den Humor und die Selbstironie hat sich der Patriarch erhalten. Das Flirten will er nicht sein lassen. Und der Sport bleibt ein wichtiger Teil seines Lebens. Zweimal Golf, zweimal Rad fahren die Woche. Inzwischen erobert er mit einem E-Bike das Hohenloher Land, seine Täler, Berge und Ebenen im weiten Umkreis. "Vielleicht mach ich auch an meinem Geburtstag eine Tour", sagt Berner. Mit dem Fußball hat er längst aufgehört, doch mit den alten Kameraden - der "Männerriege", die er 45 Jahre geleitet hat - will er sich auch zu seinem Geburtstag wieder zusammensetzen. Draußen, unter freiem Himmel, in diesen Zeiten.

Mit dem VfB nichts mehr am Hut

Dass er noch immer klare Vorstellungen hat, zeigt das Thema VfB. Seine Liebe zu dem Verein ist erloschen. "Das ist ein Sauladen geworden", findet Berner. Für Bandenwerbung und Loge gibt er dort kein Geld mehr aus. Statt dessen zieht es ihn nach Freiburg. "Das ist der sympathischste Verein in Deutschland."

 

Schlussstrich

Albert Berner war bislang noch im Aufsichtsrat der Berner-Group mit den bekannten Säulen Berner, BTI und Caramba. Dieses Amt hat er in der vergangenen Woche niedergelegt. "Ich mache Schluss, dann bin ich nur noch Ehrenvorsitzender", kommentiert er. Repräsentative Termine nehme er noch wahr. Und er sei auch weiterhin bereit, seine Meinung zu äußern, wenn man ihn fragt. Mehr aber nicht.

Nach Albert Berners Abschied aus der Geschäftsführung 1999 standen mehrere Jahre externe Manager an der Unternehmensspitze, bis 2012 im Alter von nur 27 Jahren sein Sohn Christian die Geschäftsführung übernahm. Der verlegte einen Teil der Holding nach Köln. Ein richtiger Schritt, wie der Vater überzeugt ist. "Sie finden hier ja keine Fachkräfte für die Verwaltung mehr." Lidl wirke wie ein Staubsauger, so wie früher Audi. Inzwischen arbeiten in Köln 120 Beschäftigte. In Hohenlohe sind etwa 850.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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