Herber Einbruch beim Teamsportausstatter Jako

Mulfingen  Der Sportausrüster Jako aus Mulfingen-Hollenbach leidet massiv unter den Einschränkungen durch die Corona-Krise. Zwar schließt Vorstandschef Rudi Sprügel Entlassungen für dieses Jahr aus. Das aktuelle Umsatzminus ist aber gewaltig.

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Rudi Sprügel (63) gründete 1989 den Teamsportausstatter Jako. Die Firma hat ihren Namen von den Flüssen Jagst und Kocher. Firmengründer Sprügel, hier im Showroom der Firma, ist heute Vorstandsvorsitzender der Jako AG. Foto: Jako

Sportvereine sind zur Untätigkeit verdammt, der Sportfachhandel war wochenlang geschlossen - schlechte Voraussetzungen für den Sportausrüster Jako aus Mulfingen-Hollenbach. Unternehmensgründer Rudi Sprügel berichtet über die aktuelle Lage.

 

Wie ist jetzt die Auslastung bei Jako?

Rudi Sprügel: Was den Verkauf betrifft, ist unser Umsatz um 70 Prozent eingebrochen. Seitdem auf Deutschlands Fußballplätzen kein Ball mehr rollt, fehlt die Nachfrage.


Welche Produkte laufen noch gut?

Sprügel: Am ehesten werden Trainingshosen, Running- und Freizeitartikel gekauft. Meist sind das aber nur Individualbestellungen. Komplette Mannschaftsausrüstungen fehlen derzeit gänzlich.


Welche Absatzkanäle funktionieren überhaupt noch?

Sprügel: Bestellungen kommen fast ausschließlich von unseren Online-Händlern. Aus dem klassischen stationären Sportfachhandel hatten wir in den letzten Wochen durch die Schließungen keine Umsätze.


Was ist nötiger für Sie: die Öffnung der Geschäfte oder der Vereinssport?

Sprügel: Der Neustart im Vereinssport ist für uns und unsere Händler elementar wichtig! Je früher dies geschieht, umso optimistischer können wir mit unseren Händlern wieder in die Zukunft blicken.

Wie reagiert Jako auf die Corona-Krise? Gibt es bei Ihnen Kurzarbeit, Produktionsstopp oder Stellenabbau?

Sprügel: Wir haben entschieden, dass es bei Jako auch dieses Jahr keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Um das zu gewährleisten, werden wir auch Kurzarbeit einsetzen. Viele unserer Lieferanten, die überwiegend in Fernost sitzen, sind ebenfalls von der Corona-Krise betroffen.


Wie war das Geschäftsjahr 2019?

Sprügel: Mit dem Geschäftsjahr 2019 waren wir insgesamt sehr zufrieden. Wir haben einen Umsatz von 112 Millionen Euro erreicht und lagen damit knapp zehn Prozent über dem Vorjahr.


Wie steht es nun um Ihre Investitionsprojekte?

Sprügel: Alle laufenden Investitionsprojekte werden fortgeführt. Geplante Investitionen für den Zeitraum 2021 und später stellen wir in Anbetracht der aktuellen Situation auf den Prüfstand.


Und Ihre Prognosen für 2020?

Sprügel: Die Situation ist frustrierend. Wir wissen nicht, wann der Spielbetrieb wieder einsetzt. Es ist daher unmöglich, eine seriöse Prognose abzugeben. Natürlich ist die Gesundheit das höchste Gut. Trotzdem appellieren wir eindringlich an die Entscheidungsträger, klare Öffnungskriterien zu definieren.

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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