Handelskonzern Würth mit starkem Jahresstart

Künzelsau  Der Hohenloher Konzern fährt sein bestes Quartal seit zehn Jahren ein. Sorgen bereiten dem Management allerdings die gestiegenen Rohstoffpreise und mögliche Lieferengpässe. Vorantreiben will Würth das Thema Nachhaltigkeit.

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Der Handelskonzern Würth ist trotz der Corona-Pandemie sehr erfolgreich unterwegs. Sorgen bereiten dem Management aber die hohen Rohstoffkosten.

Foto: dpa

Der Würth-Konzern lässt sich von Corona nicht ausbremsen. Nach einem unerwartet erfolgreichen Jahr 2020 sind die Hohenloher fulminant ins neue Jahr gestartet. Einzig die knapper werdenden Rohstoffe und damit verbundene deutliche Preissteigerungen machen Konzernchef Robert Friedmann Sorgen.

Faktoren für das gute Ergebnis

Das Corona-Jahr 2020 bezeichnet der Sprecher der Konzernführung bei der virtuellen Bilanzpressekonferenz am Donnerstag als "Würth-like - alles im Plus". Tatsächlich hat der Weltmarktführer für den Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial den Umsatz um ein Prozent auf 14,41 Milliarden Euro steigern können. Das Betriebsergebnis vor Steuern legte von 770 auf 775 Millionen Euro zu. Friedmann führt dieses gute Ergebnis auf drei Hauptfaktoren zurück. Es seien mehr Kunden auf digitalem Weg erreicht worden, es habe eine größere Warenverfügbarkeit gegeben und man habe die Zahl der Vertriebsstandorte erhöht.

Statt Personal abzubauen, habe Würth die Anzahl der Mitarbeiter insbesondere im Vertrieb sogar erhöht, betont Friedmann. Insgesamt arbeiten von den 79 139 Konzern-Mitarbeitern 50.474 in diesem Bereich. "Der Vertrieb ist und bleibt das Rückgrat des Unternehmens", versichert der Konzernchef.

E-Business wird immer bedeutender

Gleichwohl wird das E-Business für die Künzelsauer immer wichtiger. Der Umsatz stieg hier überproportional um 5,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro und steuert damit 19,3 Prozent zum Gesamtumsatz bei. "Diesen Bereich wollen wir weiter ausbauen", sagt Finanzchef Joachim Kaltmaier.

Würth profitierte 2020 von der starken Baukonjunktur. Die Geschäfte in diesem Bereich legten deutlich um 12,2 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu. Auch im Elektrogroßhandel liefen die Geschäfte sehr gut, der Umsatz wuchs um 12,8 Prozent auf 2,16 Milliarden Euro.

Bärenstärkes erstes Quartal

Eine "historische Entwicklung" für den Konzern sieht Friedmann im bisherigen Jahresverlauf 2021. Die ersten drei Monate waren mit einem Umsatzplus von 10,3 Prozent und einem um 25 Prozent gesteigerten Betriebsergebnis "das beste Quartal seit zehn Jahren", so Friedmann. Im April seien die Erlöse sogar um 49,8 Prozent geklettert. Erstmals habe Würth bei der Mitarbeiterzahl die Grenze von 80.000 überschritten. Insofern rechnet das Management für das Gesamtjahr mit einem hohen einstelligen Wachstum beim Umsatz und einem "leicht überproportionalen Ergebnis".

Friedmann kündigt Preiserhöhungen an

Weniger Freude bereiten Friedmann die "astronomischen Preiserhöhungen" bei den Rohstoffen. "Es gibt in allen Segmenten Engpässe." Die Folge sei, dass viele Unternehmen ihre Lagerkapazitäten erhöhten, dadurch die Knappheit verschärften und die Preisspirale weiter nach oben trieben. Insofern könnte die Lieferfähigkeit, die Friedmann als ein zentrales Erfolgskriterium in diesem Jahr ausgemacht hat, durchaus leiden. "Zwar ist bei uns noch keine Lieferkette gerissen, aber es ist alles am Anschlag", sagt er. Die Brutto-Margen bei Würth seien jetzt schon so unter Druck wie noch nie. Preiserhöhungen, erklärt der Konzernchef, seien deshalb unausweichlich.

Muttergesellschaft soll bis 2024 klimaneutral werden

Vorantreiben wollen die Hohenloher das Thema Nachhaltigkeit. So soll die deutsche Muttergesellschaft AWKG bis 2024 klimaneutral sein, kündigt Friedmann an. "Unsere Kunden beliefern wir bereits seit letztem Jahr hundertprozentig klimaneutral", sagt er. Außerdem setzt das Unternehmen künftig auf sortenreine Kartonagen, um Kunststoff zu vermeiden und Recycling zu ermöglichen. "Nachhaltigkeit ist eines unserer größten Projekte", betont Friedmann. Dafür brauche ein komplexer Konzern wie Würth Zeit.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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