Die Pläne von Ziehl-Abegg im Gewerbepark Hohenlohe

Kupferzell  Der Künzelsauer Motorenhersteller investiert 16 Millionen Euro in die Produktionserweiterung im Gewerbepark Hohenlohe. Und das Unternehmen hat bereits weitere große Pläne in der Schublade.

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Der Lüftungs- und Motorenhersteller Ziehl-Abegg investiert im Gewerbepark Hohenlohe an der A6 weitere 16 Millionen Euro in die Erweiterung der Produktion. Im neuen Gebäude wird eine Fläche von rund 8400 Quadratmetern für den Bau der modernsten Generation energieeffizienter Elektromotoren geschaffen, rund 200 neue Arbeitsplätze entstehen.

Der Himmel strahlt "Ziehl-Abegg-blau", wenn die Wirtschaftsministerin zu einer Feierstunde hierher kommt, so formulierte es der Hohenloher Landrat Matthias Neth. Nicole Hoffmeister-Kraut ist nicht zum ersten Mal da. Vor zwei Jahren weihte sie den bis dato letzten Erweiterungsbau ein. Jetzt folgt der Spatenstich für den nächsten. "Ich höre im Hintergrund schon die Bagger fahren", merkt die Ministerin an. "Sie warten nicht ab, Sie gehen voraus." Und das mitten in der Corona-Krise.

Investiert wird "bewusst antizyklisch"

Es ist auch nicht die erste Krise, die die Hohenloher nutzen, um "bewusst antizyklisch" zu investieren, wie Vorstandsvorsitzender Peter Fenkl erläutert. Das habe die Firma schon 2002/03 getan, ebenso 2008 mit dem Forschungs- und Entwicklungszentrum, für das mitten in der Finanzkrise ein zweistelliger Millionenbetrag gesetzt wurde.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (links) wartet mit Gesellschaftern und Vorstandsmitgliedern auf den Spatenstich für den Erweiterungsbau.

"Jedesmal hat sich gezeigt: Die Entscheidung war goldrichtig." Er sei sehr dankbar, so weitsichtige Gesellschafter zu haben, sagt Fenkl. Ähnlich lobt Hoffmeister-Kraut das Familienunternehmen, das "in langen Linien" denke. Davon gebe es glücklicherweise einige im Land. Das mache Hoffnung, insgesamt gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Die antizyklischen Investitionen bieten auch die Chance, beispielsweise von den Maschinenbauern gute Angebote einzuholen. Nicht gelungen ist das bei den Bauunternehmen, wie Fenkl andeutet. "Das hätte ruhig etwas billiger sein dürfen." Wichtig sei aber, dass es jetzt zügig vorangehe. Bis Ende des Jahres soll die Grundstruktur des Neubaus stehen. Er bietet später die Möglichkeit, die derzeitige Beschäftigtenzahl von Ziehl-Abegg im Gewerbepark Hohenlohe von rund 850 auf mehr als 1000 zu erhöhen. 2400 Mitarbeiter beschäftigt Ziehl-Abegg derzeit in Hohenlohe insgesamt, 4300 weltweit

Boom bei Motoren für Aufzüge

Besonders der Geschäftsbereich Antriebstechnik mit Elektromotoren für Aufzüge erlebt im laufenden Jahr beim Auftragseingang ein Allzeithoch. Dennoch ist Ziehl-Abegg von der Corona-Krise ebenso betroffen ist wie viele andere im produzierenden Gewerbe - die Umsätze liegen insgesamt leicht unter Vorjahr. Landesweit ging es in der Industrie im vergangenen Monat allerdings um satte 40 Prozent nach unten, wie Hoffmeister-Kraut erläutert.

Ziehl-Abegg will nach Corona durchstarten

Ziehl-Abegg-Chef Peter Fenkl erläutert die Pläne auf dem Areal.

Ein Pluspunkt für Ziehl-Abegg sei gewesen, dass die Lieferkette funktionierte. Der Motoren- und Ventilatorenhersteller steht traditionell für eine hohe Fertigungstiefe. "Zudem hat uns geholfen, dass unsere Produktionsstandorte in Künzelsau, in Schöntal-Bieringen und hier im Gewerbepark nur wenige Kilometer auseinanderliegen", erzählt Produktionsvorstand Klaus Weiß. Mancher Kunde sei erstaunt gewesen, "dass wir lieferfähig sind".

Corona-Folgen noch nicht abschätzbar

Bald soll es nun wieder aufwärts gehen, auch wenn die Folgen der Corona-Krise noch nicht abschätzbar sind. "In der weltweiten Wirtschaftskrise 2008 sind wir 17 Prozent im Umsatz gesunken und haben im Folgejahr um mehr als 20 Prozent zugelegt - das ging nur, weil wir sehr gute Produkte und motivierte wie qualifizierte Mitarbeiter haben", so Fenkl. "Wenn Corona und die daraus resultierende Wirtschaftskrise vorbei sind, können wir wieder voll durchstarten."

Die Digitalisierung macht übrigens auch vor den Elektromotoren nicht Halt. Motoren und Ventilatoren von Ziehl-Abegg sind bereits via Ethernet oder Bluetooth in Netzwerke einbind- und steuerbar. Diesen Trend der Vernetzung treibt das Unternehmen mit einer eigenen Cloud-Lösung voran. "Wir haben dazu einen sehr erfahrenen und innovativen Partner gesucht" - und mit der Telekom gefunden.

 

Verlegung der Verwaltung?

"Wir haben viel Land gekauft, wir werden es bebauen", kündigte Ziehl-Abegg-Chef Peter Fenkl an. Gesellschafter Uwe Ziehl erklärte später, was es damit auf sich hat: Das Unternehmen hat zu den 220.000 Quadratmetern südlich der A6 vor wenigen Monaten noch 40.000 Quadratmeter nördlich zugekauft. Produktionsvorstand Dr. Klaus Weiß verriet, was hier angedacht ist. Möglicherweise soll die Verwaltung von Künzelsau hierher ziehen. Das habe Vorteile für die Mitarbeiter, wenn der lange Weg von der Autobahn ins Kochertal wegfalle. Zudem seien die derzeitigen Verwaltungsgebäude in die Jahre gekommen. "Aber noch ist nichts spruchreif", betonte Weiß.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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