Corona-Pandemie trifft Recaro hart

Schwäbisch Hall  Flugzeugsitzehersteller muss für 2020 einen Umsatzrückgang um 60 Prozent verkraften. Nun will das Familienunternehmen aus Schwäbisch Hall das Steuer herumreißen.

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Flugzeugsitze aus Schwäbisch Hall

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Foto: Archiv

Die Corona-Pandemie hat den Flugzeugsitzehersteller Recaro heftig gebeutelt. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, brach der Umsatz im vergangenen Jahr um 60 Prozent auf 295 Millionen Euro ein. Damit hat sich bewahrheitet, was Mark Hiller, geschäftsführender Gesellschafter von Recaro Aircraft Seating, im November gegenüber der Heilbronner Stimme angekündigt hatte. Nach zweistelligen Wachstumsraten in den zurückliegenden zehn Jahren hatte das Unternehmen im Jahr 2019 noch einen Rekordumsatz in Höhe von 716 Millionen Euro erwirtschaftet. Nun will Recaro die Weichen stellen, um gestärkt aus der Krise herauszukommen und die Verlustzone wieder zu verlassen.

Globale Präsenz wird ausgebaut

"Wir bauen unsere globale Präsenz engagiert weiter aus, arbeiten an Innovationen und motivieren unser wichtigstes Kapital, unsere Mitarbeiter, mit unserem internen Leitbild ,We are Recaro"", gibt Hiller die Richtung vor. Aktuell beschäftigt Recaro weltweit 2100 Mitarbeiter am Stammsitz in Schwäbisch Hall sowie an Standorten in China, Südafrika, Polen und den USA.

Arbeitsplätze am Stammsitz gesichert

Während an den ausländischen Standorten im Corona-Jahr rund 500 Stellen gestrichen wurden, blieb die Mitarbeiterzahl am Stammsitz mit 1150 stabil. Das liegt an der Beschäftigungssicherung, die Recaro im November 2020 mit dem Betriebsrat und der IG Metall geschlossen hat. Die Mitarbeiter am Stammsitz verzichten auf Teile ihres Gehalts und der Sonderzahlungen, dafür garantiert das Unternehmen die Sicherheit der Arbeitsplätze bis Ende Juni 2023. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen.

Um das Steuer in der Corona-Pandemie möglichst schnell wieder herumzureißen, hat das Recaro-Management schon früh entsprechende Anpassungsmaßnahmen getroffen. So wurden durch Effizienzprogramme die Kosten an allen Standorten um 18 Prozent reduziert, zudem wurden 150 Projekte zur Effizienzsteigerung aufs Gleis gesetzt. Auch das Recaro-Management und die Mitarbeiter im außertariflichen Bereich haben durch Gehaltsverzicht zu den Einsparungen beigetragen. Wie Hiller betont, habe auch das Instrument der Kurzarbeit geholfen, in der Krise wichtige Ressourcen zu sichern.

Neue Kunden und Segmente

Trotz der pandemiebedingten Flaute in der Luftfahrt gab es im vergangenen Jahr auch Lichtblicke für Recaro. So flog der bisher leichteste Sitz für die Economy Class zum ersten Mal bei TAP Air Portugal und KLM Royal Dutch Airlines. Außerdem ist das Unternehmen im vergangenen Jahr in den Regional-Jet-Markt eingestiegen. Die Maschinen der KLM-Regionalfluggesellschaft KLM Cityhopper stattet Recaro mit Sitzen in einem Hybrid-Layout aus. "Die Expansion in den Regionaljet-Markt ist für Recaro eine großartige Gelegenheit, Fähigkeiten auszubauen und unsere Kundenbasis zu stärken", sagt Hiller. Und die Sitze für Indigo Partners, von denen Recaro den bisher größten Auftrag der Unternehmensgeschichte erhalten hat, heben in diesem Monat zum ersten Mal ab.

Der Recaro-Chef bekräftigte, dass die Bauprojekte am Stammsitz weitergeführt werden. So sollen der Kundenservcie-Bereich, die Crashanlage und das Brandlabor in diesem Herbst eingeweiht werden.

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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